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Gravelbike-Test: Canyon, Felt, Fuji, Rondo, Rose, Scott

6 Gravelbikes bis 3000 Euro im Test

Immer mehr Fahrer erliegen der Faszination Gravel. Doch welches Bike passt perfekt zu den eigenen Ansprüchen? Der ROADBIKE-Test in der Klasse bis 3000 Euro hilft bei der schwierigen Entscheidung.

Kurze Themenübersicht:

Gekommen, um zu bleiben: Nein, von einem kurzlebigen, zwanghaft in den Markt gedrückten, aus den USA importierten Trend kann man bei Gravelbikes wahrlich nicht mehr reden. Neben den unvermeidlichen E-Bikes gehören die vielseitigen Rennräder fürs Gelände zu den absoluten Wachstumsbereichen auf dem Fahrradmarkt. Und das, obwohl gerade zu Beginn viele traditionsbewusste Rennradfahrer den neuen Bikes mit den fetten Reifen mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnet sind.

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6 Gravelbikes unter 3000 Euro im Test Test: Gravelbikes von Canyon, Felt, Fuji, Rondo, Rose, Scott
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Diese Hartgesottenen mag es immer noch geben, aber es werden eindeutig weniger. Zu überzeugend sind die Argumente "pro", und wer es einmal ausprobiert hat, kann sich der Faszination – und den quasi unbeschränkten Möglichkeiten–, die solch ein Gravelbike bietet, kaum mehr entziehen: endlich unabhängig von asphaltierten Straßen und dem damit verbundenen Verkehr neue Strecken entdecken, entspannt über Waldwege rollen, die Natur aus neuen Blickwinkeln genießen – ohne dabei auf Geschwindigkeit und Fahrgefühl eines Rennrads verzichten zu müssen. Und, ganz nebenbei, auch auf der Straße immer noch eine gute Figur abgeben. Wer glaubte, sein Trainingsrevier wie die eigene Westentasche zu kennen, wird mit einem Gravelbike völlig problemlos noch ganz neue Ecken entdecken.

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Ob als schnelle Geländesportler, vielseitige Tourer oder Begleiter fürs Bikepacking Abenteuer: moderne Gravelbikes bieten eine enorme Bandbreite für ganz unterschiedliche Einsatzbereiche“, sagt Christian Brunker, RB-Redakteur. BRUNKER, RB-REDAKTEUR

Es ist also – bei genauerem Hinsehen – nicht überraschend, dass Gravelbikes aktuell bei vielen Radsportlern ganz oben auf der Wunschliste stehen, da es sich eben nicht nur um ein weiteres Rennrad handelt, sondern um eines mit Mehrwert.

Doch genau da fangen die Schwierigkeiten an, denn Gravelbike ist längst nicht gleich Gravelbike. Jeder Hersteller interpretiert "seine" Modelle etwas anders, setzt eigene Schwerpunkte, insbesondere bei der aktuell verkauften, neuen Generation. Waren viele der ersten Modelle oft nur leicht modifizierte, etwas anders ausgestattete Crosser, sind nun mehrere Jahre Erfahrung und Kundenfeedback in die Neuentwicklungen mit eingeflossen.

Einer der wesentlichen Trends sind die Reifen, die immer breiter werden. 40 mm sind keine Seltenheit mehr, manche Rahmen erlauben bis zu 50 mm breite Pneus; auf den ebenfalls oft montierbaren kleineren 650B-Laufrädern kann es manchmal noch breiter werden. Damit erwächst so manches Gravelbike zum Konkurrenten des MTB-Hardtails, selbst gröberes Geläuf und Trails sind damit kein Problem mehr. Dazu passt, dass sich viele der Räder, zumindest optional, mit Vario-Sattelstützen ausstatten lassen und mitunter sogar Federungselemente integriert werden.

Viele Interpretationen

Die zweite Entwicklung ist, dass viele Räder mit immer mehr Aufnahmen für Schutzbleche, Trinkflaschen und Packtaschen versehen werden, Stichwort "Bikepacking": für die mehrtägige Tour, gerne auch als Selbstversorger mit Zelt und größerem Gepäck für noch mehr Freiheit und Abenteuer. Die Räder kommen zudem mit einer entspannteren Sitzgeometrie für das komfortablere Bewältigen von Langstrecken und Brevets und für bessere Übersicht im Gelände. Gleichzeitig eignen sie sich natürlich auch perfekt für den ganzjährigen Pendelweg zur Arbeit und den Alltagseinsatz.

All diese Punkte zeigen, wie unterschiedlich sich das Thema Gravel interpretieren lässt. Zumal es ja immer noch die eher traditionellen Rennradfahrer gibt, die mit Trails und Bikepacking nichts am Hut haben, sondern einfach nur ein leichtes, schnelles und sportliches Rad suchen, das die ein oder andere Schotterpassage auf der Flucht vor dem Straßenverkehr nicht so schnell krummnimmt. Deshalb sollten Sie sich vor dem Kauf eines Gravelbikes unbedingt darüber klar werden, was Sie mit dem neuen Rad vorhaben, damit Ihnen Enttäuschungen erspart bleiben.

Viele der Fragen, die sich im Beratungsgespräch im Fachhandel oder beim Versender stellen, beantworten sich dann fast automatisch. Beispielsweise die, ob das Rad mit einem Einfach-Kettenblatt, wie es sie mittlerweile nicht nur von Sram, sondern auch von Shimano gibt, ausgestattet werden soll oder ob ein klassischer Zweifach-Antrieb nicht sinnvoller wäre. Unsere Empfehlung: Soll das Gravelbike Ihr neues Rad für alles werden, mit dem Sie beispielsweise auch (evtl. mit einem zweiten Laufradsatz) auf der Straße fahren wollen, bietet ein zweites Kettenblatt die feinere, insgesamt flexiblere Gangabstufung.

Im Offroad-Einsatz hingegen ist eine Einfachgruppe meist ausreichend, zudem leichter und (ohne Umwerfer) wartungsärmer. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass die Kassette eine entsprechend große Spreizung aufweist. Damit Sie auch steilere Rampen mit Anstand bezwingen können, sollte das größte Ritzel schon 42 Zähne haben. Weiterer Tipp: Achten Sie bei der Gruppe auf die Details. Shimanos GRX etwa gibt es in unterschiedlichen Qualitäten: So liegt die GRX RX810 auf Ultegra-Niveau, die RX600 entspricht der 105, die RX400 der Tiagra und kommt im Gegensatz zu den anderen Gruppen nur mit 10-fach-Kassette.

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Der Reifen entscheidet

Besonderes Augenmerk sollte auch den Reifen gelten: Modelle bis ca. 38 mm mit einem leichten Profil reichen für die meisten Waldwege und Schotterpisten völlig aus, rollen dabei noch sehr gut über Asphalt und machen durch ihr geringeres Gewicht das Rad nicht zu träge. Wer sich hingegen auch auf aufgeweichten, verschlammten Waldböden sicher über Trails bewegen möchte, wird eher mit Reifenbreiten jenseits der 45 mm und einem gröberen Profil glücklich, muss aber im Gegenzug die schwächere Performance auf der Straße in Kauf nehmen. Auch deshalb ist es wichtig: vor dem Kauf checken, welches Reifenlimit Rahmen und Gabel setzen.

Es zeigt sich: Die aktuellen Gravelbikes beeindrucken durch ihre vielen Möglichkeiten, erfordern aber auch eine etwas intensivere Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen, um das genau passende Modell in der optimalen Ausstattung für die eigenen Vorhaben und Ziele zu finden. Dann aber bereichern Gravelbikes definitiv – und langfristig – das Radsportlerleben. Aber seien Sie gewarnt: Ausprobieren kann süchtig machen!

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Eine Frage des Profils

Kaum eine Komponente beeinflusst den Charakter und die Fahreigenschaften eines Gravelbikes so stark wie der Reifen. Die von den Herstellern mitgelieferten Reifen können dabei nur eine erste Orientierung geben, früher oder später sollten Sie den Reifen auf Ihren persönlichen Einsatzbereich hin optimieren. Wer viel auf Asphalt und feinem Schotter unterwegs ist, ist mit einem schwach profilierten Reifen wie Schwalbes G-One Speed in einer Breite bis max. 40 mm gut beraten; wer wirklich öfter ins grobe Gelände will und in Schlamm und Matsch gute Traktion braucht, sollte gröber profilierte Pneus aufziehen. Wie groß die Unterschiede schon rein optisch sind, zeigen die Varianten von Schwalbes G-One-Reihe.

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So testet Roadbike

Steifigkeiten, Rahmengewichte? Komfortwerte an Front und Heck? Werte, die bei klassischen Rennrädern zu den wichtigsten Unterscheidungs- und Bewertungskriterien zählen, rücken bei Gravelbikes in den Hintergrund. Denn welche Rolle spielen beispielsweise geringe Unterschiede in der Lenkkopfsteifigkeit, wenn sich die breiten, mit vergleichsweise wenig Druck gefahrenen Reifen in der Praxis ohnehin viel stärker auf das Lenkverhalten auswirken? Auch wird man mit einem Gravelbike eher selten mit 80 und mehr Kilometern pro Stunde eine Passstraße runterrauschen. Gleiches gilt für den Komfort, auch hier zeigt sich, dass der Reifen und insbesondere der gewählte Luftdruck eine maßgeblichere Rolle spielen als Rahmen und Sattelstütze. Auch beim Gesamtgewicht muss ein leichteres Rad nicht per se das bessere sein, denn auch hier sind die montierten Reifen ein wesentlicher Faktor, und ein leichter, gering profilierter Reifen ist im Graveleinsatz je nach Anspruch nicht automatisch besser. Viel mehr muss er zur Ausrichtung des Bikes und zu den Wünschen des Fahrers passen.

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Praxis schlägt Labor: Alle Gravelbikes wurden intensiv auf festgelegten Runden mit unterschiedlichsten Bedingungen getestet.

Aus diesen Gründen hat ROADBIKE entschieden, die Gravelbikes jeweils einzeln auf ihre Stimmigkeit und ihren Fahreindruck zu überprüfen und kein standardisiertes Punkteraster über die Räder zu legen. Deshalb stehen unter den Testbriefen auch keine Noten, die eine eindeutige Vergleichbarkeit der Räder im Test suggerieren würden. Für die Bewertung wurden alle Räder von mehreren Testern auf einer festgelegten Runde mit verschiedenen Abschnitten von Asphalt über wurzelige, teils matschige Waldwege und Schotterpassagen gefahren. Anschließend notierten sie ihre Eindrücke, die sich gesammelt in den Testbriefen wiederfinden – mit allen Stärken und Schwächen des Rades sowie einer Empfehlung, für welchen Einsatzbereich und Fahrertyp sich das Rad am besten eignet.

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Diese Bikes hat ROADBIKE gestestet:

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