RB 2019 Schwalbe Pro One Reifen Moritz Pfeiffer

Schwalbe Pro One im ersten Test

Schwalbe präsentiert neue Top-Reifenpalette Pro One

Schwalbe hat seinen Top-Rennradreifen von Grund auf überarbeitet. Unter dem Produktnamen Pro One ist dieser ab sofort in drei Ausführungen erhältlich: klassisch mit Schlauch, Tubeless und als Zeitfahrreifen. RB ist alle bereits gefahren.

Ziel war es laut Schwalbe, einen schnellen, leichten und sicheren Reifen zu entwickeln, der zugleich ein Höchstmaß an Souplesse bietet. Darunter versteht Schwalbe hohe Geschmeidigkeit beim Abrollen und Lenken sowie ein komfortables, „sensibles Fahrgefühl“, das an Schlauchreifen heranreichen soll. Herausgekommen ist eine neue Generation von Pro One-Reifen, die trotz des identischen Namens „keine weitere Entwicklungsstufe des Vorgängers, sondern eine komplett neue Lösung“ ist, wie Schwalbes Produktmanager Peter Krischio betont. „Wir haben eine komplett neue Karkasse konstruiert, die Compounds [Gummimischung, d. Red.] optimiert und die Fertigung in allen Facetten weiter modernisiert“, so Krischio weiter.

Hier geht es direkt zum Testbericht.

Drei Versionen des Pro One

Der Pro One Tubeless Easy wurde speziell für die Anwendung ohne Schlauch konzipiert und bietet laut Schwalbe mit Abstand die beste Performance der drei neuen Pro One-Ausführungen. In 25 Millimetern Breite soll der Tubeless-Reifen gerade mal 245 Gramm wiegen, dabei 13 % schneller rollen als sein Vorgänger, 22 % mehr Grip bieten und dabei pannensicherer und haltbarer sein. Erhältlich ist der Pro One TLE (Tubeless easy) in der weit verbreiteten Größe 28 Zoll in 25, 28 und 30 Millimetern Breite für je 69,90 Euro pro Stück. Zum gleichen Preis gibt es den Pro One TLE auch in 27,5 Zoll (25 und 28 mm Breite) sowie 26 und 20 Zoll (jeweils 28 mm Breite).

Schwalbe
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Der neue Pro One Tube Type ist für all diejenigen Rennradfahrer entwickelt, die klassisch mit eingelegtem Schlauch fahren möchten. In 25 Millimetern Breite wiegt er laut Schwalbe 235 Gramm und rollt 13 % leichter, bietet 22 % mehr Grip und 30 % mehr Durchschlagschutz als sein Vorgänger One, der bisherige Top-Reifen mit Schlauch im Schwalbe-Sortiment. Den Pro One Tube Type gibt es „nur“ in 28 Zoll, dafür in den Breiten 23, 25, 28 und 30 Millimeter. Kostenpunkt für alle Ausführungen: 59,90 Euro.

Schwalbe
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Der Pro One TT Tubeless Easy wiederum ist laut Schwalbe der leichteste Tubeless-Reifen der Welt und insbesondere für Zeitfahrer und Triathleten gedacht. Als reiner Wettkampfreifen ist er – O-Ton Schwalbe – „am Limit konstruiert“, mit gerade mal 205 Gramm in 25 mm Breite sehr leicht und noch einmal 21 % schneller als der „normale“ Pro One TLE. Triathlet Patrick Lange nutzte einen Prototypen des Pro One TT TLE, als er 2018 den Ironman auf Hawaii in neuer Rekordzeit gewann. Neben der 25 mm-Ausführung gibt es den Reifen auch in 28 mm, beide Ausführungen kosten pro Stück 69,90 Euro. Optischer Hingucker: Der Pro One TT TLE gibt es derzeit ausschließlich mit heller Seitenwand. Die sucht man beim Pro One TLE und Pro One Tube Type vergeblich, beide Reifen sind – Stand heute – „nur“ in schwarz erhältlich.

Schwalbe
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Für alle Reifen-Ausführungen verspricht Schwalbe übrigens eine optimierte Aerodynamik (relevant ist hierbei, wie gut das Reifenprofil Luftströme lenkt). Die Reifenbreiten sind abgestimmt auf moderne Felgenbreiten von 19 Millimeter Innenweite. Übrigens: Damit man Tubeless- und Tube-Type-Reifen nicht verwechselt, ist auf der Seitenwand ein Hinweis angebracht.

Schwalbe
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Tubeless auf dem Vormarsch

Laut Schwalbe lassen sich alle neuen Tubeless-Modelle ohne Reifenheber und Kompressor genauso leicht wie ein klassischer Clincher mit Schlauch montieren. Schwalbe verweist auf die jahrelange Erfahrung mit Tubeless im Rennradbereich. „Darüber hinaus arbeiten wir Hand in Hand mit Felgen- und Laufradherstellern“, betont Produkt Manager Peter Krischio. „Unentwegt testen wir die Montage und Kompatibilität unserer Reifen auf deren aktuellen Tubeless-Laufrädern und können dadurch die Fertigungstoleranzen der Bauteile optimieren. Eine entsprechende Übersicht von getesteten Laufrädern ist auf unserer Website hinterlegt.“ Zum anderen verweist Schwalbe auf eine spezielle Dichtlippe für den Reifenwulst, die sich nach der Montage an das Felgenhorn anschmiegt und den Reifen luftdicht zur Felge abschließt.

Schwalbe
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Doch warum sollte man überhaupt auf den Schlauch verzichten? „Tubeless-Reifen sind in puncto Rollwiderstand, Grip und Komfort weit überlegen“, betont Produkt Manager Peter Krischio. „Wir sprechen hier nicht von marginalen Unterschieden, sondern von bis zu 20 Prozent Vorteil!“ Selbst im lange Zeit eher konservativen Profisport setzt sich die Technologie zunehmend durch: Bei der Tour de France 2019 setzte unter anderem das Team Deceunick – Quick Step auf Tubeless. Schwalbe selbst rüstet das belgische Team Wallonie Bruxelles sowie das Damen-World-Tour-Team Canyon-Sram mit Tubelessreifen aus. Ob künftig noch mehr Profis ohne Schlauch unterwegs sein werden. „Ich rechne fest damit“, sagt Peter Krischio, „Junge, innovative Fahrer akzeptieren im Zeitalter von Scheibenbremsen und elektronischer Schaltung einen handgenähten Schlauchreifen nicht mehr als State of the Art.“

Neuerungen auch beim Schwalbe One

Von den Neuentwicklungen beim Pro One profitiert auch die Nummer zwei im Rennrad-Portfolio von Schwalbe: der One. Dieser basiert in der jüngsten Entwicklungsstufe auf dem bisherigen Pro One und soll laut Schwalbe der perfekte Allround-Rennradreifen sein. Erhältlich nur noch in der etwas einfacheren „Performance Line“ (bisheriger One und neuer Pro One: „Evolution Line“), kostet der One weniger als bisher und ist sowohl als Tubeless-Variante TLE (25 und 28 mm Breite, zwei Farboptionen, 54,90 Euro) oder klassischer Ausführung mit Schlauch erhältlich (23, 25, 28 und 30 mm Breite, fünf Farboptionen, 39,90 Euro) erhältlich. Der One TLE konnte bereits überzeugen: Im ROADBIKE-Vergleichstest von sieben Tubeless-Reifen sicherte er sich den Testsieg (RB-Ausgabe 06/19).

Der Schwalbe Pro One im ersten Test

ROADBIKE fühlt den Schwalbe Pro One Tube Type und Pro One TLE seit mehreren Wochen im Dauertest auf den Zahn (Stand Nov. 2019) und fuhr alle drei Modelle im direkten Vergleich: auf festgelegter Testrunde, mit identischen Laufrädern des niederländischen Herstellers Scope und identischem Luftdruck. Zur Orientierung wurde auch eine Runde mit einem Continental GP 5000 gefahren, alle Testreifen in 25 Millimetern Breite.

RB 2019 Schwalbe Pro One Reifen
Moritz Pfeiffer
Alle drei Schwalbe Pro One-Ausführungen auf Laufrädern des niederländischen Herstellers Scope - auf dieser Kombination ist auch das von Schwalbe und Scope ausgerüstete Kontinentalteam Wallonie-Bruxelles unterwegs, das die Saison 2019 zu 100 % mit Schwalbes Tubeless-Pro One bestritt.

Erkenntnis: Der Pro One behält in allen Versionen seinen Charakter als toller Allrounder und fährt sich – wie bisher – einen Hauch sportlicher als Contis GP 5000. Dabei ist er jederzeit sehr gut kontrollierbar, wird niemals nervös und vermittelt mit subjektiv sehr gutem Grip viel Sicherheit. Zudem gefällt er versionsübergreifend mit angenehmer Dämpfung. Die Tubeless-Ausführung ist über 30 Gramm leichter geworden als der Vorgänger (vgl. RB 04/18). Getoppt wird das noch von den sagenhaften 212 Gramm des Pro One TT TLE – dem leichtesten je von RB gewogenen Tubeless-Rennradreifen. Dessen wieselflinkes Handling bei minimalem Rollwiderstand begeistert, wird aber erkauft durch die sehr dünne Lauffläche – mit zu erwartenden Abstrichen bei Pannenschutz und Laufleistung.

Die Tubeless-Montage wurde auf Laufrädern von Scope (sehr leicht), DT Swiss (okay) und Fulcrum (eher schwer, Reifenheber nötig) geprüft. Auffällig ist, dass der Pro One TT TLE dabei immer etwas weniger Kraft verlangte als der große Tubeless-Bruder Pro One TLE. Bei dem reichen dafür einige Hübe mit der Standpumpe, damit er ins Felgenbett springt – beim Pro One TT TLE braucht’s dafür einen Kompressor. Übrigens: Die Montage des Pro One Tube Type gelingt leicht – ohne Reifenheber.

RB 2019 Schwalbe Pro One Reifen
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Damit man Tubeless- und Tube-Type-Ausführung nicht verwechselt, ist auf der Seitenwand ein Hinweis angebracht.

Licht und Schatten zeigten sich im Dauertest. Während die Version mit eingelegtem Schlauch bislang klaglos ihren Dienst verrichtet, hatte ein Pro One TLE in 25 mm Breite nach einigen Hundert Kilometern ein Loch in der Lauffläche, das trotz seiner geringen Größe durch Schwalbes Dichtmilch nicht verschlossen werden konnte. Bei einem Pro One TLE in 28 mm schlitzte eine kurze Schotterpassage die Seitenwand auf – die Milch dichtete leidlich ab, so dass die Tour mit einigem Nachpumpen beendet werden konnte. Beide Testreifen ließen sich jedoch nicht zufriedenstellend flicken und wurden deshalb ausgetauscht bzw. seither mit Schlauch gefahren.

Für alle, denen es ums allerletzte Watt geht: Im Windkanal verlangt Schwalbes Pro One Tube Type bei 45 km/h ein Watt mehr Leistung als die aerodynamische Referenz unter den Rennradreifen – Contis GP 4000 SII. Grund dafür laut Jean-Paul Ballard, Aero-Experte von Swiss Side: die scharfe Kante am Übergang zwischen Lauffläche und Seitenwand, an der die zum Vortrieb beitragenden Luftströme früher abreißen. Trostpflaster für Schwalbe: Auch Contis aktueller GP 5000 erreicht nicht mehr die ausgezeichneten Werte des Vorgängers.

RB 2019 Schwalbe Pro One Reifen
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Das Profil ist bei allen drei Ausführungen identisch, die helle Flanke gibt’s nur beim Pro One TT TLE. RB-Windkanalmessungen zeigen: An der vergleichsweise scharfen Kante der Seitenwand lösen sich Luftströme früher ab - aerodynamisch ein (kleiner) Nachteil.
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