ROADBIKE Ratgeber Tubeless Troubleshooting Björn Hänssler

Tubeless-Reifen: Die 6 wichtigsten Fragen

FAQ: Probleme mit Tubeless-Reifen Tubeless Troubleshooting

Tubeless ist eine tolle Sache – wenn alles funk­tioniert. ROADBIKE gibt Tipps für die schwierigen Fälle, wenn es mit dem Set­ up nicht auf Anhieb klappt.

  1. Der Reifen springt nicht in die Felge!
  2. Ich bekomme den Reifen nicht montiert!
  3. Der Reifen hält nicht dicht!
  4. Ich habe unterwegs einen Defekt!
  5. Der Reifen hält nicht mehr dicht!
  6. Ich kriege den Reifen nicht mehr von der Felge!

1. Der Reifen springt nicht in die Felge!

Versuchen Sie als Erstes, mit schnellen Hüben aus der Standpumpe genügend Druck aufzubauen, damit der Reifen in die umlaufenden "Höcker" der Felge "einrastet". Mehr Erfolg verspricht ein externer Lufttank, den Sie mit der Standpumpe zuerst "aufladen", um die Luft anschließend schlagartig in den Reifen füllen zu können. Im Idealfall reicht der Druck aus, damit der Reifen in die Felge springt. Wenn nicht, drehen Sie zum ersten Befüllen des Reifens den Ventilkern heraus, um den Querschnitt für den Durchfluss zu vergrößern. Lufttanks gibt es von verschiedenen Herstellern oder sind bereits fest an Standpumpen montiert (z. B. Topeak Joe Blow Booster oder Lezyne Pressure Over Tubeless).

Notlösung: Verwenden Sie eine CO2-Kartusche, um möglichst schnell viel Druck aufzubauen. Dichtmilch sollte hierbei aber noch nicht in den Reifen eingefüllt sein.

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2. Ich bekomme den Reifen nicht montiert!

Achten Sie darauf, dass der Reifenwulst rundum an der tiefsten Stelle des Felgenbettes liegt und nicht an einer Stelle schon in die umlaufenden "Höcker" der Felge "eingerastet" ist. Geben Sie etwas Seifenlauge auf das Felgenhorn, damit der Reifen leichter drüberrutscht. Manche Hersteller bieten auch spezielle Montageflüssigkeiten an (z. B. Schwalbe Easy Fit). Verwenden Sie einen Reifenheber fürs letzte Stück, aber nur wenn Ihre Daumenkraft nicht ausreicht. Achten Sie darauf, Reifenwulst und Dichtlippe beim Hebeln nicht zu beschädigen!

ROADBIKE Ratgeber Tubeless Troubleshooting
Benjamin Hahn

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3. Der Reifen hält nicht dicht!

Das kann verschiedene Ursachen haben. Prüfen Sie der Reihe nach:

Reifen: Sitzt der Reifen beidseitig rundum richtig in der Felge? Falls nicht, pumpen Sie nach – oft springt er mit deutlich hörbarem Knacken in die endgültige Position. Ergänzend können Sie den Pneu mit den Händen etwas "walken" und so zum "Einrasten" bewegen. Ist die Seitenwand oder der Übergang Reifen/Felge undicht? Wenn an einer oder mehreren Stellen Dichtmilch in Bläschen austritt, braucht der Reifen gegebenenfalls zunächst etwas Zeit, um vollständig abzudichten. Fahren Sie eine kleine Runde, damit sich die Milch gleichmäßig im Reifen verteilen kann. Pumpen Sie ggf. immer wieder nach.

RB Tubeless-Reifentest 2021
Tests

Ventil: Prüfen Sie, ob das Ventil fest im Felgenbett sitzt. Drücken Sie es bei der Montage von innen mit dem Daumen fest in Richtung Ventilloch und erzeugen Sie über die Kontermutter von außen Gegendruck. Legen Sie ggf. einen formschlüssigen Gegenhalter/Spacer zwischen Felge und Kontermutter ein – insbesondere bei asymmetrischen Felgenformen. Vergewissern Sie sich auch, dass der Dichtring zwischen Felge und Mutter montiert ist. Verwenden Sie immer das vom Laufradhersteller mitgelieferte oder empfohlene Ventil. Sollte dennoch Luft entweichen, experimentieren Sie mit einem Ventil mit anderem Dichtungskopf. Einige Ventile kommen mit kegelförmigen Dichtungen, andere mit rechteckigen, die sich flächiger im Felgenbett abstützen.

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Benjamin Hahn

Felgenband: Überprüfen Sie Zustand und korrekten Sitz des Felgenbands. Risse, fehlende Spannung oder seitliches Aufrollen können Luftverlust verursachen. Prüfen Sie, ob das Felgenband zur Verwendung mit Tubeless-Reifen geeignet ist und die richtige Breite hat. Es gilt die Faustformel: Band drei Millimeter breiter als die Maulweite wählen. Wickeln Sie ggf. eine zweite Lage Felgenband. Das erhöht Ihre Chance, auch widerspenstige Reifen abzudichten, und vereinfacht eventuell sogar die Reifenmontage.

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4. Ich habe unterwegs einen Defekt!

Pumpen Sie ein oder mehrmals nach und fahren Sie jeweils ein Stück. Im Idealfall verschließt die Dichtmilch den Defekt nach einigen Umdrehungen, oft dauert es auch ein wenig länger. Schieben Sie von außen spezielle Gummipfropfen (umgangssprachlich "Salami" genannt) in den Cut (z.B. von MaXalami oder Sahmurai Sword). In Kombination mit der Dichtmilch dichten diese den Reifen wieder ab – allerdings eher für die Heimfahrt, nicht als Dauerlösung. Wischen Sie die Dichtmilch von der Reifeninnenseite und der Felge und montieren Sie für die Heimfahrt einen Schlauch (den Sie für den Pannenfall trotz Tubeless immer im Satteltäschchen haben sollten).

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5. Der Reifen hält nicht mehr dicht!

Hält der Reifen nach einer Weile die Luft nicht mehr, könnten Lauffläche, Karkasse oder Felgenband ein Loch aufweisen, das die Milch nicht mehr abdichten kann. Ersetzen Sie defektes Felgenband oder kleben Sie ggf. von innen einen speziellen Flicken auf das Loch im Reifen (z. B. von Lezyne). Ist das Dichtmittel (nach einigen Monaten) eingetrocknet? Füllen Sie etwas frische Dichtmilch nach, die mögliche Undichtigkeiten verschließt.

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Benjamin Hahn

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6. Ich kriege den Reifen nicht mehr von der Felge!

Stellen Sie sicher, dass Sie die Luft vollständig aus dem Reifen abgelassen haben. Bitten Sie eine zweite Person um Hilfe und versuchen Sie, mit drei/vier Händen, den Reifen in die Mitte des Felgenbetts zu drücken – erst eine Seite, dann die zweite. Versuchen Sie Ihr Glück mit Werkzeug, zum Beispiel mit einer Zange. Aber Achtung: Beschädigen Sie dabei nicht die Felge, auch die Gefahr abzurutschen ist groß!

Trick 17: Versuchen Sie am Hinterrad, zunächst den Reifen von der Bremsscheibenseite ins Felgenbett herunterzudrücken, am Vorderrad hingegen zunächst von der Antriebsseite. Warum das oft klappt, lässt sich kaum schlüssig erklären, ist aber nach RB-Erfahrung eine Möglichkeit, widerspenstige Reifen von der Felge zu lösen. Der letzte Ausweg: Schneiden Sie den Reifen von der Felge – mit einem scharfen (Teppich-)Messer zunächst entlang der Seitenwand, dann immer von der Felge weg, um diese nicht mit der Klinge zu beschädigen.

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