Test: 9 Allroad-Rennräder

Grenzgänger: 9 Allroad-Renner im Test

Video: RoadBIKE
Sie wollen auf der Straße so stark sein wie abseits asphaltierter Wege? Die Rennräder in diesem Test versprechen viel – zum fairen Preis.
Zu den getesteten Produkten
  • Allroad-Rennräder: Das sind Rennräder, die auch abseits asphaltierte Straßen gefahren werden können.
  • Allen Allroad-Rennrädern gemein: entspannte Touren-Geometrie, Scheibenbremsen und breite Reifen.
  • Im Test: 9 Rennräder zwischen 1699 Euro und 2299 Euro.

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Bergamont Prime Grandurance 7.0 (2017) 2299 Euro Sehr gut
Cube Attain GTC SL Disc (2017) 2099 Euro Sehr gut
Felt VR5 (2017) 2199 Euro Sehr gut
Rose Xeon CDX Cross-2000 (2017) 2099 Euro Sehr gut
Stevens Aspin Disc (2017) 1999 Euro Sehr gut
BMC Roadmachine 03 (2017) 2099 Euro Gut
Centurion Crossfire 3000 (2017) 1799 Euro Gut
Conway GRV 1000 C (2017) 2199 Euro Gut
Votec VRX G Pro (2017) 1699 Euro Gut

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Keine Frage: In den letzten Jahren hat sich das Rennrad so stark verändert wie nie zuvor in seiner langen Geschichte.

Rahmen mit komfortableren Geometrien, mehr Laufruhe und Federungskomfort, Schaltungen mit weiterem Übersetzungsspektrum, breitere Reifen, Scheibenbremsen – damit werden Rennräder vielseitiger denn je und schlagen die Brücke vom modernen Tourer zum Allroad-Renner: Sie versprechen, lange Touren so gut zu meistern wie das tägliche Pendeln zur Arbeit, wollen auf Asphalt so stark sein wie auf Feldwegen.

Das Beste aber: Solche vielseitigen Alleskönner sind schon zu Preisen um 2000 Euro zu haben.

RoadBIKE hat 9 dieser bezahlbaren Grenzgänger zwischen Allroader und Tourer getestet, um die These zu hinterfragen: Sollte womöglich jeder Rennradfahrer solch ein Rad besitzen, einfach weil es die Möglichkeiten so aufregend erweitert?

Klar ist: Mit ihrer sicheren Laufruhe und meist sportlich-komfortabler Fahrerhaltung sprechen sie rund 80 Prozent der RoadBIKE-Leser an – und den Großteil der Rennradfahrer.

Trotzdem gibt es massive Unterschiede im Testfeld und unterschiedlichste Detaillösungen.

Welcher Rahmen?

Schon die Rahmen-Gabel-Sets polarisieren: 4 Alu-Rahmen stehen 5 Sets aus Carbon gegenüber. Die Set-Gewichte pendeln meist zwischen für die Preisklasse guten 1700 und 1800 Gramm – nur das günstige Centurion Crossfire 3000 wiegt deutlich mehr.

Die Messwerte von den RoadBIKE-Prüfständen zu Steifigkeiten und Federungskomfort liegen auf zeitgemäß hohem Niveau. Das BMC Roadmachine 03 und das Conway GRV 1000 C schwächeln etwas im Lenkkopf, aber nur schwerere Fahrer über 85 Kilo sollte das vom Kauf abhalten.

Wichtig, gerade unter dem Aspekt der Alltagstauglichkeit: Details, wie die Möglichkeit zur Befestigung von Schutzblechen. Nur am Cube Attain GTC SL Disc und dem Stevens Aspin Disc sucht man diese vergeblich. Schön ist das kleine Schutzblech, das Bergamont formschlüssig passend zum Bergamont Prime Grandurance 7.0 anbietet.

Welche Gruppe?

Bestückt sind fast alle Räder im Test – wie in der Preisklasse zu erwarten – mit Shimanos aktueller 105-Gruppe samt hydraulischen Discs. Schaltung und Bremsen funktionieren entsprechend bestens. Kassetten mit großem 32er-Ritzel erlauben zusammen mit einer Kompaktkurbel mit 34er-Blatt voll bergtaugliche, kadenzfreundliche Übersetzungen. Davon profitieren nicht nur Ungeübte. Beim Test über großteils nasse Pisten zeigten die fein dosierbaren Discs ihre Stärken. Nur Conway leistet sich einen Schnitzer am Conway GRV 1000 C und montiert 140-mm-Scheiben, die selbst Shimano nur eingeschränkt empfiehlt.

Was im Test ebenfalls auffiel: Die Brems-/Schaltgriffe der 105 sehen nicht nur klobig aus, sie greifen sich nach Meinung der Tester auch nicht so gut wie die zierlicheren Modelle der teureren Ultegra. Die sind im Testfeld nur am Stevens Aspin Disc und dem Centurion Crossfire 3000 montiert. Votec verbaut Srams Rival-Gruppe am am Votec VRX G Pro mit nur einem Kettenblatt – eine interessante Alternative, solange man wenig Berge fährt.

Welche Reifen?

Von zentraler Bedeutung (nicht nur für Allrounder) sind die Reifen: Je nach Breite und Gummierung schränken sie den Einsatz des Renners auf die Straße ein oder machen ihn zum schottertauglichen Allroader.

Die Räder im Test zeigen die ganze Bandbreite: das Bergamont Prime Grandurance 7.0 und das Cube Attain GTC SL Disc kommen mit schmalen 25er-Slicks – mangels Volumen dämpfen sie Vibrationen weniger gut, und auf schlechtem Untergrund bieten sie kaum Halt. Das andere Extrem: das Centurion Crossfire 3000 und das Votec VRX G Pro. Deren üppigen 35er mit feinem Profil sind auf Schotter stark, doch Gewicht und Volumen bremsen Antritte und schnelle Manöver spürbar aus.

Den Testern gefiel die goldene Mitte am besten: 28 bis 30 mm breite Reifen bringen viel mehr Komfort und Sicherheit auf schlechtem Untergrund, erlauben Wald- und Wiesenausflüge. Trotzdem wird das Handling der Räder nicht zu träge, der Rennradcharakter bleibt voll erhalten.

Die Bewertung der Testräder im Detail

Aus umfangreichen Einzelwertungen in Labor und Praxis errechnet sich bei RoadBIKE die Endnote – hier die wichtigsten Wertungen im Überblick.

Foto: RoadBIKE RoadBIKE 0317 Allroad-Rennräder Bewertung

Die Punkte sind nur innerhalb eines Testfelds vergleichbar und abhängig vom Testfeld/der Preisklasse. Die jeweilige Gesamtpunktzahl führt zu folgenden Noten. 100–91: überragend; 90–71: sehr gut; 70–51: gut; 50–31: befriedigend; 30–1: schwach. * Punktabzug gibt es beispielsweise für Montagemängel oder schlecht zentrierte Laufräder.

20.03.2017
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 3/2017