Test: 12 Disc-Rennräder um 3000 Euro

12 Touren-Rennräder mit Scheibenbremsen im Test

Foto: Daniel Geiger Touren-Rennräder mit Scheibenbremsen um 3000 Euro im Test

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Mehr Komfort, bessere Bremsen, breitere Reifen: Aktuelle Touren-Bestseller setzen auf alle Rennrad-Innovationen der vergangenen Jahre. Macht sie das zu vielseitigeren, besseren Rädern? Oder sind das am Ende gar keine Rennräder mehr?
Zu den getesteten Produkten

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Cannondale Synapse Carbon Disc Ultegra (2018) 2999 Euro Gut
Canyon Endurace CF SL Disc 8.0 Di2 (2018) (Testsieger) 3299 Euro Sehr gut
Cube Agree C:62 Disc SLT (2018) (Testsieger) 3399 Euro Sehr gut
Felt VR3 (2018) 2999 Euro Gut
Focus Paralane Ultegra (2018) 2999 Euro Gut
Fuji Gran Fondo Disc 2.1 (2018) 2899 Euro Gut
Giant Defy Advanced Pro 1 (2018) 3199 Euro Sehr gut
Rose Team GF Four Disc Ultegra Di2 (2018) 3099 Euro Sehr gut
Scott Addict 10 Disc (2018) (Preis-Leistungs-Tipp) 2999 Euro Sehr gut
Specialized Roubaix Comp (2018) (Komfort-Tipp) 3499 Euro Gut
Stevens Ventoux Disc Custom (2018) 3546 Euro Sehr gut
Trek Domane SL6 Disc (2018) 3499 Euro Gut

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Disc-Tourer: die neuen Lieblings-Rennräder der Radsport-Gemeinde?

Was hast du dich verändert!“ Wer sich nach Jahren auf bewährtem Material mal wieder auf ein aktuelles Rennrad setzt, wird vermutlich genau das denken. Scheibenbremsen, breite Reifen, angenehme Fahrerposition, Federungskomfort … Das Erscheinungsbild des Rennrads hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Der Mehrheit der Rennradfahrer scheint das zu gefallen. Zumindest sagen das die Zahlen der Leserbefragung von RoadBIKE. 81 Prozent wollen einen Renner mit Carbon-Rahmen, 58 Prozent mit Scheibenbremsen, 28 Prozent planen, dafür um 3000 Euro auszugeben. Neueste Technik und mehr Komfort sind die meistgenannten Gründe für einen geplanten Neukauf.

Voilà, hier sind sie: die Lieblinge der RoadBIKE-Leser – und die eines Großteils der Rennradgemeinde. Disc-Tourer mit angenehmer Sitzgeometrie und spürbarem Federungskomfort zu Preisen um 3000 Euro. Anhand dieser Kriterien hat RoadBIKE auch den Test zusammengestellt. Allerdings starten nur zwölf Modelle. Warum nur so wenige, wo die Räder doch so beliebt sind? Das liegt mit daran, dass der Markt immer weiter zerfasert: Klare Eckpreispunkte gibt es kaum noch, die Räder einiger Anbieter sind schlicht zu teuer. Andere Modelle waren zum Testbeginn Anfang Februar noch nicht lieferbar.

Wie schon in anderen Tests der vergangenen Monate herrscht bezüglich der Gruppen eine Shimano-Monokultur. Komponenten von Sram oder Campagnolo werden in der Klasse praktisch nicht angeboten. Shimanos neue Ultegra ist allerdings durchaus ein Kaufgrund: Die Gruppe schaltet beeindruckend leichtgängig und präzise, verwaltet Kassetten mit 34er-Ritzel und auch die Disc-Bremsen überzeugen!

Foto: Daniel Geiger RoadBIKE Disc Tourer im Test

Mehr Komfort: Angenehme Fahrerhaltung und eine wirksame Federung kennzeichnen Tourer aus.

Wie wollen Sie Rennradtouren fahren?

Von der Ultegra abgesehen, zeigt sich das Testfeld erfreulich vielfältig – obwohl alle Testräder von ihren Herstellern als Tourer (oder Endurance)-Rennräder eingestuft sind. Wirksamer Federungskomfort und sichere Laufruhe bieten alle. Auch wenn deutliche Unterschiede im Handling erfahrbar sind – mehr dazu in den Testbriefen.

Bei der Positionierung des Fahrers ist dann aber endgültig Schluss mit den Gemeinsamkeiten. Specializeds Roubaix, einstmals prototypisch für Touren-Rennräder, bringt seinen Fahrer auch in der aktuellen Ausführung in eine sehr bequeme, recht aufrechte Haltung. Das Gros der Testräder erlaubt seinem Fahrer aber eine durchaus sportlichere Haltung, wenn auch mit etwas weniger Sattelüberhöhung als bei knackigen Straßensportlern üblich. Die großen Unterschiede bei der Positionierung des Fahrers zeigt das Diagramm.

Tourer-Trends

Die Reifen werden immer breiter, die Fahrerhaltung ist auf den Tourern sehr unterschiedlich – RoadBIKE hat nachgemessen:

Foto: RoadBIKE RoadBIKE Disc Tourer im Test
Foto: RoadBIKE RoadBIKE Disc Tourer im Test
Foto: Daniel Geiger RoadBIKE Disc Tourer im Test

Breitere Reifen: Üppigere Reifen bringen mehr Sicherheit und erweitern den Einsatzbereich.

Vielfalt der Konzepte

Vielfältig ist auch der Einsatzbereich der Starter im Test – was großteils an den Reifen liegt. Je breiter die Pneus, desto besser rollen sie auch über ruppigen Untergrund, umso sicherer wird das Verhalten in Kurven. Aber: Zu breite Pellen gehen auf Kosten der Leichtfüßigkeit. Maße über 30 mm (siehe Tabelle) empfanden die Tester als zu träge für einen Tourer, der noch als Vollblut-Rennrad durchgehen soll. Wer allerdings plant, häufiger auch abseits der Straße unterwegs zu sein, profitiert von breiten Reifen. Damit sind die aktuellen Tourer vielseitiger, das Segment ist vielfältiger, als man das bislang kannte. Und dennoch gehen alle Räder im Test noch als „Rennräder“ durch, wenn auch mit durchaus unterschiedlicher Akzentuierung.

Die Bewertung der Testräder im Detail

Aus umfangreichen Einzelwertungen in Labor und Praxis errechnet sich bei RoadBIKE die Endnote – hier die wichtigsten Wertungskategorien im Überblick.

Foto: RoadBIKE RoadBIKE Disc Tourer im Test

Testfazit kompakt

Viel Komfort, angenehme Fahrerhaltung, breite Reifen, Scheibenbremsen, bergtaugliche Übersetzungen – moderne Tourer bereichern den Rennradalltag. Schon ab 3000 Euro gibt es hervorragende Modelle: Die Bandbreite reicht von extrem komfortabel bis sportlich. Den Test gewinnen das komfortable, schottertaugliche Canyon und das sportliche Cube. Der sportive Alleskönner von Scott zum angemessenen Preis verdient sich einen Kauftipp. Top-Komfort zum stolzen Preis bietet das leicht übergewichtige Specialized.

So testet RoadBIKE

Jedes Rad wird in Labor und Praxis getestet, die Ergebnisse werden in Relation zu den anderen Testrädern gesetzt und bewertet.

So testet RoadBIKE: Jedes Testrad wird nach festgelegtem Ablauf in Labor und Praxis getestet.

Daten und Messwerte (50 %): Steifigkeiten und Gewichte des Rahmen-Sets und der Laufräder sowie alle Ausstattungsdetails werden im RoadBIKE-Labor ermittelt und nach festgelegtem Punkteraster bewertet. Die Summe dieser Daten ergibt zu 50 % die Endnote.

Praxistests (50 %): Auf einer festgelegten Testrunde fahren mehrere Tester jedes Rad und bewerten dann die Fahreigenschaften im Detail, ohne die Messwerte der Räder zu kennen. Diese subjektiven Fahreindrücke werden dann mit den Messwerten aus dem RB-Labor abgeglichen. Die Summe der Praxisbewertungen fließt mit 50 % in die Endnote ein.

Zu diesem Test: RoadBIKE hat Disc-Tourer um 3000 Euro zum Test bestellt. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurden die teils deutlich teureren Modelle einiger Hersteller nicht berücksichtigt.

Den detaillierten Testablauf finden Sie im Internet unter www.roadbike.de/sotestetroadbike

Der RoadBIKE-Profiler

So finden Sie das perfekte Rennrad: Der RoadBIKE-Profiler zeigt Stärken und Schwächen jedes Testrades – mit Daten aus dem RoadBIKE-Messlabor. Ein starker Ausschlag nach außen bedeutet: Der Wert liegt über dem Niveau der Preisklasse. Überlegen Sie vor dem Kauf, was Ihnen besonders wichtig ist – und wählen Sie entsprechend.

Steifigkeit: Je höher die Rahmensteifigkeiten, desto fahrstabiler ist das Rahmen-Set: besonders wichtig für schwere Fahrer oder Sprinter.

Federung: Je niedriger die Messwerte, desto besser federt das Rahmen-Gabel-Set – wichtig besonders für Vielfahrer und Tourer.

Set-Gewicht: Das Gewicht von Rahmen, Gabel, Steuersatz mit allen Beschlägen.

Laufradsteifigkeiten: Die Seitensteifigkeit der Laufräder.

Laufradgewicht: Das Gewicht beider Laufräder samt Bereifung, Achsen und Kassette.

Ausstattung: Die gesamte Ausstattung des Testrades.

Gewicht: Das Gesamtgewicht des Testrades ohne Pedale.

Foto: RoadBIKE RoadBIKE Disc Tourer im Test
25.05.2018
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 05/2018