Dauertest: Stevens Comet Disc 2018

Das Stevens Comet Disc im RoadBIKE-Dauertest

Foto: Christian Brunker/RoadBIKE Das neue Stevens Comet Disc
Das Comet ist Stevens Top-Modell mit extrem leichtem Rahmen und das neue Arbeitsgerät von RoadBIKE-Redakteur Christian Brunker. In diesem Dauertest-Blog berichtet er von seinen Erfahrungen.

Der Fahrer

  • Name: Christian Brunker, RB-Redakteur
  • Heimatregion: Eifel
  • Jahreskilometer: ca. 6000
  • Fährt Rennrad seit: 2002
  • Wie lange und wie oft fährst du? Ich sitze 3 bis 4 Mal pro Woche auf dem Rad, viele kurze Runden in der Mittagspause, am Wochenende auch mal längere Touren zwischen 100 und 120 km – je nachdem, wie viel Zeit die Familie lässt.
  • Was sind deine Ziele für 2018? Endlich mal den Ötztaler fahren und finishen, zuvor steht Anfang Juni noch die Haute Route Stelvio auf dem Programm.
  • Was war dein schönstes Erlebnis auf dem Rennrad bislang? Die lange Runde des Maratona Dles Dolomites 2016 finishen (138 km, ca. 4000 Hm) – und das obwohl der Abend vorher extrem lang war: Es gab das EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Italien mit Verlängerung und Elfmeterschießen. Da war ich erst nach Mitternacht im Bett, und um 4 Uhr morgens ging es schon wieder raus...
  • Rennrad fahren ist für mich... … ein wunderbarer Ausgleich zum Büroalltag. Man erlebt die Natur das ganze Jahr hautnah, sieht immer wieder neue, spannende Dinge, lernt seine Region kennen und kann gleichzeitig wunderbar einerseits seinen Gedanken nachhängen und andererseits auch komplett abschalten.

Das Rennrad

  • Marke und Modell: Stevens Comet Disc
  • Gruppe: Shimano Ultegra Di2
  • Laufräder: DT Swiss PRC 1400 Spline 35 DB
  • Komplettgewicht: 7,1 kg (ohne Pedale)
  • Preis: ca. 5500 Euro
  • Warum gerade dieses Rad? Ich mag ausgewogene Räder und klassische Allrounder, die komfortabel genug sind für längere Solo-Tagestouren, auf denen man aber dennoch sportlich sitzt und die ein ausreichend agiles Fahrgefühl bieten. Deshalb fand ich das neue Stevens Comet Disc sehr interessant. Scheibenbremsen sind für mich die Zukunft des Rennrads, außerdem überzeugt mich die Bremsleistung unter allen Bedingungen, besonders im Regen. In Kombination mit der Ultegra Di2 sind auch die Schalthebel nicht mehr so klobig wie noch früher. Gerade auf die Di2 freue ich mich, weil ich noch keine längeren Erfahrungen mit elektronischen Gruppen gemacht habe. Für Stevens spricht außerdem, dass man sich seine Räder im Konfigurator sehr individuell zusammenstellen kann, von der Schaltgruppe über die Übersetzung, den Laufrädern und den Komponenten wie Lenker, Vorbau oder Sattel. Dabei wird man auch nicht allein gelassen: Man kann sich seine Lieblingskonfiguration speichern und geht damit zum Stevens-Händler, der die Bestellung und Abwicklung übernimmt und auf Fragen eingeht. Oder auch Fehler oder Widersprüchlichkeiten in der Konfiguration abklärt. Eine wesentliche Frage bei mir (und eigentlich ja bei jedem) ist die nach der optimalen Rahmengröße. Ich schwankte zwischen einem 58er und einem 56er Rahmen. Dabei habe ich allerdings verhältnismäßig lange Beine bei einem eher kurzen Oberkörper. Mit einer Innenbeinlänge von knapp 90 cm werden mir meist die größeren Rahmen empfohlen, die mir aber meist zu lang sind, was zu einer zu gestreckten Sitzposition führt. Deshalb habe ich mich diesmal für den kleineren, 56er Rahmen entschieden.

Der erste Eindruck und die erste längere Runde

Nach gefühlt wie immer viel zu langer Wartezeit ist das Comet endlich da. Das Auspacken geht schnell von der Hand, mit nur ein paar Handgriffen (Lenker gerade, Steuersatz anziehen, Pedale montieren, Sattelhöhe einstellen) ist das Comet einsatzbereit. Die erste Runde mit einem neuen Rad ist immer ganz besonders, die Spannung groß: Passt die Rahmengröße wirklich? Wie ist das Gefühl im Sattel? Stimmt das Feeling? Oder kommt doch die Enttäuschung, weil irgendetwas sich nicht so anfühlt, wie man es möchte? Schließlich will ich ja eine längere Beziehung mit dem Comet eingehen.

Doch schon nach wenigen Metern sind die Zweifel verflogen, das Comet unter mir fühlt sich richtig gut an. Es ist agil, wendig und trotzdem laufruhig genug für meinen Geschmack. Der 56er Rahmen war definitiv die richtige Entscheidung, mit angenehmer Sattelüberhöhung sitze ich trotzdem kompakt auf dem Rad. Einzig die ungewohnte Di2 erfordert etwas mehr Eingewöhnung und ein paar Eselsbrücken, bis ich mich nicht mehr ständig verschalte. Die Umstellung von der Campagnolo Potenza ist doch recht groß.

Eine weitere Aufgabe auf der ersten Runde: Die Scheibenbremsen richtig einbremsen, damit sich Beläge und Scheiben aufeinander abstimmen und ordentlich Bremspower produzieren. Also auf einer schönen Abfahrt mehrfach von Tempo 35 bis fast zum Stillstand runterbremsen, bis der typische Geruch ausgasender Bremsbeläge in die Nase steigt und die Bremskraft spürbar zunimmt.

Wenige Tage später steht die erste längere Tour an. Sie führt mich in den Schwarzwald, wo einige schöne Anstiege und rasende Abfahrten auf mich warten. Und was soll ich sagen: Ich genieße die Ausfahrt bei schönsten Frühlingswetter in vollen Zügen. Bergauf präsentiert sich das Comet leichtfüßig, der nur rund 900 g schwere Rahmen ist dennoch steif und macht die Bergetappe zum Vergnügen. Aber auch die Abfahrten machen einfach nur Spaß, auch bei hohem Tempo läuft das Comet ruhig geradeaus und vermittelt jederzeit ein sicheres Gefühl und volle Kontrolle. Ich freue mich auf die nächsten Ausfahrten.

Foto: Christian Brunker/RoadBIKE Das neue Stevens Comet Disc

Die Wettkampf-Premiere

Samstagmorgen, 9.30 Uhr in Mondorf-les-Bains, Luxemburg. Heimatstadt der Schleck-Brüder. Startort des Schleck Gran Fondo. Es geht über 155 km durch den Luxemburger Süden, mit mir am Start sind rund 1500 andere Radsportbegeisterte aus der ganzen Welt, aber natürlich vornehmlich aus Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Den Radsportnationen eben.

Heute erlebt mein Stevens Comet Disc seine Wettkampf-Premiere und auch ich will meine Form testen. Die Bedingungen dafür sind nahezu ideal, wenn auch schon fast zu heiß. 25° C zeigt der Garmin am Start an, für den Tag werden bis zu 30° C erwartet. Kein Wölkchen am Himmel, so können Windweste und Regenjacke problemlos im Auto bleiben.

Während vorne Fränk und Andy Schleck zusammen mit Jens Voigt und Miguel Indurain ihre Interviews geben, analysiere ich, was mir in den nächsten Stunden bevorsteht: Mehr als 150 km mit rund 2000 Höhenmetern. Das klingt nicht nach viel, ist aber auch nicht zu unterschätzen. Denn ich kenne die Gegend. Als ich noch in Trier gewohnt habe, war ich oft im Nachbarland unterwegs - die Atmosphäre auf den Straßen ist in Luxemburg um ein vielfaches entspannter als in Deutschland. Man merkt einfach, dass das Großherzogtum eine Radsportnation ist. Kein Einheimischer käme auf die Idee, einen Rennradfahrer auf der Straße anzuhupen. Es könnte ja der Nachbar, Neffe oder ein anderer Bekannter sein - Rennradfahren hat hier einfach einen anderen Stellenwert. Aus dieser Zeit habe ich durchaus Respekt vor den vielen kurzen Anstiegen, die mir jetzt bevorstehen. Sie sind selten länger als 3 km und nie mehr als 250 Höhenmeter am Stück, aber dafür sind es verdammt viele, und auch wirkliche flache Abschnitte zur Erholung sind rar gesäht. Es ist ein ständiges auf und ab ohne Chance, sich in einen beständigen Bergauf-Rhythmus zu fahren. Aber gut.

Auf den ersten Kilometern gilt es, eine gute Gruppe zu erwischen und dabei dennoch nicht schon zu überpacen. Bei den vielen Antritten bestätigt das Comet Disc den Eindruck, den ich bislang von ihm gewonnen habe: Auf Beschleunigungen reagiert es auch dank der leichten DT Swiss PRC 1400 Laufräder direkt und überhaupt nicht träge. Das einzige, was immer wieder auffällt ist ein leichtes Schleifen der Disc an den Bremsbelägen im Wiegetritt. Nicht stark, aber doch hörbar. Apropos Bremse: Zwar sind 30° C und Sonnenschein keine Bedingungen, in denen Scheibenbremsen ihre Stärken vollauf ausspielen können, aber auch so genieße ich die überzeugende Bremsleistung der neuen Shimano Ultegra Scheibenbremsen. Besonders erfreulich: Trotz einiger durchaus scharfer Verzögerungen arbeiten die Bremsbeläge nahezu lautlos, ohne das befürchtete ohrenbetäubende Quietschen, das ich von anderen Scheibenbremsen kenne. So machen auch die zahlreichen kurvigen Abfahrten Spaß. Auch bei Top-Speed von fast 80 km/h fühlt es sich sicher an und zeigt keine Tendenz zum Flattern oder ähnliches. Auch die DT Swiss Laufräder vermitteln trotz mancher Windboe ein sicheres und jederzeit kontrollierbares Gefühl.

Je länger die Tour dauert, desto zufriedener bin ich auch mit der Geometrie des Stevens Comet Disc. Sie passt mir wirklich ausgezeichnet, ich habe nicht mit einschlafenden Händen zu kämpfen und auch die bei mir immer wieder auftretenden Beschwerden im Lendenwirbelbereich halten sich stark in Grenzen. Außerdem machen die Beine heute mit und fühlen sich gut an, in jedem Anstieg kann ich ein paar Mitfahrer hinter mir lassen. Nach etwas über 5 Stunden schließlich rolle ich ins Ziel und kann sogar noch einen Mitfahrer im Sprint um Platz 944 schlagen. Wie sagte er danach so schön: "Total sinnlos, aber irgendwie muss es sein." Am Ende kommen 1383 der 1468 gestarteten Teilnehmer ins Ziel. Auch ich bin froh, dass ich keinen Defekt oder ähnliches hatte. Damit ist meine Generalprobe für die Anfang Juni anstehende Haute Route Stelvio durchaus zufriedenstellend geglückt.

Exkurs: Shimano Ultegra Di2

Nach den ersten 1000 Kilometern möchte ich ein erstes Zwischenfazit zu Shimanos Ultegra Di2 ziehen. Dazu vorab: Ich gehöre zu denjenigen Rennradfahrern, die die Einfachheit der Technik am Rennrad lieben, für mich müsste es Innovationen wie Scheibenbremsen und elektronische Schaltungen nicht geben. Aber gleichzeitig kann ich nachvollziehen, wenn jemand, der einmal die Vorzüge einer elektrischen Schaltung erlebt hat, nicht mehr ohne fahren möchte. Es ist einfach zu komfortabel, mit einem kurzen Antippen zu schalten, egal ob Kettenblatt oder Schaltwerk. Was ich besonders mag: Schon beim Bremsen kann ich gleichzeitig runterschalten, sodass man beim Herausbeschleunigen aus einer Kurve direkt wieder einen passenden Gang aufliegen hat - egal ob es um einen oder gleich mehrere Gänge geht. Auch das nervige Nachtrimmen und/oder Rasseln der Kette gehört endlich der Vergangenheit an. Kurzum: Die Vorteile der Di2 haben mich sofort überzeugt.

Aber es gibt auch ein paar Störeffekte. Der zeigte sich direkt zu Beginn: Ich wollte meine Di2 per Bluetooth mit der E-Tube-App auf dem Smartphone zu verbinden, um zu schauen, was sich da alles einstellen lässt. Direkt nach der - zunächst unproblematischen - Kopplung poppte die Info auf, dass es ein Firmware-Update gibt. Das wollte ich dann natürlich aufspielen. Leider brach irgendwie zwischendrin die Verbindung ab, sodass das Update nicht komplett aufgespielt werden konnte. Das Problem: Danach war die Di2 tot und reagierte nicht mehr auf die Schaltbefehlte von den STIs. Auch mit dem Smartphone verbinden konnte ich sie nicht mehr. Die Lösung unseres Werkstattchefs: Sattelstütze samt Di2-Akku ausbauen und die Di2 für ein paar Minuten vom Strom nehmen. Gesagt, getan. Prompt funktioniert die Di2 wieder und ich komme auch in der App wieder auf den Verbindungs-Bildschirm. Allerdings: Bei der ersten Verbindung wird man aufgefordert, den Zahlencode für die Di2 zu ändern, Standardmäßig lautet dieser "0000". Das habe ich natürlich getan, doch nun meldet die App, dass der Code falsch sei. Das Blöde: Es gibt jetzt gar keine Aufforderung, den Code einzugeben, sodass ich weder den neuen noch den alten Code eingeben kann. Hier hilft der Blick ins Handbuch weiter. Dort lese ich, dass dich die Di2 aus den Bluetooth-Verbindungen meines Smartphones löschen muss, erst bei einer neuen Verbindung erscheint die Code-Eingabe-Aufforderung wieder. Und tatsächlich: So funktioniert es wieder und ich kann diesmal das Update komplett aufspielen. So kann die Di2 schon ganz schön Nerven kosten.

Zurück zur Praxis: Seit einigen Runden fahre ich die Di2 im Full-Synchroshift-Modus, d.h. die Di2 übernimmt an einer festgelegten Kettenposition selbst den Wechsel des Kettenblatts. Das Gute: Ein Pipsen beim Garmin zeigt an, dass beim nächsten Runterschalten das Kettenblatt wechselt. Das Schlechte: Bekommt man das nicht mit oder ist es schon zu lange her, tritt man unvermittelt ins Leere, da das - ebenfalls automatische - Gegenschalten des Schaltwerks einen Ticken später kommt. Daher werde ich wohl wieder in den komplett manuellen Modus wechseln.

Ein Wort noch zur Ausdauer: Im Auslieferungsladestand hat die Di2 nach knapp 850 Kilometern noch 20% Akku. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte ich sie vor dem Schleck Gran Fondo wieder komplett aufgeladen. Bin gespannt, wie lange der Akku in den nächsten Zyklen hält.

Kleiner Kritikpunkt

Nach nun knapp 1000 km auf dem Stevens Comet ist mir nun ein kleines Detail aufgefallen, das etwas störend ist. Und zwar wird das Kabel zum Umwerfer, das unten am Tretlager aus dem Rahmen tritt, nur mit einem kleinen Klebeteil am Sitzrohr befestigt. Doch die Verklebung hat sich mittlerweile gelöst, was angesichts der doch stark Dreck und Nässe ausgesetzten Position auch nicht weiter verwunderlich ist. Jedenfalls baumelte das Kabel zuletzt komplett frei herum. Als Lösung habe ich es nun mit etwas Isolierband wieder am Rahmen befestigt. Das sieht zwar nicht extrem schön aus, wird aber eine Weile halten und die Stelle ist jetzt auch eher unauffällig.

Die tiefere Ursache des "Problems" liegt wohl darin, dass der Rahmen des Comet Disc sowohl für mechanische als auch elektronische Gruppen ausgelegt ist. Anders als bei reinen elektronischen Rahmen kann deshalb die Öffnung für das Kabel nicht erst oben auf der Höhe des Umwerfers am Sitzrohr angebracht werden, sondern muss unten am Tretlager sein, sodass sie auch für einen Umwerferzug geeignet ist. Trotzdem hätte ich mir bei einen doch so teuren Rad eine etwas haltbarere Lösung erwartet.

Es wird ernst

Drei Tage, fünf Pässe, mehr als 8000 Höhenmeter und 300 Kilometer: Die Haute Route Stelvio ist eine extrem große Herausforderung, der ich mich mit dem Stevens Comet Disc gestellt habe. Also eine große Herausforderung zumindest für mich. Den ausführlichen Bericht zum Event gibt es hier. Deshalb will ich gar nicht ins Detail der Haute Route gehen, sondern mich auf meine ersten Erfahrungen mit dem Comet in den Alpen beschränken - und vor allem den Alpenpässen.

Soviel vorweg: Sie sind extrem positiv. So eine 20 Kilometer lange und mitunter steile Abfahrt wie von Gavia, Mortirolo oder Stilfser Joch stellt ja vor allem die Bremsen vor eine große Herausforderung. Vor allem, wenn man nicht wie die Profis auf gesperrten Straßen unterwegs ist, sondern jederzeit mit Gegenverkehr rechnen muss oder auch mal ein paar Kilometer hinter einem Wohnmobil hängt und währenddessen geradezu dauerbremsen muss. Mich haben dabei die Shimano Ultegra Scheibenbremsen nahezu komplett überzeugt und sie haben mir jederzeit ein sicheres Gefühl vermittelt. Und vor allem: Bis auf ein paar Ausnahmen haben sie ihre Arbeit fast geräuschlos absolviert. Selbst im Regen und Nebel den Umbrail runter nach St. Maria. Einzig bei wirklich längeren Bremspassagen und starken Verzögerungen aus hohen Geschwindigkeiten, wenn Beläge und Discs wirklich heiß wurden, war das bekannte Quietschen zu hören. Aber kaum war die Bremsanlage abgekühlt, war auch das Quietschen wieder verschwunden. Auch der Check der Bremsbeläge nach dem Event zeigte keine Spuren von Verglasung und nach aktuell rund 1600 Kilomtern ist noch reichlich Bremsbelag vorhanden. Kein Grund also, wie zwischenzeitlich befürchtet, die Belage zu wechseln.

Zum guten und sicheren Gefühl auf den Abfahrten hat auch das Comet seinen Teil beigetragen. Egal, wie schnell es wurde, ich fühlte mich im Sattel extrem sicher. Der Geradeauslauf hat überzeugt und das Rad neigte auch nicht dazu, zu flattern oder sich aufzuschaukeln. Ein Tipp am Rande: Ich würde mich immer wieder für die 11-32er Kassette entscheiden. Denn wenn es lange und steil aufwärts geht, kann man gar nicht genug kleine Gänge haben, auch wenn man dafür in der Mitte vielleicht nicht ganz so fein abgestuft fahren kann.

Exkurs: Shimano Ultegra Di2 zum zweiten

Nachdem ich nun einige Male wegen unvermitteltem Kettenblatt-Wechsel der Shimano Ultegra Di2 ins Leere getreten habe, habe ich mich nun entschieden, den Schaltmodus wieder zu wechseln und auf manuell umzustellen. Und das war einfacher gedacht als getan. Denn wie stellt man den Schaltmodus um? Von meiner letzten Shimano-Präsentation wusste ich, dass man den Schaltmodus bei den neuen, im Lenkerende integrierten Junctions mit einem einfachen Knopfdruck durchwechseln kann - und es gibt auch nur einen Knopf (also so hatte ich es zumindest im Kopf abgespeichert). Doch bei der unter dem Vorbau montierten, externen Junction passierte mit einem Knopfdruck gar nichts, stattdessen wird so der Wifi-Modus aktiviert, mit dem man die Di2 mit der E-Tube-App auf dem Smartphone verbinden kann. Gut, dann ändere ich den Schaltmodus eben in der App, dachte ich. Aber Fehlanzeige. Denn in der App auf dem iPhone kann ich zwar vieles einstellen, zum Beispiel wie viele Gänge im Multishift maximal mit einem Knopfdruck geschaltet werden, aber nicht, ob ich manuell, Semi-Synchro- oder Full-Synchro-Shift haben möche. Erst eine intensive Suche nach der passenden Bedienungsanleitung bei Shimano (Tipp: Mal auf si.shimano.com suchen) half schließlich weiter. Voraussetzung ist zum einen eine aktuelle Firmware auf der Junction, zum anderen muss der aktuelle interne Akku BT-DN110 verbaut sein. Mit dem alten SM-BTR2 geht es nicht. Zum Ändern der Schaltmodi muss man ganz einfach den Knopf auf der Junction zweimal kurz hintereinander drücken, dann werden die Schaltmodi der Reihe nach durchgewechselt und per LED (rot und grün) angezeigt: 2 Sekunden durchgehendes Leuchten zeigt den manuellen Schaltmodus an, zweimal Blinken ist Semi-Synchro-Shift, dreimal Blinken ist Full-Synchro-Shift.

Ein Wort noch zur Akku-Laufzeit: Nach Gran Fondo Schleck, Haute Route Stelvio und diversen Mittagspausenrunden, in Summe rund 900 Kilometer, war der Akku der Di2 wieder unter 20% und verlangte nach einer erneuten Aufladung. So als Richtwert scheint sich also mit meiner Fahrweise eine Reichweite von rund 1000 km herauszukristallisieren.

05.07.2018
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE