Im Test: 7 Aluminium-Rennräder

Alu-Renner unter 2000 Euro im Test

Video: RoadBIKE
Neue Vielfalt: Alu-Renner bis 2000 Euro gibt’s inzwischen für jeden Geschmack. Doch sind die Räder auch ihren Preis wert? Und eine echte Alternative zu Carbon?
Zu den getesteten Produkten

kurz und knapp

  • RoadBIKE hat die Hersteller nach ihrem besten Alu-Rennrad unter 2000 Euro gefragt. 7 Hersteller haben Rennräder in den Test geschickt.
  • Die Alu-Rahmensets können in Steifigkeit und Komfort mit Carbon-Rahmen mithalten.
  • Die Preise der Rennräder im Test liegen zwischen 1249 Euro und 1999 Euro.

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Cannondale CAAD12 105 (2017) 1599 Euro Sehr gut
Canyon Endurace AL Disc 7.0 (2017) 1699 Euro Sehr gut
Rose Xeon RS-3000 (2017) 1849 Euro Sehr gut
Specialized Allez DSW Sl Sprint Comp (2017) 1599 Euro Sehr gut
Felt FR30 (2017) 1249 Euro Gut
Fuji Roubaix Elite (2017) 1999 Euro Gut
Merida Scultura Disc 500 (2017) 1799 Euro Gut

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Alu-Rennräder sind noch aktuell

Alu-Fans, aufgepasst: Das seit den 1990er-Jahren dominierende Rahmenmaterial wird mittlerweile selbst in den günstigeren Preisklassen immer stärker von Carbon verdrängt. Zu Unrecht, findet RoadBIKE: Alu-Renner der Preisklasse bis 2000 Euro locken nicht nur mit attraktiven Preisen, sondern auch mit einer immer größeren Vielfalt.

Ob wirksamer Federungskomfort, Scheibenbremsen, langstreckentaugliche Geometrie oder Aero-Rahmen – alle prägenden Entwicklungen der letzten Dekade gibt es mittlerweile auch bei Alu-Rennrädern. Und zwar für weniger als 2000 Euro. Doch sind die Alu-Renner noch echte Alternativen zu Carbon? Oder doch nur Sparpakete?

RoadBIKE wollte es wissen und bat die Hersteller um ihr bestes Alu-Rennrad für maximal 2000 Euro. Die Vielfalt der gelieferten Testräder beeindruckt, der Hingucker kommt von Specialized: Das Specialized Allez DSW Sl Sprint Comp fällt mit aerodynamisch geformtem Sitzrohr und einer Aero-Sattelstütze auf. Genauso interessant: Canyon (Canyon Endurace AL Disc 7.0) und Merida (Merida Scultura Disc 500) schicken Disc-Renner in den Test – das Mehrgewicht der Bremsanlage nehmen beide in Kauf, weil sie von den Vorteilen der hydraulischen Scheibenbremse überzeugt sind.

Unauffällig, aber technisch interessant: Cannondale (Cannondale CAAD12 105), Fuji (Fuji Roubaix Elite) und Rose (Rose Xeon RS-3000) gehen mit sehr leichten Rahmen ins Rennen. Alle drei bringen im RoadBIKE-Messlabor unter 1,2 Kilo auf die Waage – da kann in dieser Preisklasse so mancher Carbon-Rahmen nicht mithalten! Das Felt FR30 besticht dagegen durch den Preis: Das voll konkurrenzfähige Testrad kostet nur 1249 Euro.

Einige Marken sind in diesem Test nicht vertreten. Unter anderem BMC, Bulls, Centurion, Giant, Scott und Trek wollten kein Rad in den Test geben.

Jeder Rennrad-Fahrertyp wird bedient

Bei dieser Vielfalt ist schnell klar: Hier findet jeder das Passende. Die grundverschiedenen Ausprägungen der Testräder bedeuten aber auch: Man muss vor dem Kauf wissen, welche Rennradkategorie am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt. Infos zu den Charaktereigenschaften der einzelnen Räder und für welchen Einsatz sie jeweils geeignet sind, finden Sie in den jeweiligen Testberichten zu den Rennrädern im Test. Die Diagramme zur Sitzposition des Fahrers und zum Charakter des Rades helfen, die Räder noch besser einzuordnen.

Wer unschlüssig ist, sollte vor dem Kauf die Beratung eines guten Händlers in Anspruch nehmen, sich verschiedene Räder anschauen und, wenn möglich, Probe sitzen oder fahren. So wird schnell klar, ob ein Rad „passt“ oder nicht. Diesen Service können Online-Anbieter in der Regel nicht leisten – wer von einer guten Beratung profitieren konnte, sollte fairerweise auch bei dem Händler kaufen, der seine Zeit investiert hat.

Online-Anbieter sparen sich ein Händlernetz, können deshalb knapper kalkulieren. Entsprechende Räder protzen meist mit starker Ausstattung – deshalb vergibt RoadBIKE Testsiege für Versender- und Fachhandelsräder getrennt.

Die Räder von Canyon (Canyon Endurace AL Disc 7.0) und Rose (Rose Xeon RS-3000) in diesem Test sind mit kompletten Ultegra-Gruppen und hochwertigen Laufrädern bestückt. Da können die Fachhandelsmarken meist nicht mithalten. Allerdings: Auch beim Merida Scultura Disc 500 gibt’s eine Ultegra-Gruppe, beim teuren Fuji Roubaix Elite die leichte Sram Force – bei den Laufrädern müssen beide Anbieter aber Abstriche machen.

Alle anderen Fachhandelsmarken montieren die funktional tadellose Schaltgruppe 105 und solide, aber eben nicht wirklich hochwertige Laufräder. Hier verbirgt sich Tuning-Potenzial – das gilt für Carbon-Renner dieser Preisklasse übrigens genauso, oft noch mehr.

Wie gut ist Alu?

Die Basis für ein gutes Rennrad ist aber immer ein gut konstruierter Rahmen. Wie gut, belegen die Daten, die RoadBIKE mit aufwendigen Messungen zu jedem Rad im Test erhebt.

Und hier gibt es Erstaunliches zu entdecken: So erreichen fast alle Rahmen-Gabel-Sets im Test hervorragende Steifigkeitswerte, sind also in der Praxis ausgesprochen fahrstabil und für jedes Fahrergewicht geeignet. Das gilt auch für die leichten Modelle, wie das Cannondale CAAD12 105 und das Rose Xeon RS-3000. Nur der leichte Rahmen des Fuji Roubaix Elite zeigte bei den Messungen eine deutliche Schwäche im Lenkkopf – die auch die Testfahrer in ihren Praxistestprotokollen beanstandeten.

Kann Alu auch Komfort?

Fast noch erstaunlicher als die praktisch durchgängig hohe Fahrstabilität der Rahmen: Cannondale (Cannondale CAAD12 105), Merida (Merida Scultura Disc 500) und Rose (Rose Xeon RS-3000) schaffen es, ihren Alu-Sets wirksamen Federungskomfort mitzugeben – eigentlich die Domäne von Carbon. Im Grunde zeigen aber auch diese Alu-Rahmen genau das: Für Komfort sorgen vor allem Gabel und Sattelstütze – und die sind in allen genannten Fällen aus Carbon.

Beim Vergleich mit den in Ausgabe 07/2017 getesteten Carbon-Rädern bis 2000 Euro machen die Alu-Rahmen also fast durchweg eine gute Figur: In puncto Gewicht, Steifigkeiten und Federung liegen sie auf dem guten Niveau der meisten Kohlefaser-Sets. Von denen waren wenige besser, einige sogar schlechter.

Nüchtern betrachtet, müssen sich Alu-Fans also keine Sorgen machen, dass Carbon Metall verdrängt: Alu ist eine überzeugende Alternative – mit Vorteilen bei Preis und Ausstattung.

Die Bewertung der Testräder im Detail

Aus umfangreichen Einzelwertungen in Labor und Praxis errechnet sich bei RoadBIKE die Endnote – hier die wichtigsten Wertungskategorien im Überblick.

Foto: RoadBIKE RoadBIKE 0917 Alu-Rennräder Test Testergebnisse

Die Punkte sind nur innerhalb eines Testfelds vergleichbar und abhängig vom Testfeld/der Preisklasse. Die jeweilige Gesamtpunktzahl führt zu folgenden Noten. 100–91: überragend; 90–71: sehr gut; 70–51: gut; 50–31: befriedigend; 30–1: schwach. * Punkteabzug gibt es beispielsweise für Montagemängel oder schlecht zentrierte Laufräder.

Weitere in der Saison 2017 getestete Alu-Rennräder

Bereits in Heft 07/17 testete RoadBIKE Rennräder der Preisklasse bis 2000 Euro. Im Test traten Alu- gegen Carbon-Renner an. Die Hersteller waren aufgefordert, das nach ihrer Ansicht beste Rad aus dem eigenen Portfolio in den Test zu geben.

In der Versenderwertung holte sich ein extrem leichtes Carbon-Rad den Testsieg, bei den Fachhandelsmarken gewann das Cannondale CAAD12 Ultegra. Stevens verdiente sich mit seinem online konfigurierbaren Stevens Aspin einen Kauftipp, Storck sicherte sich mit dem Storck Visioner G1 den Preis-Leistungs-Tipp.

Alle Daten noch einmal im Überblick - hier geht es zu den Testberichten der damaligen Räder im Test:

08.09.2017
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 9/2017