Disc- gegen Felgenbremse: Stevens Comet

Stevens Comet gegen Stevens Comet Disc

Foto: Benjamin Hahn

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Das neue Stevens Comet ist ein ausgewachsener Sportler, der auf der Straße jederzeit überzeugen kann. Die Disc-Version verliert im Messlabor allerdings durch ihr Mehrgewicht ordentlich Punkte.

Das Top-Modell von Stevens startet als komplette Neuentwicklung in die Saison 2018. Der Leichtbau-Sportler soll höchsten Ansprüchen gerecht werden, aber das Comet bleibt dabei der größten Stärke von Stevens treu: Hier gibt’s Topleistung zum fairen Preis. So kostet das Rahmen-Gabel-Set des Comet 1999 Euro – egal ob für Disc- oder Felgenbremse.

Für sein Geld bekommt der Kunde ein bestens konstruiertes Set: Leicht, ausreichend steif und zumindest nicht unangenehm hart sind die beiden im RB-Labor gemessenen Sets. Im umfangreichen Konfigurator haben die Hamburger ein starkes Paket geschnürt: Mit der leichten Force-Gruppe und Ksyrium-Elite-Laufrädern wiegt das Felgenbrems-Modell nur 6,9 Kilo – für deutlich unter 4000 Euro eine starke Leistung.

Disc-Zuschlag

Für das Disc-Modell des Stevens Comet wird ein ordentlicher Aufpreis fällig: Genau 500 Euro mehr kostet die identische Ausstattung mit Disc- statt Felgenbremse, das Mehrgewicht beträgt satte 700 Gramm, wovon allerdings viel zulasten der Laufräder geht. Doch aufgepasst: Stevens montiert auf dem Disc-Modell 28-mm-Reifen, auf dem Felgenbrems-Comet nur 25er – hier verbergen sich allein ca. 100 Gramm Mehrgewicht. Trotzdem: Auf dem Papier kann die Disc-Variante erst mal nicht punkten.

Vorteil erfahren

Wie bei allen Paarungen in diesem Vergleich ändert sich das Bild auf der Straße: Hier erübrigen sich theoretische Diskussionen schnell. Wer den Luxus hat, die identisch bestückten Räder mit Disc- und Felgenbremse im direkten Vergleich zu fahren, spürt keine Nachteile des Disc-Renners: Beim Antritt oder am Berg ist das Mehrgewicht nicht erfahrbar.

Dafür spricht die ungleich besser dosierbare hydraulische Disc für sich – weniger wegen der absoluten Power, sondern weil sie beim Anbremsen in jeder Situation berechenbarer und absolut punktgenau verzögert. Das mussten auch die Tester anerkennen, die persönlich eher zur Felgenbremse tendieren.

Griffige Unterschiede

Deutlich unterscheiden sich an den beiden Testrädern dagegen die hydraulischen und mechanischen Brems-/Schalthebel der Force-Gruppe. Die hochgezogenen Höcker der Disc-Griffe erscheinen nicht nur klobiger; man spürt auch, dass etwa die aktuellen Shimano- Griffe einer neueren Generation angehören.

Abgesehen von der Frage „Disc- oder Felgenbremse“ gibt das Comet den schnörkellosen Rennsportler: Stevens-typisch sitzt der Fahrer durch das lange Oberrohr recht gestreckt, dank moderater Steuerrohrlänge aber ohne extreme Sattelüberhöhung. Durch den gemäßigten Radstand (bei Disc- und Felgenbrems-Modell fast identisch) folgt das Comet präzise, hält dabei aber immer sicher und zuverlässig die Spur. So kommen sportliche Vielfahrer genauso wie Etappen-Sportler auf ihre Kosten. Der einzige kleine Kritikpunkt der Tester: Etwas mehr Federungskomfort dürfte ein moderner Rahmen durchaus zu bieten haben.

Testfazit kompakt

Leicht, schnell, zuverlässig. Das Comet gibt den tadellosen Sport-Allrounder. Besonders erfreulich: Das im Baukasten konfigurierbare Stevens bietet hohe Qualität zum angemessenen Preis. Die Disc-Version ist allerdings 500 Euro teurer und dabei stolze rund 700 Gramm schwerer. Da kann die Bremsleistung in der Praxis noch so überzeugen – wegen des deutlichen Mehrgewichts verpasst das Comet Disc ganz knapp das „sehr gut“.

Kurz und knapp:

Positiv:

  • bestens konstruierte Rahmen
  • fair kalkuliert

Negativ:

  • Disc-Griffe etwas klobig
  • Disc-Version deutlich schwerer und teurer
Foto: Benjamin Hahn

Note, Ausstattung und Messwerte: Stevens Comet

Testurteil: Sehr gut (78 Punkte)

Stevens Comet
Preis/Vertrieb3791/Fachhandel
Gewicht*6,9 Kg/869 g/325 g
RahmenmaterialCarbon
Größen50/52/54/56/58/60
Ausstattung
SchaltgruppeSram Force, 11–28
KurbelsatzSram Force, 50/34
BremsenSram Force
LaufräderMavic Ksyrium Elite UST
ReifenContinental Grandprix 4000sII, 25
Vorbau/LenkerOxygen Scorpo
Sattel/StützeSelle Italia Flite/Ritchey WCS
Profil
Steifigkeit (vorne/hinten)77 Nm/°/93 N/mm
Federung (vorne/hinten)343/360 N/mm
Gewicht*6,9 kg
Set-Gewicht1272 g
Laufrad-Gewicht**2474 g
Laufrad-Steifigkeiten (vorne/hinten)78/85 Nm/°
* Komplettrad ohne Pedale/Rahmen/Gabel

Foto: Benjamin Hahn

Note, Ausstattung und Messwerte: Stevens Comet Disc

Testurteil: Gut (68 Punkte)

Stevens Comet Disc
Preis/Vertrieb4291/Fachhandel
Gewicht*7,6 Kg/943 g/365 g
RahmenmaterialCarbon
Größen50/52/54/56/58/60
Ausstattung
SchaltgruppeSram Force, 11–28
KurbelsatzSram Force, 50/34
BremsenSram Force HRD
LaufräderMavic Ksyrium Elite UST Disc
ReifenContinental Grandprix 4000sII, 28
Vorbau/LenkerOxygen Scorpo
Sattel/StützeSelle Italia Flite/Ritchey WCS
Profil
Steifigkeit (vorne/hinten)80 Nm/°/99N/mm
Federung (vorne/hinten)348/307 N/mm
Gewicht*7,6 kg
Set-Gewicht1386 g
Laufrad-Gewicht**2732 g
Laufrad-Steifigkeiten (vorne/hinten)80/79 Nm/°
* Komplettrad ohne Pedale/Rahmen/Gabel

13.03.2018
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 03/2018