18 Rennrad-Helme im Labor- und Praxis-Test

So testet RoadBIKE die Helme

Auf TÜV-Prüfständen und im Praxistest wurden alle Helme einem umfangreichen Programm unterzogen.

Labormessung: Alle in der EU angebotenen Fahrradhelme müssen den Sicherheitsstandard der EN 1078 erfüllen. Die Zulassung erfolgt durch zertifizierte Prüfinstitute, wie den TÜV SÜD, den RoadBIKE mit der Durchführung der Sicherheitsprüfung nach EN-Standard beauftragte. Zur Ermittlung der Dämpfungsleistung eines Helms fällt ein Prüfkopf aus einer Höhe von rund 1,50 Metern samt Helm auf einen flachen Sockel. Zwei Prüfmuster des Helms müssen je drei Falltests an definierten Auftreffpunkten überstehen. Mittels Sensoren werden die Beschleunigungswerte im Prüfkopf in g gemessen (1 g= 9,81 m/s2, entspricht der normalen Erdbeschleunigung). Der gemessene Wert muss kleiner als 250 g sein, damit ein angemessener Verletzungsschutz in der Praxis gegeben ist und der Helm die EU-Zulassung erhalten kann.

RoadBIKE-Test: Im Test unterschritten die durchschnittlichen Messwerte aller Helme die Höchstmarke von 250 g. Zudem ließ RoadBIKE die Helmschalen nach EN 1078 auf ihre Stabilität überprüfen: Hierzu fällt der Helm aus 1,13 Metern auf einen Kerb-Sockel, der eine Bordsteinkante simuliert. Als Auftreffpunkt wählten die Experten des TÜV SÜD eine vermeintliche Schwachstelle des Helms aus, etwa eine Belüftungsöffnung. Auch bei diesem Test durfte keiner der Helme die Höchstgrenze von 250 g überschreiten.

Tragevorrichtung: Zur Überprüfung der Wirksamkeit der Tragevorrichtung wird im sogenannten Roll-Off-Test ein Seilsystem am hinteren Ende des Helms befestigt. Mittels eines Fallgewichts wird geprüft, ob die Beriemung diesem Fangstoß standhält. Zur Erfüllung der Norm darf der Helm nicht vom Prüfkopf abrutschen. Zudem führten die TÜV-Experten einen Stabilitätstest an den Riemen der Helme durch. Hierbei wird der Kinnriemen um ein künstliches Kinn gelegt und per Fallgewicht belastet. Die Dehnung des Riemensystems liefert Anhaltspunkte zur Beurteilung der Festigkeit des Tragesystems.

Praxistest und Bewertungsschema

Praxistest: Tragekomfort, Passform und die Handhabung der Helme standen im Fokus des Praxistests, den RoadBIKE mit 8 Probanden aus der Testcrew durchführte. Diese Prüfung deckte Druckstellen, fummelige Verstellsysteme und Schwächen in der Anpassung auf.

Bewertungsschema: Die Schutzwirkung ergibt sich aus der Dämpfungsleistung und floss mit
40 Prozent in die Endnote ein. Die Messergebnisse des Roll-Off-Tests und der Riemenprüfung sind stark von der Kopfform des Trägers abhängig, weshalb sie standardmäßig nicht bewertet wurden. Nur bei groben Auffälligkeiten und Defekten, die zum Sicherheitsrisiko werden können, gab es Abzug bei der Schutzwirkung. Die Anpassungsoptionen des Gurtsystems, der Tragekomfort sowie das Gewicht des Helms gingen mit je 20 Prozent in die Endnote ein.

07.05.2012
Autor: Christian Zimek, Nils Flieshardt
© RoadBIKE
Ausgabe 05/2012