Rennrad-Helmtest 2012

Nur guter Sitz bringt guten Schutz

Ein Helm mit top Dämpfungswerten schützt nur, wenn er zu Ihrer Kopfform passt. Achten Sie daher beim Kauf eines neuen Helms auf eine gute Einstellbarkeit der Trageeinrichtung und sicheren Sitz!

Guter Sitz für guten Schutz Über die Schlagprüfungen hinaus, wurden auch die normrelevanten Tests der verbauten Tragesysteme durchgeführt. Der sogenannte Roll-Off-Test überprüft das Abstreifverhalten der Helme im Fall eines Sturzes – der Kinnriementest ermittelt die Stabilität der Trage-/Halteeinrichtung. Auch in diesem Testabschnitt haben alle Helme die Minimalanforderungen der Norm erfüllt.

Die Ergebnisse der Prüfungen flossen standardmäßig ­jedoch nicht in die Bewertung der Helme ein, da die Werte von der individuellen Kopfform des Trägers stark beeinflusst werden und der Prüfkopf die möglichen Kopfformen nur annähernd abdecken kann. Traten in den Tests jedoch Defekte oder Mängel auf, die im Ernstfall die Sicherheit beeinträchtigen können, gab es Abzüge bei der Sicherheitswertung. Die Auffälligkeiten finden Sie als Kommentare in den Testbriefen ab Seite 55.

Achten Sie auf die Passform

Fakt ist: Auch ein Helm mit Top-Dämpfungswerten schützt nur dann, wenn er zur Kopfform passt. Achten Sie daher beim Kauf auf eine gute Einstellbarkeit der Trageeinrichtung und sicheren Sitz. Besonderes Augenmerk sollte auch dem Verstellsystem gelten: Viele Hersteller setzen hier auf Drehmechanismen zur Weitenregulierung, die für eine gleichmäßige Fixierung des sogenannten „Headrings“ sorgen. Wichtig: Der Ring muss zwar fest sitzen, darf jedoch keinen übermäßigen Druck ausüben. Was bei der Probe schon unangenehm ist, wird nach Stunden im Sattel ­unter Garantie zur Qual.

Anpasssysteme im RoadBIKE Test

Ebenso wichtig für eine optimale Anpassung an alle erdenklichen Kopfformen sind verstellbare Gurtverteiler unter dem Ohr sowie handliche Steckschließen zur Fixierung des Helms am Kinn. Specialized geht einen Sonderweg und setzt auf ein fixes Stegsystem unter dem Ohr. Wenn die so vorgegebene Position zur Kopfform des Trägers passt, stellt dies kein Manko dar. Ganz im Gegenteil: Die oft fummelige Einstellung der Gurte entfällt, und die Riemen liegen eng am Kopf an. Passt die fixe Position jedoch nicht, kann dies zum Problem werden: Im Roll-Off-Test schnitt der S3 von allen Testkandidaten am schlechtesten ab und rutschte beinahe vom Prüfkopf. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass auch Top-Helme nur dann ihre Schutzwirkung bieten können, wenn sie optimal zur Kopfform passen. Dies war beim Prüfkopf nicht der Fall.

Kritik erntete auch das Trägersystem des Scott Vanish-R: Durch fest vernähte Gurtdreiecke und das Fehlen einer Höhenverstellung für den Headring entwickelte sich die Anpassung zur Geduldsprobe. Zudem versagten 3 von 4 getesteten Drehverschlüssen bei der Anpassung (s. Seite 52). Bei den Helmen des Herstellers Met passen die Gurte nicht zum verbauten Gurtverteiler: Unter Zug können die Gurte verrutschen. Die Gurtverteiler am Rudy Project Windmax sind nicht arretierbar.

Als letzter Punkt darf auch der Tragekomfort nicht zu kurz kommen, denn nur ein angenehm sitzender Helm wird auch benutzt. Erfreulich: Alle getesteten Helme liegen auf einem sehr hohen Niveau. Doch auch hier gilt: Testen Sie den Sitz und die Anpassbarkeit ausgiebig, und wägen Sie Sicherheitsreserve, Passform und Gewicht gegeneinander ab. Von einer Messung der Belüftungseigenschaften sah RB für diesen Test ab, da frühere Tests erkennen ließen, dass die Zeiten der „Schwitzschalen“, auch in unteren Preisklassen, vorbei sind.

Testfazit kompakt:

Alle Helme, ob günstig oder teuer, bestehen die Mindestanforderungen der Normprüfungen. Der Test hat gezeigt, dass Sicherheit keine Frage des Preises oder des Gewichts ist – der Helm muss zum Kopf passen! Das beste Gesamtpaket bietet der Specialized S3: Testsieg! ­Dahinter liegen gleichauf Catlike Whisper Plus, der Komfortsieger Uvex fp 1 und der Specialized Propero 2, der sich mit Top-Leistung zum kleinen Preis den Kauftipp verdient.

07.05.2012
Autor: Christian Zimek, Nils Flieshardt
© RoadBIKE
Ausgabe 05/2012