Test: 15 Windwesten

Rennrad-Windwesten im Test

Foto: Jan Meininghaus RoadBIKE Test Windwesten

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Ungemein praktisch und praktisch unverzichtbar: Eine Windweste ist auf Tour der beste Begleiter. RoadBIKE hat 15 Modelle getestet.

Ob als Windschutz auf rauschenden Passabfahrten im Sommer oder als zusätzliche Lage über dem Langarmtrikot im Winter: Wohl kaum ein Bekleidungsstück ist für Rennradfahrer so vielseitig und das ganze Jahr über so unverzichtbar wie eine Windweste. Für alle, die nicht nur im Hochsommer im Flachland unterwegs sind, ist sie deshalb ein absoluter Pflichtkauf. RoadBIKE hat 15 aktuelle Modelle bis 100 Euro auf Herz und Nieren getestet.

Doch was macht eine gute Windweste überhaupt aus? Zunächst – logisch – muss sie den Oberkörper vor dem Auskühlen durch den Fahrtwind schützen. Dazu verwenden die Hersteller windabweisende Materialien. Schon hier zeigen sich die ersten Unterschiede: Während beispielsweise die Pro Barrier Lite Vest von Pearl Izumi nahezu rundum aus windabweisendem Material besteht, setzen andere Hersteller vor allem am Rücken auf mehr oder weniger große Einsätze aus luftdurchlässigeren Materialien. Diese erzeugen ein besseres Innenklima und verhindern, dass es in der Weste durch Schweiß schnell feucht und schwitzig wird. Die höhere Luftdurchlässigkeit hat jedoch den Nachteil, dass es unter Umständen am Nacken oder an den Seiten durch den Fahrtwind kalt hereinziehen kann.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Passform: Die Windweste sollte eng anliegen – und das nicht nur wegen des nervigen Flatterns beispielsweise an den Schultern. Sitzt die Weste zu weit, kann die Luft durch die Ärmel-Öffnungen eindringen und vor der Brust entlangströmen – was einen auskühlenden Effekt hat. Deshalb sollten Sie eine Weste vor dem Kauf unbedingt anprobieren. Denn wie sich im Test gezeigt hat, fallen die Schnitte doch deutlich unterschiedlich aus, und die Materialien sind mitunter nicht sehr elastisch und anpassungsfähig. Die Westen von Vaude oder Löffler beispielsweise sind deutlich weiter als die doch sehr sportlich sitzende Body Spitfire von Bioracer.

Weil eine Windweste am besten immer dabei ist, muss sie sich gut in der Trikottasche verstauen lassen. Gleichzeitig ist jedes überflüssige Gramm, das man auf den Pass hinaufschleppen muss, natürlich eines zu viel, weshalb auch das Gewicht eine Rolle spielt. Im Testfeld zeigt sich eine Zweiteilung zwischen den extrem leichten und sehr dünnen Westen von Craft, Katusha, Mavic und Storck, die weniger als 74 Gramm wiegen, und auf der anderen Seite den etwas robusteren und auch etwas „schwereren“ Westen jenseits der 100 g von Bioracer, Endura, Rose oder Pearl Izumi. Das etwas dickere Material macht sich beim Packmaß deutlich bemerkbar – wobei sich alle getesteten Modelle dennoch problemlos in einer Trikottasche verstauen ließen.

An Ausstattung benötigt eine Windweste an und für sich nicht viel. Für die Sicherheit sind vorne und hinten aufgebrachte Reflektoren immer ein Gewinn. Darüber hinaus haben sich in der Praxis Öffnungen bewährt, die auch mit angezogener Windweste den Zugriff auf die Trikottaschen erlauben, sodass man auch während der Fahrt problemlos an Riegel oder Gel gelangt.

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So testet RoadBIKE

Die Windwesten müssen durch das RB-Testprozedere.

Windschutz (20 %): Alle Windwesten wurden von mehreren Testern auf einer festgelegten Runde mit längeren Steigungen, Flachstücken und schnellen Abfahrten getestet. Dabei bewerteten sie, wie gut die Westen sitzen und den Fahrtwind abhalten, wie groß der winddichte Bereich ist, ob es an Achseln, Schultern oder durch den Reißverschluss zieht, oder ob die Westen im Fahrtwind zum Flattern neigen. Ein weiteres Kriterium war, ob die Jacken am Rücken lang genug geschnitten sind und nicht während der Fahrt hochrutschen.

Atmungsaktivität (20%): In den Steigungen wurde gecheckt, ob die Westen mit geschlossenem Reißverschluss innen schnell schwitzig werden oder ob das Material genügend Feuchtigkeit nach außen abgeben kann.

Gewicht und Packmaß (je 20%): Alle Westen wurden in Größe M gewogen und das Gewicht bewertet. Außerdem wurden alle Westen so klein wie möglich zusammengerollt, um zu ermitteln, wie gut sich die Westen in einer Trikottasche verstauen lassen.

Ausstattung und Verarbeitung (je 10%): Bei der Ausstattung gab es beispielsweise Pluspunkte für ausreichend große Reflektoren, praktische Taschen oder Öffnungen, die den Zugriff auf die Trikottasche erlauben. Verarbeitungsmängel wurden mit Punktabzug geahndet.

01.04.2017
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 4/2017