Test: 12 kurze Allwetter-Radhosen

Bibshorts für jedes Wetter

Foto: Benjamin Hahn RoadBIKE Rennrad Allwetter-Hosen

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Kurze, aber warme Bibshort-Radhosen sind perfekt für die Übergangszeit. RoadBIKE hat zwölf davon getestet.

Von Profis lernen heißt, fürs Leben lernen: Jeremy Hunt vom Cervélo TestTeam schnitt 2009 beim Rennen Omloop Het Nieuwsblad seine Knielinge knapp überm Knie ab, und schon in den 1980er-Jahren fragte Radsport-Legende Freddy Maertens bei Assos nach etwas wärmeren Bibshorts für kühlere Tage. Aus den Anregungen versuchten Produktentwickler, markttaugliche Rennradhosen zu machen. Mittlerweile führen fast alle Hersteller eine solche kurze, leicht wärmende Bibshort für Rennrad-Fahrer im Programm.

Moment – kurze Hosen für die Kälte? Was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, erschließt sich auf den zweiten Blick rasch: Mit Bein- oder Knielingen halten sie fast genauso warm wie eine lange Winterhose, sind dabei aber deutlich flexibler und etwa für Fahrrad-Pendler eine gute Wahl. „Ich finde es sehr praktisch, eine solche Hose an einem kühlen Morgen mit Knie- oder Beinlingen zu kombinieren, bin dann aber viel flexibler, sobald die Sonne herauskommt“, sagt Christopher Haas von Assos. So sind kurze „Winterbibs“ die geradezu ideale Wahl für die Übergangszeit von Frühjahr und Herbst. Auch weil sie, anders als normale Bibs, im besten Fall auch die Körpermitte gut vor Kälte, Wind und Nässe schützen. Außerdem können sie bei Fahrten im Hochgebirge im Sommer an kühleren Tagen das perfekte Ausrüstungsstück sein. Und damit nicht genug: Kombiniert mit einer langen Tight ohne Polster, halten sie obendrein an richtig kalten Wintertagen denn Rennradler angenehm warm. Noch Fragen?

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Preisspanne von 90 bis 250 Euro

Doch wie viel muss man für eine solche Rennradhose ausgeben? Und halten sie wirklich das Versprechen, warmzuhalten und sogar vor Nässe zu schützen? RoadBIKE hat zwölf der kurzen Allwetter-Hosen zum Test angefordert, um das herauszufinden. Zunächst beeindruckt die Preisspanne, die von der knapp 90 Euro teuren Sportful Fiandre NoRain bis zur 250 Euro teuren Gore Oxygen Classics reicht.

Was zeichnet kurze Allwetter-Hosen überhaupt aus? Vor allem das etwas dichter gewebte, innen aufgeraute Material, das für eine bessere Wärme-Isolation sorgen soll. Zudem ist die Hose ganz oder in Teilen mit einem windabweisenden Material versehen, um ein Auskühlen durch den Fahrtwind zu verhindern. Und, nicht zuletzt, versprechen die Hersteller für ihre Modelle wasserabweisende Eigenschaften, sodass eine kurze Fahrt über nasse Straßen oder durch leichten Niesel nicht gleich mit einem feuchten Po oder Schritt endet.

Wie wirken sich diese ganzen Eigenschaften auf den Tragekomfort aus? Die gute Nachricht vorweg: Bis auf wenige Ausnahmen wurde das Tragegefühl von den Testern durch die Bank gelobt. Besonders das flauschige Gefühl des innen aufgerauten Materials kam gut an. Im Vergleich zu „klassischen“ Bibshorts müssen Sie also keine Kompromisse eingehen. Nur bei der Oxygen Classic Trägerhose von Gore schränkte das großflächig verwendete Windstopper-Material die Elastizität der Hose stark ein. Sie schützt zwar exzellent vor Fahrtwind, kann sich aber nicht so gut den Körperkonturen anpassen wie andere Modelle. Der zweite Ausreißer nach unten ist die Shield 2.0 von Craft, bei der die Tester den zu weit geschnittenen Hüftbereich kritisierten, sodass das Polster nicht ausreichend fixiert war und es sich auf dem Rad leicht „schwammig“ anfühlte. Bei der NanoFlex Pro Omloop von Castelli gefiel zwar das flauschige Material und die Tatsache, dass die Hose ohne drückende Bündchen an den Beinen auskommt. Aber für die bis über das Knie reichenden Beine gab es Kritik, weil das Ende etwas in der Kniekehle drückte, was sich mit Knie- oder Beinlingen noch verstärkt. Die besten Noten vergaben die Tester für den Tragekomfort der T.tiburuShorts_s7 von Assos und der Velocis Thermal Bibshorts von Bontrager. „Sie bieten die perfekte Mischung aus Kompression und Komfort, zudem ist das Tragegefühl top“, lobten die Tester.

Schwächen beim Nässeschutz

Bei den Polstern zeigten sich ebenfalls spürbare Unterschiede, die besten Noten bekam das Polster der Assos T.tiburu. Aber auch das Ergo-3D-Pro-Polster in Mavics Cosmic Pro Thermo wurde von der Mehrzahl der Tester wegen seiner hervorragenden Dämpfungseigenschaften gelobt. Auf längeren Ausfahrten überzeugt zudem das gute Sitzgefühl.

Halten die Hosen ihr Versprechen, die Körpermitte ausreichend zu wärmen? Im Test bei Temperaturen zwischen 7 und 12 °C punktete vor allem die Classic Thermal Bib Shorts von Rapha mit ihrem dickeren und vor allem dichteren Material, das sehr gut wärmt, ohne schwitzig zu werden. Auch die Neo Classic von Biehler gefiel mit angenehm warmem Material. Kritik gab es hingegen an den eher dünnen und nicht ganz so wärmenden Modellen von Bontrager und Craft. Gerade bei letzterem war mitunter Fahrtwind im Schritt zu spüren.

Wird es jedoch nass, etwa bei stärkerem Regen, kommen alle Hosen an ihre Grenzen. Auf den Testfahrten bei leichtem und mittelstarkem Regen drang bei allen Modellen früher oder später Feuchtigkeit ein, besonders die Polsternähte erwiesen sich als Schwachpunkte. Als „Regenhosen“ sind alle Modelle deshalb nur sehr eingeschränkt zu empfehlen.

Testfazit kompakt

Herausragender Tragekomfort, perfektes Polster und ausreichend isolierend: An der T.tiburuShorts_s7 von Assos führt kein Weg vorbei, daher ein klarer Testsieger mit deutlichem Vorsprung! Günstiger und fast so gut sind die Modelle von Mavic und Sportful, die sich einen Preis-Leistungs-Tipp verdient haben.

Tagesaktueller Preisvergleich für die getesteten Rennrad-Bibshorts (sofern Angebote bei unseren Partnershops vorhanden sind)




So testet RoadBIKE

Isolation, Nässeschutz, Tragekomfort etc. – so entstehen die Noten.

Tragekomfort (30 %): Alle Hosen werden von mehreren Testern bei Temperaturen um 10 °C intensiv gefahren, dabei bewerten sie, wie sich das Material anfühlt (zu straff oder zu elastisch), ob die Bündchen die Hose gut fixieren oder einschneiden, wie sich die Träger anlegen oder ob es irgendwo störende Nähte gibt.

Polster (30 %): Außerdem bewerten die Tester ihre Erfahrungen mit dem Polster: Ist es zu dünn/zu dick, ist es richtig positioniert, ggf. zu lang oder zu kurz? Schluckt es Vibrationen, die von Straßenunebenheiten verursacht werden, gibt es irgendwo Druckstellen?

Isolation (20 %): Wie dicht ist das Material? Bietet es eine ausreichende Isolation gegen Kälte und hält es so die Körpermitte auch bei einstelligen Temperaturen ausreichend warm? Wie gut schützt die Bib vor Fahrtwind, und ist sie evtl. ganz oder in Teilen aus windundurchlässigem Material?

Nässeschutz (15 %): Schützt das zumindest wasserabweisende (nicht wasserdichte) Material ausreichend vor Spritzwasser und leichtem Regen? Oder ist das Polster schon nach der ersten Fahrt durch eine Pfütze komplett nass?

Verarbeitung (5 %): Alle Hosen wurden mehrfach gemäß Anleitung gewaschen und anschließend kontrolliert: Behalten sie ihre Form, lösen sich Nähte oder Logos, oder zeigen sich sonstige Mängel?

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23.01.2018
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 11/2017