Rennradschuhe: 13 Modelle im Test

Rennradschuhe um 150 Euro im Test

Foto: Benjamin Hahn Rennrad Schuhe Test

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Angenehm am Fuß, dazu leicht, gut belüftet und ohne Druckstellen – ein perfekt passender Rennradschuh macht auf jeder Ausfahrt einfach nur Spaß. Doch wie finden Sie den richtigen? RoadBIKE hat 13 Modelle der Mittelklasse um 150 Euro getestet.
Zu den getesteten Produkten

Hinweis: einen tagesaktuellen Preisvergleich zu den getesteten Rennradschuhen finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Jeder Tritt eine Qual, die Füße wollen nur noch eines: raus aus diesen Schuhen! Obwohl sie sich bei der Anprobe noch so gut angefühlt hatten. Doch jetzt, nach nicht einmal 90 Kilometern, geht gar nichts mehr, die Sohlen brennen, Druckstellen überall. Wer schon einmal mit schlecht sitzenden Radschuhen auf einer längeren Runde unterwegs war, wird nachfühlen, was das bedeuten kann.

Doch wie findet man den am besten passenden Schuh? Und was können Käufer jenseits einer optimalen Passform für ihr Geld erwarten? RoadBIKE hat 13 Modelle der beliebten, gehobenen Mittelklasse zu Preisen um 150 Euro getestet. Das günstigste Modell ist der Apeckx II von Giro für 139,99 Euro, das obere Ende markiert der Scott Road Team Boa, für den 179,99 Euro fällig werden.

Doch egal, wie viel der Schuh am Ende kostet, ist jeder Cent rausgeworfenes Geld, wenn der Leisten nicht der eigenen Fußform entspricht. Deshalb ist die Passform das absolut wichtigste Kriterium beim Schuhkauf. Ein Tipp: Probieren Sie möglichst viele Schuhe verschiedener Hersteller in unterschiedlichen Größen an, um herauszufinden, welches Modell am besten passt. Wichtig, gerade bei meist eng sitzenden Radschuhen: Gehen Sie nachmittags oder abends zur Anprobe, da die Füße im Laufe des Tages anschwellen. Ein Schuh, der morgens perfekt sitzt, kann abends zu eng sein. Der gleiche Effekt lässt sich auf längeren Ausfahrten beobachten. Auch deshalb ist es wichtig, dass Sie den Verschluss unterwegs problemlos nachjustieren können.

Universelle Passformen punkten

Zwar ist die Passform ein sehr individuelles Kriterium, doch die langjährige Erfahrung der RBRedakteure zeigt, dass es Hersteller gibt, deren Schuhe fast jedem passen, aber auch solche, an denen sich die Geister scheiden. Im Test punktete vor allem der SH-RP5 von Shimano in dieser Disziplin und fand bei nahezu allen Testfahrern Zustimmung, knapp vor dem Race Road IV von Pearl Izumi und dem Apeckx II von Giro. Deutlich geteilter waren die Meinungen zum R5B Uomo von Fizik, der eher lang und schmal ausfällt, und dessen Passform deshalb nicht mit allen Füßen harmonierte. Zudem zeigte sich, wie unterschiedlich die Hersteller die Größen interpretieren: So fällt etwa der Phantom Carbon von Northwave recht groß aus, der Talent Road von Catlike ist dagegen deutlich kürzer und enger. Der CX 176 von Lake bietet recht viel Platz in der Zehenbox, was ebenfalls einigen Testern sehr gut gefiel, andere wünschten sich eine engere Passform.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss einer guten Innensohle – ein Bereich, den viele Hersteller auch in dieser Preisklasse noch immer vernachlässigen und in dem gerade aus diesem Grund große Unterschiede deutlich werden.

Die besten Noten bekam die hochwertige und gut stützende Innensohle des Road Team Boa von Scott, aber auch die Modelle von Catlike und Fizik überzeugen, während die Innensohlen von Mavic und Bontrager zu dünn und zu nachgiebig sind und dem Fußgewölbe nahezu keine Unterstützung bieten. Generell gilt: Die allermeisten Schuhe lassen sich mit speziellen Innensohlen spürbar aufwerten.

Effiziente Kraftübertragung

Sitzt der Schuh perfekt am Fuß, gilt es, andere relevante Faktoren zu prüfen. Allen voran die effiziente Kraftübertragung. Dazu muss die Sohle ausreichend steif sein, was in der getesteten Preisklasse durchgehend der Fall ist. Manche Sohlen, wie beispielsweise die des Bont Riot, sind fast schon zu steif, was auf langen, entspannten Touren etwas unangenehm werden kann.

Deutlich größer sind die Unterschiede beim Obermaterial: Sehr weiche, gut gepolsterte Schuhe tragen sich angenehm, können aber durch ihre Nachgiebigkeit die Tritteffizienz beeinträchtigen. Ist das Obermaterial zu unnachgiebig, leidet der Komfort. Den besten Kompromiss liefern aus Tester-Sicht Fiziks R5B Uomo und der Shimano SH-RP5. Der Mavic Cosmic Elite und der Apeckx II von Giro waren einigen Testern vom Obermaterial fast zu weich.

Für einen effizienten Tritt muss der Fuß natürlich gut im Schuh fixiert werden. Dabei setzen die Hersteller in dieser Preisklasse auf unterschiedliche Verschlusssysteme, um den Druck möglichst gleichmäßig auf dem Spann zu verteilen. Die meisten kombinieren ein bis zwei Klettriegel mit einem Drehverschluss. Diese bieten den Vorteil, dass sie sich in der Regel sehr fein – Klick für Klick – nicht nur enger stellen, sondern auch öffnen lassen. Nur Catlike verwendet beim Talent Road noch einen Boa-Verschluss, der sich nur komplett aufmachen lässt. Nach Ansicht der Tester am besten gelöst ist die Verschlussfrage beim Road Team Boa von Scott und beim Race Road IV von Pearl Izumi. Dass auch eine Kombination aus Klett und Ratsche kein Nachteil sein muss, beweist Shimano mit dem SH-RP5. Alle drei Modelle verteilen den Druck sehr gleichmäßig und angenehm auf dem Spann.

Wichtig gerade im Sommer ist eine gute Belüftung, schließlich soll der Fuß bei schweißtreibenden Einheiten nicht im eigenen Saft garen. Allerdings zeigen die RoadBIKE-Testfahrten, dass man hier keine Wunder erwarten darf. Belüftungsöffnungen in der Sohle und große Mesh-Einsätze am Vorderfuß verbessern zwar die Belüftung, ordentlich warm wurde es dennoch in allen Test-Modellen.

Deutlicher spürbar waren die Gewichtsunterschiede. Mit Abstand leichtester Schuh ist der nur 550 Gramm schwere Spectre Road von Bontrager. Der CX 176 von Lake bringt fast 190 Gramm mehr auf die Waage.

Testfazit kompakt

Die Rennradschuhe der 150-Euro-Klasse überzeugen mit ihrem insgesamt sehr hohen Niveau. Mehr Geld muss definitiv niemand für einen guten Rennradschuh ausgeben. Der SH-RP5 von Shimano ist nicht der leichteste, bietet aber das eindeutig beste Gesamtpaket und holt sich so den Testsieg. Nur knapp dahinter rangiert der etwas leichtere Race Road IV von Pearl Izumi.




So testet RoadBIKE

Wie entstehen die Noten? Nach diesen Kriterien haben die RoadBIKE-Tester die Schuhe in der Praxis unter die Lupe genommen.

Passform (30 %): Alle Schuhe wurden von mehreren Testern über mindestens eine Stunde intensiv Probegefahren, sowohl auf steilen Anstiegen im Wiegetritt als auch auf flachen Rollerpassagen mit hohem Krafteinsatz. Dabei bewerteten sie zunächst ihren individuellen Eindruck zur Passform. Schuhe, die fast allen Testern gut passten, erhielten bessere Noten als solche, deren Leisten nur wenige überzeugten.

Kraftübertragung (20 %): Nach der Ausfahrt notierten die Tester ihre Eindrücke zur Kraftübertragung. Neben der Sohlensteifigkeit bewerteten sie auch das Obermaterial ist es ausreichend fest, um den Fuß auch in der Zugphase der Pedalumdrehung sicher zu fixieren? Oder ist es zu weich und nachgiebig? Außerdem bewerteten sie, ob die Ferse ausreichend Halt hat.

Einlegesohle (20 %): Alle Einlegesohlen der Schuhe wurden verglichen: Bieten sie dem Fußgewölbe eine ausreichende Unterstützung, sind sie gar anpassbar? Oder sind sie zu dünn und zu weich, sodass der Fuß schneller ermüdet?

Gewicht (10 %): Die Schuhe wurden als Paar in Größe 45 gewogen und die Gewichte ins Verhältnis zueinander gesetzt. Die leichtesten Modelle erhielten die höchste Punktzahl, die schwersten die niedrigste.

Verschluss (10 %): Beim Verschluss bewerteten die Tester die Anpassbarkeit der Schuhe: Lassen sie sich gut auf den jeweiligen Fuß einstellen? Wie gut ist die Druckverteilung auf dem Spann? Sind die Klettriegel ausreichend elastisch, zu lang oder zu kurz?

Belüftung/Ausstattung (10 %): Bietet der Schuh eine ausreichende Belüftung, oder wird er schwitzig? Bei der Ausstattung gab es Punkte für Linien zur Cleat-Montage, für austauschbare und vor allem nicht rutschige Stopper und andere Extras wie die Möglichkeit, auch SPD- oder Speedplay-Cleats zu montieren.

06.03.2018
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 8/2017