12 Regenjacken im Test

Wasserstoff: Regenjacken aller Preisklassen im Test

Foto: Benjamin Hahn RoadBIKE 0917 Regenjacken Test Teaser Detail

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300 Euro? Oder doch nur 100? Wie viel muss man eigentlich für eine brauchbare Regenjacke ausgeben? Und wo liegen die Unterschiede zwischen günstigen und extrem teuren Modellen? RoadBIKE gibt den Überblick und vergleicht zwölf Regenjacken aller Preisklassen.
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Im strahlenden Sonnenschein losgefahren, und plötzlich verdunkelt sich der Himmel. Was erst nur ein paar Tropfen waren, entwickelt sich schnell zum fulminanten Wolkenbruch. Da hilft nur noch ein Zwischenstopp an der hoffentlich überdachten Bushaltestelle – oder aber eine gute Regenjacke, die den Oberkörper trocken und warm hält.

Gerade in diesem Bekleidungssegment hat sich in den vergangenen zwei Jahren eine kleine Revolution abgespielt. Hatte man doch davor meist nur die Wahl zwischen leichten und dünnen Regencapes, die viel zu schnell „schwitzig“ wurden, und mehrlagigen Regenjacken, die zwar besser schützten, durch ihr Volumen aber nur mit Mühe in die Trikottasche zu stopfen waren. „Gore Tex Active“ heißt das neue Wundermaterial, aus dem viele Hersteller mittlerweile ihre Top-Regenjacken schneidern.

Wasserdicht und atmungsaktiv

Die Vorteile: Es ist sehr dünn, dennoch wasserdicht und, vor allem, hoch atmungsaktiv. Außerdem benötigt es keine Imprägnierung, die sich mit der Zeit verliert und aufwendig erneuert werden muss. Einziger, nicht wegzudiskutierender Nachteil: Jacken aus diesem Material sind erst ab rund 270 Euro (Castelli Idro Jacket) zu haben.

Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Muss man so viel Geld für eine gute Regenjacke ausgeben? Oder tut es nicht doch ein günstigeres Modell bis 100 Euro? Oder bieten Mittelklassejacken das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?

Wichtig ist, sich vorab klarzumachen, was man von der Jacke erwartet und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, im Dauerregen fahren zu müssen. Das können (Wettkampf-)Sportler sein, die nach Plan trainieren, aber auch Marathonisti, die bei jedem Wetter starten; Pendler, die ihr Rad regelmäßig als Transportmittel nutzen, können ebenfalls darüber nachdenken, etwas mehr Geld in die Ausrüstung zu investieren. Für reine Freizeitfahrer, die nur nach Lust und Laune fahren und lediglich einen einfachen Schutz für überraschende Schauer bis zur nächsten Unterstellmöglichkeit benötigen, reicht eher ein einfaches Regencape, das für längere Fahrten allerdings kaum taugt.

Das zeigt der Test im RoadBIKE-Beregnungsstand: Während die Jacken der Mittelklasse beim Regenschutz mit den Top-Modellen durchaus mithalten können, klafft nach unten eine große – und deutlich spürbare – Lücke. Keine der günstigen Jacken (BBB BBW-265 Stormshield, Rose Race Performance Jacket, Sugoi Hydrolite Jacket) hielt einer zehnminütigen Intensivberegnung stand.

Die Top-Jacken hingegen grenzen sich nach unten vor allem durch ihr dünneres, leichteres Material ab. Bis auf die Q36.5 R.shell Protection setzen alle auf „Gore Tex Active“, das spürbar atmungsaktiver ist und ein geringeres Packmaß bietet als andere Materialien. Die meist mehrlagigen Regenjacken der Mittelklasse beanspruchen in der Regel mehr Platz in der Trikottasche und sind bei intensiveren Trainingsausfahrten etwas schweißtreibender. Wer Top-Regenschutz, hohe Atmungsaktivität und kleinstes Packmaß sucht, kommt um eine teure Jacke jenseits der 250 Euro nicht herum. Unterschiede gibt es in dieser Klasse vor allem bei den Schnitten.

Wer zu kleineren Kompromissen bereit ist – sei es bei der Atmungsaktivität oder beim Packmaß (etwa weil er mit Rucksack fährt) – und dennoch sehr guten Regenschutz möchte, findet in der Mittelklasse das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

RoadBIKE-Regenjackentest: Die Bewertung

Wetterschutz (30 %): Um für alle Jacken die gleichen Bedingungen zu gewährleisten, werden die Jacken nicht bei Regen, sondern im RoadBIKE-Beregnungsstand getestet. Ein Testfahrer fuhr alle Jacken zehn Minuten lang auf der Rolle, während Rasensprenger für eine gleichmäßige Beregnung von vorne, hinten und oben sorgten. Anschließend wurde mittels Baumwoll-Unterbekleidung dokumentiert, ob, wo und wie viel Wasser eingedrungen war. Ausnahmsweise erfolgt die Bewertung hier nicht nach Preisklassen, sondern preisklassenunabhängig, um zu zeigen, wie stark sich der Regenschutz zwischen günstigen und teuren Jacken unterscheidet. Das Ergebnis macht 30 % der Endnote aus.

Klimakomfort (20 %): Regenschutz ist gut, aber wenn die Jacke keinen oder zu wenig Schweiß nach außen lässt, wird sie trotzdem innen schnell feucht. Sowohl bei der Fahrt im Beregnungsstand als auch auf schweißtreibenden Testrunden im Trockenen bewerteten mehrere Tester die Atmungsaktivität.

Passform (20 %): Eine gute Regenjacke soll zwar eng anliegen, aber nicht die Bewegungsfreiheit einengen. Wichtig ist außerdem, dass sie am Gesäß lang genug geschnitten ist, um Spritzwasser abzuhalten. Auch darf sie während der Fahrt nicht hochrutschen. Punkte gab es zudem für gut anliegende Bündchen an den Ärmeln.

Packmaß (20 %): Wird die Regenjacke nicht gebraucht, sollte sie – möglichst klein zusammengerollt – in der Trikottasche verschwinden. Je kleiner das Packmaß und je leichter die Jacke, desto mehr Punkte gibt es.

Ausstattung (10 %): Bei schlechtem Wetter ist Sichtbarkeit ein wichtiges Thema, großflächige Reflektoren sind deshalb Pflicht. Außerdem gibt es Punkte für Reißverschlusstaschen oder (am besten verschließbare) Öffnungen zum Griff in die Trikottasche sowie Täschchen zum Verstauen der Jacken.

Top 3 Profi-Regentipps

  • Überlappung: Bei Regen sollten Sie Beinlinge über den oberen Rand der Überschuhe ziehen, so kann das Wasser nicht am Bein entlang in die Schuhe fließen, empfiehlt Movistar-Profi Alex Dowsett. Aber: Die Überschuhe müssen einen unterlegten oder gepolsterten Reißverschluss haben, der nicht auf der Haut reibt.
  • Gut & günstig: Gegen nasse Füße helfen im Notfall die leichten Obst-Plastiktüten aus dem Supermarkt, rät Weltmeister und Olympiasieger Mario Kummer. Schuhe und Überschuhe werden dann über die Plastiktüten gezogen, sodass diese nicht im Wind flattern.
  • Trockener Hintern: Kleine Steckschutzbleche unter den Sattel geklemmt, auch „Ass-Saver“ genannt, empfiehlt Ex-Profi Björn Schröder. Die schützen den Hintern vor aufgewirbeltem Spritzwasser vom Hinterrad – und sind günstig.

Regenjacken im Test - hier die besten Preise finden (sofern Angebote in unseren Partnershops vorhanden sind)




06.10.2017
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 9/2017