Zwölf Top-Rennräder der Saison 2011 im Vergleichstest

Viel Kohle bei den Laufrädern

Die umfangreichen Laufradmessungen, die RoadBIKE bei jedem Radtest durchführt, deckten in der Vergangenheit immer wieder Schwächen auf.
Zu den getesteten Produkten

Gerade bei teuren Top-Rennern etwa immer wieder zu wenig seitensteife Laufräder, die damit die Stärken der steifen Rahmen-Gabel-Sets wieder verspielten. Solche Laufradschwächen traten im aktuellen Testfeld seltener auf. Nur bei Isaac, Kuota, Specialized und Trek verfehlten Vorder- oder Hinterrad die 70 Nm/°, die wie bei den Rahmen-Gabel-Sets das für jedes Fahrergewicht ausreichende Minimum darstellen.

Alle anderen Laufräder erreichten teils exzellente Steifigkeiten – allerdings mitunter auf Kosten der Mittigkeit: Wenn eine Felge im Neuzustand über 1,5 Millimeter aus der Mitte steht, zeugt das entweder von schlampiger Arbeit oder zu sehr auf Steifigkeit orientiertem Zentrieren. Das alles stellt keinen sicherheitsrelevanten Mangel dar. Wohl aber einen, der in dieser Preisklasse unnötig – und mit etwas Aufwand problemlos vermeidbar wäre.

Bei den Laufrädern zeichnet sich noch ein weiterer Trend ab: Carbon ist weiter auf dem Vormarsch. Fast jedes Rad im Test ist optional auch mit Carbonlaufrädern zu haben. RoadBIKE hat bewusst darauf verzichtet, entsprechend ausgestattete Modelle zu bestellen.Isaac, Kuota und Storck wollten auf Carbonfelgen dennoch nicht verzichten. Und das, obwohl die nur bedingt alltagstauglich sind: Ihre Bremsleistungen sind zumindest gewöhnungsbedürftig. Kommen wie bei Isaac und Storck noch Schlauchreifen hinzu, ist wohl fast jeder Hobbyfahrer bei der Montage – oder im Pannenfall – überfordert.

Doch auch bei „klassischen“ Systemlaufrädern spielt der Werkstoff Carbon eine immer wichtigere Rolle. Mavic beispielsweise setzt, beim teuren R-Sys-Modell ebenso wie beim erschwinglicheren Ksyrium SR, auf Speichen aus dem Verbundmaterial. Wer beim Transport sorgsam mit diesen Laufrädern umgeht, freut sich über satte Steifigkeiten, geringes Gewicht und, dank Alu-Felge/Bremsflanke, uneingeschränkte Alltagstauglichkeit!

Die Preise steigen

Doch nicht nur im Rahmen- und Laufradbau ist Carbon ein immer wichtigeres Thema. Sattelstützen und Lenker aus dem Verbundwerkstoff sind (nicht nur) bei Top-Rennern mittlerweile üblich. Auch Vorbauten aus Kohlefaser sieht man häufiger – im Test etwa am Scott.

Doch die leichten Kohlefaserteile haben ihren Preis: Die Testräder sind größtenteils teurer als vergleichbare Vorjahresmodelle. Auch Wechselkurse und steigende Produktionskosten spielen hier ein Rolle. Fakt ist aber, dass Rennräder teurer werden. Auch das ist ein Trend für das Jahr 2011 – zum Leidwesen der Käufer.

16.02.2011
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 02/2011