Rennräder im Test

Testbericht: Wiesmann P2810S (Modelljahr 2019)

Foto: Benjamin Hahn RoadBIKE Stahl-Rennräder im Test

Fotostrecke

Florian Wiesmann schafft Sportgeräte und Kunstwerke zugleich. Auf der Straße gefällt das stimmige Konzept, im Labor zeigen sich Licht und Schatten.
Zu den getesteten Produkten

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • … drückt aber aufs Gewicht
  • geringer Komfort am Heck

Testurteil

Testurteil gut
Loading  

Testurteil: Gut (9 Punkte) (Rahmen-Set, max. 15 Punkte)

Das Ergebnis unseres Rennrad-Tests: Florian Wiesmann steht mit beiden Beinen im Leben: Ob er das gewünschte Testrad einen Tag später in der Redaktion vorbeibringen könne, er müsse noch Holz hacken für den Winter. Ähnlich unprätentiös geben sich die Räder des Deutsch-Schweizers. Das Testrad wirkt fast unscheinbar und trägt seine durchdachten Details nicht marktschreierisch nach außen. Dabei gibt es derer viele.

Da sind die Mini-Steckachsen mit zehn Millimetern Durchmesser, auf die Wiesmann anstelle von Schnellspannern setzt. Warum? Eine stabile Verbindung des Laufrads mit dem Rahmen bei Verringerung des Gewichts an den ansonsten materialbedingt schweren Ausfallenden. Im Steuerrohr dreht sich eine Ein-Zoll-Stahlgabel mit satter Vorbiegung – Garant für tolle Komfortwerte an der Front. Eine Augenweide ist der in Rahmenfarbe lackierte Stahlvorbau, an dem die Lenkerklemmschrauben nach oben weisen – optisch ungewohnt, dafür praktisch. Die Namensplaketten, beidseitig an den Kettenstreben montiert, verweisen unaufdringlich, doch sehr edel auf den Schöpfer des Rahmens. Und der asymmetrische Hinterbau ist eine Spezialität von Wiesmann, denn warum – so seine Philosophie – sollte man ein Hinterrad asymmetrisch zentrieren, wenn der Rahmen es sein kann?

Stimmiges Erscheinungsbild mit weißen Zughüllen und polierten Campa-Komponenten – Florian Wiesmanns Rennräder sind auch optisch kleine Kunstwerke. Und sie fahren sich richtig gut: Das Testrad ist ein entspannter Tourer, der mit ruhigem Geradeauslauf viel Sicherheit vermittelt. Die Beschleunigung ist unauffällig, aber gut. Auf den RoadBIKE-Prüfständen fallen die guten Steifigkeitswerte positiv auf. Das hohe Gewicht des Rahmen-Sets und das harte Heck kosten hingegen Punkte. Wiesmanns großen Kundenkreis ficht das nicht an: Wer ein Rad aus der Manufaktur in Badenweiler im Markgräflerland erwerben will, muss mit zehn Monaten Lieferzeit rechnen.

Technische Daten des Test: Wiesmann P2810S

Preis: 5750 Euro
Gewicht: 8,8 kg
Rahmengewicht: 2819 g
Gabelgewicht:
Laufradgewicht mit Reifen, Disc, Kassette: (ohne Schnellspanner /Steckachse)
Vertriebsweg: Direktverkauf
Verfügbare Rahmenhöhen: nur auf Maß
Getestete Rahmenhöhe: nur auf Maß
Rahmenmaterial: Stahl (Dedacciai Zero)
Lenkkopfsteifigkeit: 78 Nm/Grad
Tretlagersteifigkeit: 109 N/mm
Komfort vorne: 237 N/mm
Komfort hinten: 551 N/mm
Laufradsteifigkeit Vorderrad:
Laufradsteifigkeit Hinterrrad:
Schaltgruppe: Campagnolo Pot./Athena, 11–29
Kurbelsatz: Middleburn RO2, 48/33
Bremse: Campagnolo Centaur
Laufräder: Hope RS4/Velo-Orange
Reifen: Michelin Pro4 Endur., 25 mm
Vorbau: Wiesmann
Lenker: Deda Speciale
Sattel: Kohlenstoff
Sattelstütze: Thomson Elite

Rahmenset:

Geometrie:

Fazit

Florian Wiesmann schafft Sportgeräte und Kunstwerke zugleich. Auf der Straße gefällt das stimmige Konzept, im Labor zeigen sich Licht und Schatten.

08.03.2019
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE
Ausgabe /2019