Rennräder im Test

Testbericht: Sven Krautscheid Custom (Modelljahr 2019)

Foto: Benjamin Hahn RoadBIKE Stahl-Rennräder im Test

Fotostrecke

Sven Krautscheid tritt in große Fußstapfen, geht aber seinen eigenen Weg. Freunde großer Rahmenbaukunst kommen in Bochum voll auf ihre Kosten.
Zu den getesteten Produkten

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Rahmen-Set leicht übergewichtig
  • wenig Federungskomfort

Testurteil

Testurteil gut
Loading  

Testurteil: Gut (9 Punkte) (Rahmen-Set, max. 15 Punkte)

Das Ergebnis unseres Rennrad-Tests: Ist es Fluch oder Segen, wenn der eigene Vater die deutsche Rahmenbau-Legende Günther Krautscheid ist? Eher Segen, sagt Sven Krautscheid und erinnert sich, wie er zwischen den Stahlrohren in der Werkstatt seines Vaters in Bochum aufwuchs, auf der Ladentheke saß, als Radsportgrößen ein- und ausgingen oder als vierjähriger Steppke im Fahrerlager bei Profirennen herumstromerte. Zabel, Aldag, die Fothen-Brüder oder Wilfried Trott – sie alle fuhren auf Rahmen von Günther Krautscheid. Sohn Sven absolvierte eine Schlosserlehre, stieg bei seinem Vater ein, setzte einen Zweiradmechaniker-Meister in der Fachrichtung Rahmenbau drauf – und machte sich vor bald zehn Jahren selbständig.

Aufbauend auf diesem Werdegang, ist jeder der etwa 50 Rahmen, die Sven Krautscheids Manufaktur jährlich verlassen, ein Unikat und bis ins Detail durchdacht. Das Ziel ist eine Lösung, die dem Kunden mindestens zehn Jahre Freude macht – und eher klassisch-konservativ auf Bewährtes setzt als jedem Trend zu folgen. Bevor das erste Rohr zugeschnitten wird, nimmt sich Krautscheid Zeit, befragt den Kunden ausgiebig – und ermittelt die Geometrie bei Bedarf per dynamischer, videogestützter Positionsanalyse. Ein Rahmen kostet ab 999 Euro, die Lieferzeit beträgt vier Monate.

Auch das Testrad ist ein Unikat und insofern eher als Arbeitsprobe zu verstehen. Krautscheid interpretiert hier eine klassische Rennmaschine: wendig, sportlich, direkt, mit guter Beschleunigung, hervorragender Laufruhe und ausgewogener Sattelüberhöhung, aber auch geringem Dämpfungskomfort. Das kostet in Verbindung mit dem leichten Übergewicht des Rahmen-Sets wichtige Punkte und verhindert haarscharf eine bessere Note. Die Steifigkeiten sind dagegen erfreulich hoch.

Handwerklich ist der Rahmen große Kunst: Die Fillet-Brazed-Verbindungen der Rohre sind eine Augenweide, das Design mit klassischer Banderole und Unterschrift mutet edel an.

Technische Daten des Test: Sven Krautscheid Custom

Preis: 4956 Euro
Gewicht: 8,4 kg
Rahmengewicht: 2610 g
Gabelgewicht:
Laufradgewicht mit Reifen, Disc, Kassette: (ohne Schnellspanner /Steckachse)
Vertriebsweg: Direktverkauf
Verfügbare Rahmenhöhen: nur auf Maß
Getestete Rahmenhöhe: nur auf Maß
Rahmenmaterial: Stahl (Columbus Spirit HSS)
Lenkkopfsteifigkeit: 77 Nm/Grad
Tretlagersteifigkeit: 104 N/mm
Komfort vorne: 339 N/mm
Komfort hinten: 571 N/mm
Laufradsteifigkeit Vorderrad:
Laufradsteifigkeit Hinterrrad:
Schaltgruppe: Campagnolo Chorus, 12–27
Kurbelsatz: Campagnolo Chorus, 53/39
Bremse: Campagnolo Chorus
Laufräder: Campagnolo Eurus
Reifen: Wolfpack Race Cot., 24/26 mm
Vorbau: Deda Zero 100
Lenker: Zero 100
Sattel: Deda Zero 100
Sattelstütze: Fizik Aliante

Rahmenset:

Geometrie:

Fazit

Sven Krautscheid tritt in große Fußstapfen, geht aber seinen eigenen Weg. Freunde großer Rahmenbaukunst kommen in Bochum voll auf ihre Kosten.

08.03.2019
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE
Ausgabe /2019