Rennräder im Test

Testbericht: Stevens Comet Disc (Modelljahr 2018)

Foto: Benjamin Hahn RoadBIKE Rennrad Neuheiten 2018

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Rennrad-Puristen aufgepasst: Stevens schickt mit dem neuen Comet Disc einen schnörkellosen Rennsportler auf die Straße.
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Testurteil

Testurteil sehr gut
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Testurteil: Sehr gut (83 Punkte)

Vorgestellt wurde es bereits vor über einem Jahr, seit Kurzem ist das Comet Disc von Stevens nun endlich erhältlich. Zum ersten Test haben die Hamburger die Disc-Version (es gibt auch einen Rahmen für Felgenbremsen) im hauseigenen Konfigurator mit allem bestückt, was gut und teuer ist. Zu haben ist das Comet Disc ab 3199 Euro – das Testrad kostet dagegen über 6310 Euro. Viel Geld für eine Preis-Leistungs-Marke wie Stevens.

Dafür gibt es einen geradlinigen Sportler ohne Allüren: Das Stevens Comet Disc ist sofort einsatzbereit für jedes Rennen. Es bringt seinen Fahrer in eine gestreckte Haltung mit ordentlich Sattelüberhöhung – ohne dabei in ein unangenehmes Extrem zu verfallen. Es bleibt noch genügend Restkomfort für lange Etappen-Einsätze. Dazu bietet das Rahmen-Set zumindest am Heck sehr guten Federungskomfort.

An der Front ist das Comet Disc hingegen unkomfortabel hart, was die Messwerte von den RoadBIKE-Prüfständen belegen. Die Daten attestieren dem Stevens Comet Disc auch genug Fahrstabilität für alle Gelegenheiten und Fahrer – Stevens selber gibt für das Comet Disc als Gewichtslimit 115 Kilo an. Das Set aus Rahmen, Gabel und Sattelstütze ist mit 1386 Gramm auch eines der leichtesten Disc-Sets, die RoadBIKE bislang getestet hat.

Geradlinig schnell

Als Gesamtgewicht zeigt die RoadBIKE-Waage für das Stevens Comet Disc 7,3 Kilo an – für Disc-Rennräder ein ordentlicher Wert, der aber deutlich über dem UCI-Gewichtslimit von 6,8 Kilo liegt – gerade in Anbetracht der teuren Ausstattung und des sportlichen Einsatzbereichs.

Auf der Straße wirkt das Stevens Comet Disc dennoch leichtfüßig, ungezügelt schnell und immer willig. Das liegt vor allem an den leichten, aber trotzdem ausreichend steifen Laufrädern.

Durch den kurzen Radstand folgt das Stevens Comet Disc zudem sehr direkt und zackig – ein echtes Rennrad eben. Erfreulicherweise bleibt der Renner bei hohen Geschwindigkeiten dennoch sehr spurstabil und liegt zuverlässig auf der Straße – das hat das Stevens Comet Disc seinem langen Gabelnachlauf zu verdanken.

Ehrlicher Rennsportler

Abgesehen von der modernen Scheibenbremse haben die Entwickler mit dem Stevens Comet Disc also ein geradezu „klassisches“, schnörkelloses und ehrliches Rennrad gebaut. Damit fügt Stevens dem Segment der Disc-Rennsportler eine neue Facette hinzu: Gegen den Trend zu ausgeprägtem Geradeauslauf und ruhigem Handling hat das Comet Disc spürbar „Hummeln im Hintern“ und fährt sich entsprechend sehr lebendig und reaktiv.

Absolut überzeugt waren die Tester von der Ausstattung, besonders Shimanos neue Dura-Ace-Schaltung gefiel. Sie schaltet beeindruckend präzise, leichtgängig und mit kurzen Hebelwegen. Wer etwas anderes möchte: kein Problem. Im recht umfangreichen Online-Konfigurator lässt sich das Stevens Comet Disc nach Belieben (und passend zum Geldbeutel) bestücken – eine feine Sache, wenn man kein Rennrad „von der Stange“ haben möchte.

Passend zum Charakter des Rades verbaut der Hersteller „nur“ 25 mm breite Reifen – für einen so lebendigen Sportler die perfekte Wahl, fanden die Tester. Und schließlich verdient Stevens Lob dafür, standfeste 160-mm-Bremsscheiben statt kleiner 140er zu montieren, die viele Mitbewerber in diesem Segment bevorzugen.

Natürlich hat das Testrad in dieser Traumausstattung seinen Preis. Vergleichbare Disc-Renner (wie das BMC Teammachine SLR01 Disc in diesem Test) kosten aber nicht selten noch deutlich mehr. So gesehen, bleibt Stevens seinem „Preis-Leistungs-Image“ auch in dieser Klasse treu.

Technische Daten des Test: Stevens Comet Disc

Preis: 6310 Euro
Gewicht: 7,3 kg
Rahmengewicht: 944 g
Gabelgewicht: 365 g
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: 50/52/54/56/58/60 cm
Getestete Rahmenhöhe: 56 cm
Rahmenmaterial: Carbon
Lenkkopfsteifigkeit: 75 Nm/Grad
Tretlagersteifigkeit: 98 N/mm
Komfort vorne: 373 N/mm
Komfort hinten: 239 N/mm
Laufradsteifigkeit Vorderrad: 74 Nm/Grad
Laufradsteifigkeit Hinterrrad: 79 Nm/Grad
Schaltgruppe: Shimano Dura-Ace, 11–28
Kurbelsatz: Shimano Dura-Ace, 50/34
Bremse: Shimano Dura-Ace Disc, 160
Laufräder: Mavic Ksyrium Pro Carbon SL
Reifen: Contin. Grandprix 4000sII, 25
Vorbau: Ritchey WCS C220 Car.
Lenker: Oxygen
Sattel: S. Italia Flite
Sattelstütze: Ritchey Superlogic

Profil:

Geometrie:

Fazit

Das Stevens Comet Disc ist ein geradliniger Rennsportler: schnell, direkt, willig. Das leichte Disc-Rahmen-Set ist durchdacht konstruiert, das Gesamtgewicht für ein Disc-Modell okay. Die Nobel-Ausstattung ist ein Traum. Über 6300 Euro sind zwar viel Geld, allerdings bietet Stevens das Comet Disc auch schon ab 3199 Euro an.

14.12.2017
Autor: Felix Böhlken, Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE