Rennräder im Test

Testbericht: Kocmo Roadmaster (Modelljahr 2018)

Foto: Björn Hänssler RoadBIKE Titan Rennräder Test 2018

Fotostrecke

Die ostdeutsche Marke Kocmo kokettiert mit ihrer Nähe zu Russland – und baut mit dem Roadmaster einen konsequenten Rennsportler
Zu den getesteten Produkten

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Lenkkopf könnte steifer sein
  • Laufräder aus der Mitte zentriert

Testurteil

Testurteil sehr gut

Testurteil: Sehr gut (87 Punkte)

Laut Kocmo werden die eigenen Räder von russischen U-Boot-Ingenieuren geschweißt. Dazu die russische Fahne auf der Website, teilweise russische Modellnamen und kyrillische Schriftzüge auf den Rädern … Mit vielen Anleihen bei der Großmacht im Osten sticht Kocmo (sprich: Kosmo) am Rennradmarkt hervor. Dass die kyrillischen Buchstaben nicht immer der tatsächlichen Phonetik entsprechend gewählt sind, sondern hiesigen Lesegewohnheiten einen Schuss Exotik verpassen – geschenkt! Denn das Konzept geht auf: Kocmos Produktpalette wächst, umfasst acht Rennräder, vier Cyclocrosser und drei Randonneure/Pendlerrennräder. Händler für die Räder mit dem Stern findet man in ganz Deutschland, in Österreich, der Schweiz, in Holland und Südafrika. Darüber hinaus versenden André Pfeil und sein Team Räder auch direkt. Maßrahmen für vertretbare 300 Euro Aufpreis, zehn Jahre Garantie und ein umfassender Konfigurator sind weitere Argumente für die edlen Räder aus Stahnsdorf bei Berlin.

Rassiger Racer

In den Test schickte Kocmo das Modell Roadmaster. Eine gute Wahl, denn das Rad mit klassisch anmutenden Rundrohren gefällt als reinrassige Rennmaschine. Der Rahmen wiegt kaum mehr als 1500 Gramm, das Komplettrad nur 7,4 Kilo. In Verbindung mit der wendigen Geometrie – kurzer Radstand, kurzes Steuerrohr, steiler Lenkwinkel – und einem sportlich sitzenden Fahrer (in leichter Streckung mit ordentlicher Sattelüberhöhung), ergibt sich ein wieselflinkes, wendiges Rennrad, das sehr viel Freude macht. Wer einmal Blut geleckt hat, möchte ständig im Wiegetritt weiter beschleunigen und noch ein bisschen mehr Speed rauskitzeln. Sehr gut: Dank des sehr steifen Tretlagers geht von der eingesetzten Beschleunigungsenergie kaum etwas verloren. Und obwohl das Rad messerscharf um Kurven zirkelt, ist die Lenkung nicht zu giftig geraten, sondern bleibt stets angenehm harmonisch. Die ideale Mischung für Kriteriumsfahrer und sportlich Orientierte!

Einziger Wehrmutstropfen: die eher geringe Lenkkopfsteifigkeit. Mit 71 Nm/° liegt sie zwar noch knapp im grünen Bereich und beeinflusst das Fahrverhalten nicht kritisch. Ein bisschen mehr Stabilität würde den Fahrspaß aber noch weiter erhöhen.

Durchdachtes Konzept

Ein Blick auf die Ausstattung zeigt: Kocmo denkt die sportliche Ausrichtung des Rahmens konsequent zu Ende. Die Übersetzung ist mit Semikompakt-Kurbel und 11–25er-Kassette knackig-rennsportlich, Wettkampfreifen von Continental bieten viel Grip bei geringem Rollwiderstand, und die Carbon-Laufräder von Enve versprechen mit ihren verschiedenen Profilhöhen an Vorder- und Hinterrad bestes Handling bei guter Aerodynamik. Die leichten Laufräder bewiesen solide Steifigkeitswerte, waren allerdings stark aus der Mitte zentriert: 1 Millimeter Abweichung vorne und 1,5 Millimeter hinten sind zu viel des Guten.

Campagnolos Chorus-Gruppe sieht man mittlerweile immer seltener. Warum eigentlich? Immerhin bietet nur Campa die Option, mechanisch mit einem Schaltschritt mehrere Gänge schwerer zu schalten – nicht uninteressant für Rennfahrer und folgerichtig am Roadmaster zu finden.

Bei den weiteren Teilen setzt Kocmo auf Solides und Bewährtes wie Selle Italias SLR-Sattel und die WCS-Reihe von Ritchey. Für Vorbau/Lenker bietet Kocmo übrigens ein 14-tägiges Umtauschrecht, bis die Sitzposition hundertprozentig passt.

Technische Daten des Test: Kocmo Roadmaster

Preis: 6450 Euro
Gewicht: * 7,4 kg
Rahmengewicht: 1556 g
Gabelgewicht: 375 g
Laufradgewicht mit Reifen, Disc, Kassette: (ohne Schnellspanner/Steckachse) 2288 g
Vertriebsweg: Versand-/Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: XS/S/M/M–L/L/XL
Getestete Rahmenhöhe: M–L
Rahmenmaterial: Titan
Lenkkopfsteifigkeit: 71 Nm/Grad
Tretlagersteifigkeit: 108 N/mm
Komfort vorne: 323 N/mm
Komfort hinten: 337 N/mm
Laufradsteifigkeit Vorderrad: 85 Nm/Grad
Laufradsteifigkeit Hinterrrad: 74 Nm/Grad
Schaltgruppe: Campagnolo Chorus, 11–25
Kurbelsatz: Campagnolo Chorus, 52/36
Bremse: Campagnolo Chorus
Laufräder: Enve SES 3.4
Reifen: Conti GP Att./Force, 22/24 mm
Vorbau: Ritchey WCS
Lenker: Rit. WCS Streem
Sattel: Selle Italia SLR
Sattelstütze: Rit. WCS Carb.

* Gewicht Komplettrad ohne Pedale/Rahmen/Gabel.

Profil:

Geometrie:

Fazit

So kompromisslos sportlich zeigte sich kein anderes Rad im Test: Kocmos Roadmaster ist leicht, schnell und wendig. Rennsportler mit Sinn für russisch angehauchte Extravaganz, komplett abseits des Mainstreams, werden damit garantiert glücklich.

09.01.2018
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE
Ausgabe /2018