Rennräder im Test

Testbericht: Bianchi L’Eroica (Modelljahr 2019)

Foto: Benjamin Hahn RoadBIKE Stahl-Rennräder im Test

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Das Bianchi L’Eroica ist ein besonderes Rad für eine besondere Zielgruppe. Kompromisse müssen Käufer kaum eingehen, das Rad überzeugt im Labor und in der Praxis.
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Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • … aber nur aus Unterlenkerposition
  • Rahmen-Set recht steif, aber schwer

Testurteil

Testurteil sehr gut
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Testurteil: Sehr gut (10 Punkte) (Rahmen-Set, max. 15 Punkte)

Das Ergebnis unseres Rennrad-Tests: Alte Rennräder, Wolltrikots und Schotterstraßen – bei Retro-Events feiern Nostalgiker den heroischen Radsport vergangener Tage. Doch woher ein stilechtes Rad nehmen, wenn man keinen alten Renner besitzt?

Wie wär’s damit: Die italienische Traditionsmarke Bianchi bietet mit dem L’Eroica ein modernes Rennrad an, das an die Zeiten von Fausto Coppi und Co. erinnert (und zur Teilnahme bei den in Ausrüstungsfragen reglementierten L’Eroica-Events zugelassen ist). Herzstück ist der in Italien gefertige Stahlrahmen mit schlanken Rohren, die teils geschweißt, teils gemufft sind. Teilverchromt, sonst in Bianchi-typischem „Celeste“ – auch an der schlanken Stahlgabel mit starker Vorbiegung, ist das L’Eroica ein Fest für die Augen. Geschaltet wird mit Rahmenhebeln, die Laufräder sind klassisch eingespeicht, Riemenpedale zählen zum Lieferumfang. Kein Zweifel: Hier steckt viel Liebe im Detail.

Das L’Eroica basiert auf dem Modell „Campione d’Italia“, das Bianchi ab den 1950ern produzierte. Deswegen verzichtet es aber nicht auf moderne Errungenschaften: vergleichsweise „leichte“ Übersetzungen, Clincher- statt aufgeklebte Schlauchreifen und eine entspanntere Geometrie verhindern, dass der Heroismus des Fahrers überstrapaziert wird.

Denn nur zum Anschauen ist das Rad viel zu schade: Auf der Straße gefällt es mit ordentlichem Vortrieb und durchaus sportlichem Handling, bergab fährt es sich stabil. Mit verbundenen Augen käme man gar nicht so schnell auf den Gedanken, auf einem Retro-Renner zu sitzen, wären da nicht der Brooks-Sattel und die Bremshebel. In Bremsgriffhaltung entlocken die den eigentlich kräftig zupackenden Gran-Compe-Mittelzugbremsen nur wenig Power – der einzige kleine Kritikpunkt. Denn auf den RB-Prüfständen lieferte das auch einzeln erhältliche Rahmen-Set (2299 Euro) sehr ordentliche Messwerte – vom Gewicht einmal abgesehen.

Technische Daten des Test: Bianchi L’Eroica

Preis: 2999 Euro
Gewicht: 9,9 kg
Rahmengewicht: 2826 g
Gabelgewicht:
Laufradgewicht mit Reifen, Disc, Kassette: (ohne Schnellspanner /Steckachse)
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: 50/53/55/57/59/61/63 cm
Getestete Rahmenhöhe: 57 cm
Rahmenmaterial: Stahl (Columbus Zona)
Lenkkopfsteifigkeit: 72 Nm/Grad
Tretlagersteifigkeit: 86 N/mm
Komfort vorne: 254 N/mm
Komfort hinten: 428 N/mm
Laufradsteifigkeit Vorderrad:
Laufradsteifigkeit Hinterrrad:
Schaltgruppe: Campagnolo Veloce, 13–29
Kurbelsatz: Campagnolo, 48/36
Bremse: Gran Compe 610
Laufräder: Ambrosio Montreal
Reifen: Vittoria Zaffiro Pro, 23 mm
Vorbau: Classic Racing Bar, Alu
Lenker: Classic Racing Bar, Alu
Sattel: Brooks Team Pro
Sattelstütze: Gran Compe

Rahmenset:

Geometrie:

Fazit

Das Bianchi L’Eroica ist ein besonderes Rad für eine besondere Zielgruppe. Kompromisse müssen Käufer kaum eingehen, das Rad überzeugt im Labor und in der Praxis.

08.03.2019
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE
Ausgabe /2019