Urs One vs. Urs Four Björn Hänssler
Urs One
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Test: BMC Urs One vs. Urs Four

Top-Modell Urs One gegen das Einstiegsmodell Urs Four

One, Two, Three, Four: BMCs Gravelfamilie URS zählt vier Sprösslinge. Eng verwandt und doch so unterschiedlich, zu Preisen von 3000 bis 9000 Euro. ROADBIKE hat One und Four verglichen, um zu klären: Ist Gravelspaß eine Frage des Preises?

Ungewöhnlicher Name, neue Kategorie: Als BMC im Sommer 2019 die neue Gravel-Modellreihe URS präsentiert, ist die Überraschung perfekt. Nicht nur der Name bricht mit BMC-Traditionen – keine "Gravelmachine" also –, auch die Ausrichtung des Rades ist speziell. "Gravel+" nennt BMC die neue Kategorie und betont die "uneingeschränkte" Offroad-Kompetenz, die dem Rad auch den Namen gibt: UnReStricted. Kurz: URS. Dass Urs als beliebter Schweizer Vorname die Herkunft des Rades unterstreicht, ist sicher kein Zufall.

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Das Top-Modell BMC Urs One.

Selbstbewusst zeigen sich die Schweizer traditionell bei der Preisgestaltung: Stolze 8999 Euro werden für das Top-Modell One fällig, ausgestattet mit Srams 12-fach-Funkschaltung Red eTap AXS, edlem ICS-Cockpit und leichten Carbon-Laufrädern von DT Swiss. 6000 Euro weniger kostet der Einstieg in die URS-Familie: Das Modell Four für 2999 Euro setzt auf Srams mechanische Einsteigergruppe Apex und Alu-Laufräder, ebenfalls von DT Swiss. Dazwischen positionieren sich das URS Two mit Shimanos GRX Di2 (5999 Euro ) und das Three mit mechanischer GRX 600 für 3999 Euro. ROADBIKE hat die beiden Extreme One und Four verglichen.

Urs Four
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Das BMC Urs Four für 2999 Euro.

Für den Preis eines URS One könnte man also drei Four-Modelle kaufen – ein Preissprung, der sich nüchtern betrachtet nicht rechtfertigen lässt. Zumal die gute Nachricht für alle Sparfüchse lautet: Familientypisch verfügen alle Urs-Brüder über die gleiche DNA: Das Herzstück, der aufwendig gemachte Carbon-Rahmen mit seinen vielen schönen Detaillösungen, ist bei allen gleich. Nur die Gabel des Four kommt mit rundem Gabelschaft, da hier ein Standardvorbau anstelle des ICS-Vorbaus (für innen verlegte Leitungen) zum Einsatz kommt.

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Die Elastomer-Federung am Heck bietet 10 mm "Federweg".

Charakteristisch für alle URS-Modelle ist der Elastomer-Hinterbau, der mit seinen 10 mm Federweg nicht nur Komfort auf rauem Untergrund garantiert, sondern auch die Traktion verbessert. Weitere Gemeinsamkeiten: die gut flexende, D-förmige Carbon-Stütze, ein solider Unterrohrschutz und "Fork Socks" über den Gabelausfallenden, auf denen sich das Rad bei ausgebautem Vorderrad bedenkenlos abstellen lässt. Die Kombination aus langem Radstand, langem Oberrohr und kurzem Vorbau verspricht Laufruhe und agiles Handling gleichermaßen.

Urs One gegen Urs four im Praxistest

Kommen wir also zur Praxis: Natürlich ist das teure URS One leichter als das Four. Nur 8,2 kg (M) zeigte die RB-Waage an, wenig für ein Gravelbike mit fetten 42-mm-Reifen. Zwar leidet auch der günstige Bruder mit 9,2 kg nicht eben an Übergewicht, der Unterschied ist auf der Piste dennoch spürbar, wenn auch nicht dramatisch. Vor allem die leichten Hochprofillaufräder am One machen sich beim Beschleunigen und Klettern bemerkbar, fahrfertig bereift wiegen sie mit Scheiben und Kassette nur 3,3 kg (Four: 3,9 kg).

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Die Sram Eagle AXS Schaltung bietet eine beeindruckende Bandbreite.

Weiteren erfahrbaren Mehrwert bringt die elektronische Funkschaltung mit dem zusätzlichem 12. Ritzel und ihrer gewaltigen Übersetzungsbandbreite, knackige Schaltvorgänge auf Knopfdruck inklusive. Selbst steilste Anstiege erklimmt der URS-One-Fahrer so spielerisch, auch beim Tempobolzen auf der Straße hat er die besseren Karten.

Der URS-Four-Pilot muss bei jedem Antritt 600 g mehr rotierende Masse beschleunigen, dabei mit elf Gängen und weniger Bandbreite auskommen. Wer viel allein fährt, arrangiert sich damit, wer häufig in der Gruppe unterwegs ist, vermisst schon mal den passenden Gang. Das kann allerdings auch dem One-Eigner passieren, denn die Gangsprünge sind wegen der größeren Spreizung auch hier nicht ohne. Eine Modellvariante mit Zweifachkurbel bietet BMC übrigens nicht an.

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Die WTB-Reifen bieten ordentlich Grip.

Ganz objektiv betrachtet, marschieren beide Brüder ab dem ersten Pedaltritt ambitioniert nach vorn, gehen problemlos hohes Tempo auf der Straße mit – trotz der 42 mm breiten WTB-Reifen, die gut rollen. Das One hat immer leicht die Nase vorn, ohne sich klar absetzen zu können. Empfindliche Naturen bemerken auf Asphalt bei beiden ein zartes Wippen am gefederten Heck, das offroad allerdings seine ganze Klasse ausspielt: direkt, gut kontrollierbar und mit erstklassiger Traktion pflügen beide URSe durchs Gelände, hämmern über Trails, lassen sich spielerisch um enge Kurse dirigieren und vermitteln viel Sicherheit – nicht zuletzt dank großer 180er-Discs vorn. Der besser dämpfende Carbon-Lenker des One schont den Fahrer dabei etwas mehr und passt besser zum komfortablen Heck.

Fazit: Sieger nach Punkten: das URS One, keine Frage. Doch der "kleine" Bruder Four schlägt sich wacker, bietet Fahrspaß pur, beweist sich so als liebenswerter Underdog. Und selbst wenn eine Apex-Gruppe an einem 3000-Euro-Rad nicht ganz standesgemäß erscheint – sie funktioniert gut. Und mancher Gravel-Abenteurer setzt vielleicht sogar lieber auf Mechanik als auf eine Elektro-Schaltung.

URS One

Urs One
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Preis/Vertrieb 8999 Euro/Fachhandel
Gewicht 8,2 kg (Komplettgewicht, ohne Pedale)
Rahmenmaterial Carbon
Größe S/M/L/XL
Schaltgruppe Red AXS Eagle, 10–50
Kurbelsatz Sram Red 1 AXS, 38T
Bremse Sram Red Etap AXS (180/160)
Laufräder DT Swiss GRC 1400 Spline
Reifen WTB Resolute, 42 mm
Vorbau/Lenker BMC ICS 01/Easton EC70 AX
Sattel/Stütze WTB SL8 Team 142/URS

Vortrieb:

Komfort:

Asphalt:

Schotter:

Schlamm:

URS Four

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Vortrieb:

Komfort:

Asphalt:

Schotter:

Schlamm:

Die Geometrie der beiden Modelle ist identisch:

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