RB Superleicht-Renner Teaserbild
RB 1109 BMC Teammachine SLR01 - Sattelstütze
RB 1109 BMC Teammachine SLR01 - Sitzstreben
RB 1109 Canyon Ultimate CF SLX Ete 201
RB 1109 Canyon Ultimate CF SLX Ete 201 - Tretlager 36 Bilder

Die leichtesten Renner der Welt im Test: Zwölf Modelle unter 6,8 Kilo

Verboten leicht

Die UCI würde Profis auf diesen ­Rädern die rote Kelle zeigen. Zu leicht! Hobbyfahrer aber dürfen weiterfahren.

Das Gewicht des Fahrrades kann nicht geringer sein als 6,8 Kilogramm.“ Punkt, aus, und Ende der Diskussion. Das Regelwerk des Fahrrad-Weltverbandes UCI verliert wenig Worte zu einem Thema, das Jahr für Jahr ­immer hitziger diskutiert wird.

Seit Januar 2000 gibt es die Bestimmung zum Minimalgewicht für Rennräder im Wettkampf, und seitdem ignoriert der Weltverband beharrlich den technischen Fortschritt des neuen Jahrtausends. Doch während die 6,8-Kilo-Marke eher willkürlich festgelegt wurde – angeblich soll das Rad, auf dem Marco Pantani 1998 die Tour gewann, als Maßstab gedient haben –, gründet sich die Regel auf die konkrete Beobachtung, dass sich der Radsport durch die rasante technische Entwicklung von seiner Tradition entfernte.

Die Funktionäre hatten Angst vor den möglichen Risiken gewagter Konstruktionen, dass in Zukunft die Leistung mehr von Maschinen als vom Menschen abhängen würden, und dass aufgrund der enor­men Kosten, die diese Materialschlacht seinerzeit verursachte, die Chancengleichheit nicht mehr gegeben sein könnte.

Legaler Leichtbau

An dieser Sicht hat sich bis heute nichts geändert, doch aufhalten konnte sie die Entwicklung nicht: Mussten sich die Hersteller vor ein paar Jahren noch mächtig anstrengen, um ihre Top-Modelle mit steifen, haltbaren Rahmen und Serienteilen auf unter 6,8 Kilo zu bringen, ist es heute für einige Profi-Ausrüster die größere ­Herausforderung, das Serienrad mit Gewichten und ­allerlei Tricks schwer genug für den Wettkampf zu machen.

Ein Problem, das ambitionierte Hobbysportler nicht zu belasten braucht. Sie können – das nötige Budget vorausgesetzt – in der kommenden Saison aus etlichen Ultraleicht-Rädern wählen und sich freuen, dass sie den Profis technisch überlegen sind. RoadBIKE wollte wissen, was diese Raketen wirklich können und hat zum großen Test geladen.

Die einzigen Voraussetzungen: Das komplette Paket muss in dieser Variante erhältlich sein und weniger als 6,8 Kilo wiegen, selbst wenn man Pedale dazurechnet. Keine Prototypen und keine „fremden“ Teile, die nicht ins Programm gehören. Das Ergebnis: 12 Räder im Gesamtwert von fast 80 000 Euro. Traumrenner, bei denen sogar Profis den „Haben-will-Blick“ bekommen.

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Die Rennräder in diesem Test:

RB 1109 BMC Teammachine SLR01
Rennrad-Tests
RB 1109 Canyon Ultimate CF SLX Ete 201
Rennrad-Tests
RB 1109 Cervélo R3 SL
Rennrad-Tests
RB 1109 Cube Litening Super HPC Race
Rennrad-Tests
RB 1109 Focus Izalco Team Milram
Rennrad-Tests
RB 1109 Haibike Affair RX
Rennrad-Tests
RB 1109 Lapierre Xelius 900
Rennrad-Tests
RB 1109 Red Bull Carbon X-Lite 8800
Rennrad-Tests
RB 1109 Scott Addict R1
Rennrad-Tests
RB 1109 Simplon Pavo Red
Rennrad-Tests
RB 1109 Storck Fascenario 0.7 IS
Rennrad-Tests
RB 1109 Trek Madone 6.9 Pro
Rennrad-Tests

Gewichtskontrolle: Was die Testräder wirklich wiegen

Zwölf neue Superleicht-Renner im Test - mit Detailbildern

RB 1109 BMC Teammachine SLR01
RB 1109 BMC Teammachine SLR01 RB 1109 BMC Teammachine SLR01 - Sattelstütze RB 1109 BMC Teammachine SLR01 - Sitzstreben RB 1109 Canyon Ultimate CF SLX Ete 201 36 Bilder

Da RoadBIKE die Rädergewichte ohne Pedale angibt (das gilt auch für die Angaben in diesem Test), mussten die Kandidaten so leicht sein, dass noch Luft für das Pedalgewicht gewesen wäre (rund 150 Gramm). Auch mit dieser ­Extralast hätten alle Testräder die Vorgabe erfüllt, doch es gab deutliche Unterschiede zwischen den Modellen. Während das Canyon Ultimate CF SLX Ete 201 nur 5850 Gramm wiegt, kommt das „schwerste“ Rad im Test, das Lapierre Xelius 900, auf 6640 Gramm.

Absolut zwar super leicht, doch um ein Haar zu schwer für das Testfeld. Woher die gro­ßen Unterschiede kommen, wird deutlich, wenn man sich die einzelnen Bestandteile ansieht: Vor allem das Set aus Rahmen, Gabel und Steuersatz, die Schaltgruppe und die Laufräder samt Bereifung.

Die Rahmen sind im Modelljahr 2010 zum Teil noch einmal leichter geworden, und das bei, bis auf wenige Ausnahmen, guten bis sehr guten Steifigkeits- und Komfortwerten. Neun von zwölf Kandidaten knacken die ehemals magische 1-Kilo-Marke.

Die leichtesten Modelle wie das Cervélo R3 SL und das Storck Fascenario 0.7 IS bleiben sogar unter 900 Gramm, doch ­damit scheint die Grenze für gleichzeitig ­steife und haltbare Konstruktionen in der ­Diamant-Form auch erreicht zu sein. „Viel geht da nicht mehr“, lautet die einhellige Meinung der Konstrukteure.

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Die Parts im Detail

Zwölf neue Superleicht-Renner im Test - mit Detailbildern

RB 1109 BMC Teammachine SLR01
RB 1109 BMC Teammachine SLR01 RB 1109 BMC Teammachine SLR01 - Sattelstütze RB 1109 BMC Teammachine SLR01 - Sitzstreben RB 1109 Canyon Ultimate CF SLX Ete 201 36 Bilder

Da diese drei Elemente immer häufiger gemeinsam konstruiert und in ihren Maßen und Formen genau aufeinander abgestimmt werden, bleibt das Set-Gewicht die einzige einigermaßen vergleichbare Größe. Was es bringt, auch auf das Gewicht der Gabel und Lager zu achten, zeigt Storck mit dem Fascenario 0.7 IS.

Mit einem Set-Gewicht von 1248 Gramm unterbietet es die Konkurrenz zum Teil um mehrere hundert Gramm. Und auch das Scott Addict, seit Jahren eine echte Hausnummer unter den Leichtgewichten, beeindruckt mit einem spektakulären Set-Wert: 1307 Gramm, und das mit integrierter Sattelstütze!

Die zweite Größe, die das Gesamtgewicht eines Rennrades entscheidend beeinflussen kann, ist die Schaltgruppe. Doch weil an Rädern zwischen rund 5000 und 11 000 Euro nur Top-Material verbaut wird, gibt es zumindest in diesem Testfeld keine extremen Unterschiede. Da die Antwort auf die Frage nach Campagnolo, Shimano oder Sram aber immerhin 100 Gramm mehr oder weniger bedeuten kann, lohnt auch hier ein prüfender Blick.

Nicht alle holen gewichtsmäßig das Maximum heraus, indem sie mit der Sram Red die leichteste Gruppe auf dem Markt montieren. Drei Testräder waren mit Campagnolos Super Record bestückt, vier mit ­Shimanos Dura-Ace und fünf mit der ­Gewicht sparenden Sram Red.

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Genauer angeschaut: die Laufräder

Zwölf neue Superleicht-Renner im Test - mit Detailbildern

RB 1109 BMC Teammachine SLR01
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Wer bei Rennern unter dem UCI-Limit reflexartig Carbonlaufräder vermutet, liegt nur zum Teil richtig. Immerhin ein Drittel der Kandidaten verbaut Alu-Laufräder (Cervélo und Scott) oder Kombinationen aus Alu und Carbon (La­pierre und Simplon). Dass dies kein Nachteil sein muss, zeigen die R-Sys-Laufräder im Simplon.

Der komplette Satz mit Reifen, Schläuchen und Kassette wiegt nur 2186 Gramm und damit weniger als die Carbonlaufräder im BMC, im Haibike und im Storck (alle über 2300 Gramm). Und: Während alle Aluminium-Modelle – bis auf das Vorderrad im Cervélo – ausreichend steif sind, gibt es bei fünf von acht Carbonmodellen zum Teil massive Steifigkeitsprobleme am Hinterrad.

Hier schießen die betroffenen Hersteller mit ihrer Materialwahl ein echtes Eigentor, denn die Nachgiebigkeit der Hinterräder wirkt sich in der Praxis negativ auf den Vortrieb aus, was alle Tester im Protokoll vermerkten. Das ist ärgerlich, weil die Tretlagersteifigkeiten überzeugen und damit die Voraussetzungen für tollen Vortrieb liefern.

Dass ein Carbonlaufrad einem Rad auch gut tun kann, zeigen Canyon, Cube und Focus mit ihren Lightweight-Standards. Für überragende Satzgewichte ­unter 2000 Gramm und die besten Steifigkeitswerte im Test gibt es Top-Noten und reichlich Lob von den Testern nach den Ausfahrten. Doch bei aller Anerkennung sollte der Freizeitfahrer nicht vergessen, dass es sich hierbei um Wettkampfmaterial mit Nachteilen im Alltag handelt und bei einer Panne kein Materialwagen anhalten wird.

Überhaupt hinterließen im Praxistest, bis auf ein paar Einschränkungen bei den Lenkkopf- und den angesprochenen Laufradsteifigkeiten, alle Kandidaten einen guten bis überwältigenden Eindruck.

Dazu tragen die niedrigen Gewichte bei, die den Rennern zu einem leichtfüßigen Auftritt verhelfen, sowie stimmige Geometrien, Top-Reifen und High-End-Teile bei Lenkern und Vorbauten. Traumräder eben – verboten leicht, verboten teuer, aber auch verboten gut.

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RoadBIKE Messlabor: Die Gewichte der getesteten Rennräder im Detail

Zwölf neue Superleicht-Renner im Test - mit Detailbildern

RB 1109 BMC Teammachine SLR01
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Gewichtscheck

Beim Gesamtgewicht bringen absolut gesehen alle Kandidaten einen tollen Wert auf die Waage. Im Vergleich miteinander werden aber deutliche Unterschiede sichtbar.

Canyon gewinnt die Wertung knapp vor Trek, aber mit zum Teil großem Abstand zum Rest des Feldes. Den leichtesten Rahmen macht Cervélo, dicht gefolgt von Storck und Scott, und bei der Gabel bringen ebenfalls letztere die besten Werte. Mit 288 Gramm legt Storck hier eine Marke vor, die nur schwer zu toppen sein dürfte. Die leichtesten Laufradsätze sind die Lightweights im Canyon, „schwer“ wiegen die HEDs im Cervélo.

RB 1109 Superleicht Renner - Gewichte im Vergleich

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RoadBIKE Messlabor: Die Steifigkeiten der getesteten Rennräder im Detail