RB Rennräder der Oberklasse Teaserbild Tino Pohlmann
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Neun Rennräder der Oberklasse im Test

Upper Class

Sie sind edel, sie sind schön, sie sind teuer: Was haben die Rennräder der Edelmarken sonst noch zu bieten, und werden sie ihrem guten Ruf gerecht?

Es war schon immer etwas teurer, ­einen besonderen Geschmack zu haben. Dieser – zugegeben versnobte – Spruch der gesellschaftlichen Oberklasse hat für manchen Rennradbegeisterten eine schmerzhafte Bedeutung. Zumindest für diejenigen, die nicht einfach irgendein Modell, sondern etwas Besonderes, etwas Schönes, etwas Emotionales fahren möchten. Denn die neun Rennräder der Oberklasse in diesem Test haben ihren Preis: Die Summen von 4000 Euro und mehr reißen ein großes Loch ins persönliche Budget.

Doch die Namen der neun Hersteller verleiten viele Rennrad-Enthusiasten trotzdem zu dieser Investition: Bianchi, Cervelo, Endorfin, Lapierre, Orbea, Ridley, Rotwild, Storck und Time. Sie alle umgibt eine starke Aura; entweder großer Radsporttradition oder innovativer, fortschrittlicher Technik.

Gegen preisaggressive Marken oder gar Versender-Renner würden alle Räder in diesem Test schlecht aussehen. Egal, denn in der Oberklasse kommt es nicht darauf an, über die Ausstattung oder ein paar hundert Euro mehr oder weniger zu punkten. Hochwertige, in der Regel wettkampftaugliche Schaltgruppen und Anbauteile sind in diesem Segment selbstverständlich. Sie wurden zwar in der Punktewertung zu diesem Test wie üblich berücksichtigt, sollen aber nicht im Fokus der Betrachtungen stehen. Worauf es bei diesen Rädern wirklich ankommt ist ihre Basis – der Rahmen.

Die Frage, die sich eigentlich stellt, ist: Werden Qualität und Innovationen, die man für diese Summen erwarten darf, auch immer geliefert? Werden die Hersteller ihrem Image wirklich gerecht? Nicht alle, wie die Resultate der aufwendigen Messungen zeigen, mit der RoadBIKE jeden Radtest flankiert. Doch die Ausrutscher waren die Ausnahme. Sechs der neun Renner überzeugten – sowohl bei den Tests im Labor als auch in der Praxis.

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Die Rennräder in diesem Test

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So schnitten die neun Räder im Test ab

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RB 0808 Bianchi 928 Carbon SL - Bike PS_Best of Jens Klatt RB 0808 Cervelo R3 Ultegra SL - Bike PS_Best of Jens Klatt 18 Bilder

Im Test zeigen sie, warum. Ihre satten Rahmensteifigkeiten bedeuten auf der Straße knackige Fahrleistungen: Lenkkopfsteifigkeiten um die 100 Nm/° erlauben messerscharfe Lenkmanöver – egal wie schwer der Pilot ist. Auch Endorfin, Lapierre, und Time fahren hier ganz vorne mit, im Testfeld wie auch im absoluten Vergleich der besten Rahmen am Markt. Gleiches gilt auch für die Beschleunigung und den Vortrieb. Die Werte der Tretlagersteifigkeiten liegen um die 100 N/mm und haben sich in der Praxis als für jedes Fahrergewicht und jeden noch so starken Antritt ausreichend erwiesen. Fast alle Rahmen lagen auch hier im Soll und glänzten bei den Praxistests daher mit einem Anzug, den man sich von diesen Sportskanonen auch erwünscht.

Die Rahmen von Bianchi und Orbea in diesem Test verdienen sich allerdings kein Lob für ihre Konstruktion. Zumindest den ambitionierten, antrittsstarken Testern gaben sie Anlass zur Kritik. Beiden Modellen wurden spürbare Schwächen im Tretlager ins Protokoll geschrieben. Die Werte aus dem RoadBIKE-Labor, die zur Überprüfung herangezogen werden, bestätigten diese Fahreindrücke.
Auch bei der Lenkkopfsteifigkeit bleiben diese Rahmen hinter dem von RoadBIKE definierten Mindestwert von 80 Nm/° und damit auch weit hinter der Konkurrenz zurück. Zwar bedeutet das kein Risiko, denn die Renner schaukelten sich auf der schnellen Abfahrt der Testrunde mit unruhigem Untergrund nicht gefährlich auf. Wer aber den Luxus genießt, solch einen Rahmen direkt mit einem deutlich steiferen und damit fahrstabileren vergleichen zu können, spürt deutliche Unterschiede in der Präzision bei schnellen Richtungsänderungen und der Spritzigkeit bei satten Antritten.

Gemessen daran, was Carbon zu leisten vermag, erreichen beide Rahmen nur befriedigende Ergebnisse. Bei Bianchi lässt sich auch klar der Grenzbereich ablesen, in dem sich der 912 Gramm schwere Rahmen bewegt. „Weniger Gewicht bedeutet weniger Material, da wird es immer schwieriger, einen wirklich guten Rahmen zu bauen“, sagt RoadBIKE-Techniker Haider Knall.
Was dagegen alles mit dem schwarzen Werkstoff möglich ist, zeigt Cervelo mit dem R3 eindrucksvoll. Der nur 935 Gramm schwere Rahmen erzielt neben sehr guten Steifigkeitswerten auch einen hervorragenden Wert bei der Komfortmessung, welche die Federrate in vertikaler Richtung abbildet. Mit dieser „vertical compliance“ markiert das Cervelo den aktuell wichtigsten Entwicklungsschritt zeitgemäßer Kohlefaser-Rahmen. Nur leicht und steif allein ist längst nicht mehr das Maß der Dinge, zumal hier bald physikalische Grenzen erreicht sind, was viele Rahmenentwickler bestätigen. Ein moderner Rahmen muss an den richtigen Stellen nachgeben – und liegt so klar vor jedem noch so steifen Leichtbauwunder. Besonders Viel- und Tourerfahrer wissen diese neuen Qualitäten sofort zu schätzen. Aber selbst Profis wie Jens Voigt und seine Kollegen vom Team CSC profitieren auf dem R3 davon.

Die wohl erfreulichste Tendenz in diesem Testfeld sind daher die erhobenen Daten aus der Komfortmessung. Nur Rotwild, Storck und Time liegen hier unter dem Mindestwert, den RoadBIKE per Datarecording und umfangreichen Praxistests als spürbar komfortabel definiert hat. Alle anderen Rahmen erreichen zumindest Werte, die in der Praxis keine unangenehme Härte bedeuten. Neben Cervelo verdienten sich Lapierre und Ridley in den Fahrtests ein großes Lob für ihre spürbare Dämpfung. Das zeigt, dass diese Entwickler den Trend zu mehr Komfort erkannt haben und auch gekonnt umsetzen. Hoffentlich werden schnell weitere Hersteller folgen.

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Wichtig: Steife Laufräder

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Darum misst RoadBIKE immer auch die Laufradsätze der Testräder. Hier leistet sich Cervelo mit einem zumindest für schwere Fahrer zu weichen Vorderrad einen Patzer und verspielt damit sogar den Kauftipp.
Auch sonst erreichen die meisten Vorderräder gerade mal solche Werte, die mit den steifen Lenkköpfen der Rahmen harmonieren, in denen sie stecken. Hier lohnt also unbedingt der Blick auf die erhobenen Daten der Laufräder, die RoadBIKE stets neben den Rahmenmesswerten abdruckt. Wirklich gut schlagen sich hier nur die Fulcrum-Räder im Endorfin, sie verhelfen dem auch sonst überzeugenden Renner zu einem Kauftipp. Ordentliche Steifigkeiten weisen auch die Räder im Ridley und im sehr ausgewogenen Lapierre auf.

Auch viele Hinterräder sind in diesem Testfeld der Schwachpunkt in der Paarung mit den meist sehr steifen Rahmen. So eignen sich die Mon-Chasseral-Räder von DT Swiss im Time und Rotwild nur für sehr leichte Fahrer. Denn sie verspielen sonst gleich wieder die Tretlagerstärke, die die Entwickler durch gezielten Einsatz des wertvollen Carbons teuer erkauft haben.

Nur im Cervelo, Endorfin, Lapierre und Ridley bilden die Hinterräder mit den stabilen Rahmen eine echte Einheit. Alle anderen Paarungen bieten kräftigeren Fahrer nicht optimale Ergebnisse, setzen einen Teil der mit jeder Pedalumdrehung eingeleiteten Energie in Verwindung statt Vortrieb um.

In den Fahrtests zeigen die Rennräder ihren teils sehr ausgeprägten Charakter. Gut so, denn Durchschnitt und Mittelmaß gibt es schon genug. Mit seinen giftigen Fahreigenschaften schlägt das Rotwild einen extremen Weg ein: Rennfahrer auf wendigen Kriteriumskursen sind begeistert, Langstreckenfahrer lassen davon gleich die Finger. Sie lassen sich begeistern von der Laufruhe und der ausgewogenen Lenkung der Renner von Lapierre, Endorfin oder Time. Ein deutlicher Vorwärtsdrang ist allen gemein – und damit setzen sie sich klar von der Masse ab. Genau das also, was man von ihnen auch erwartet.

Fazit:
Ein besonderer Geschmack ist in der Tat etwas teurer; angesichts der tollen Räder im Test lohnt sich die Investition aber. Den Testsieg holt sich das traumhaft ausgewogene Lapierre mit dem ausgeprägten Vorwärtsdrang, spürbarem Komfort und edler Ausstattung. Ein echter Spitzensportler für alle Gelegenheiten. Ähnlich vielseitig, ebenfalls uneingeschränkt sportlich und schön aufgebaut, erhält das Endorfin einen klaren Kauftipp. Auch die anderen vier „sehr guten“ Renner begeistern.

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RoadBIKE Messlabor: Die Gewichte der getesteten Rennräder im Deteil

Gewichtsschwankungen

Die Unterschiede zwischen den Testrädern fallen auf der Waage unerwartet groß aus. 1210 Gramm trennen das leichteste Rad, den Testsieger von Lapierre, und das Schlusslicht von Ridley beim Gesamtgewicht. Das ist ein gewaltiger Batzen. Bei Ridley trägt der Rahmen mit strammen 1,5 Kilo einen Großteil zum Übergewicht bei. Hier bleiben drei Hersteller unter der Ein-Kilo-Marke, weitere drei liegen bei rund 1100 Gramm. Ein Wert, der in diesem Testfeld Standard sein sollte. Rotwild und Time schicken eigentlich zu schwere Rahmen ins Rennen, beide machen das mit satten Steifigkeiten aber wieder wett.

RB 0808 Baukasten-Bikes - Gewichte

RoadBIKE Messlabor: Die Steifigkeiten im Detail

Unter Wert

Etwas überrascht waren die Techniker und Tester schon, als sie die Messwerte aus dem RoadBIKE-Prüflabor vor sich hatten. Die Rahmen von Bianchi und Orbea bleiben bei den Steifigkeiten unter den Mindestwerten, die RoadBIKE als für jedes Fahrergewicht problemlos fahrbar einstuft. Zwei von neun Rahmen in dieser teuren Preisklasse, damit hätte wohl kaum jemand gerechnet. Dass beide bei der Komfortmessung im „grünen Bereich“ landen, überrascht angesichts der weichen Tretlager nicht wirklich, da diese bei der Messung entsprechend zur Seite ausweichen. Hier setzt Cervelo mit dem R3 einen absoluten Spitzenwert – und bestätigt damit, was dem Rahmen oft nachgesagt wird: Er ist in einem unglaublich hohen Maße komfortabel. Trotzdem erreicht er auch sehr gute Steifigkeitswerte, und das alles bei einem Gewicht unter einem Kilo. Eine beeindruckende Ingenieurleistung, die die Möglichkeiten des Werkstoffs Carbon in allen Facetten aufzeigt. Bei den Steifigkeiten leistet sich außer den beiden eingangs erwähnten kein Hersteller einen Patzer, die Messwerte liegen auf einem sehr guten bis überragenden Niveau – was die recht hohen Preise dieser Räder rechtfertigt. Trotzdem bleiben die Rahmen einigermaßen komfortabel, nur Rotwild, Storck und Time erreichen bei der Komfortmessung eher schwache Werte.

RB 1108 Top-Rennräder Steifigkeiten - Tretlagersteifigkeit
RB 1108 Top-Rennräder Steifigkeiten - Lenkkopfsteifigkeit
RB 1108 Top-Rennräder Steifigkeiten - Kompfort
RB 0808 Oberklasse-Renner Steifigkeiten 2
RB 0808 Oberklasse-Renner Steifigkeiten 3

Solide Werte

Die Laufradsätze in den Testrädern erzielen in der Mehrzahl gute Ergebnisse. Herausragend sind die Fulcrum-Räder im Endorfin und Ridley. Auch die Mavic-Räder im Testsieger von Lapierre erreichen sehr solide Werte, vor allem gemessen an ihrem niedrigen Gewicht. Noch mal leichter, dafür aber nicht für schwere und kräftige Fahrer geeignet: die Hinterräder des Mon Chasseral von DT Swiss im Rotwild und Time.

RB 0808 Baukasten-Bikes - Laufradsteifigkeit

Kommentar: Der Name verpflichtet

Die Freude war groß unter den RoadBIKE-Testern. Nur echte „Sahnehäubchen“ im Test. Auch die RB Leser fragen oft nach den großen Namen: Cervelo, Orbea und die Italiener stehen bei Rennradbegeisterten hoch im Kurs. Gern ist man bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen – erwartet dafür aber auch herausragende Räder. Das Gros der Testräder erfüllt alle Erwartungen und macht einfach riesigen Spaß. Doch Ausrutscher wie das miserabel montierte Orbea oder der schwere Rahmen des Ridley beweisen: Teuer bedeutet nicht automatisch gut, nicht alle Hersteller fühlen sich ihrem großen Namen verpflichtet. Schade, lebt die Faszination Rennrad doch gerade von ihnen.

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Felix Böhlken

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