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Test: Trek Madone SLR 9 (2021)

Test: Trek Madone SLR 9 Das Trek Madone SLR 9 im Einzeltest

Aufreizend anders. Aufregend schnell. Und sündhaft teuer. Treks Madone SLR ist ein echtes Traumrad – mit ungeahnten Talenten. ROADBIKE hat das Aero-Rennrad getestet.

 herausragender Vortrieb

 anpassbarer Komfort am Heck

 komplett individualisierbar

 Gesamtgewicht

Ein Rad für Weltmeister: Als Außenseiter sprintete Mads Pedersen 2019 in Yorkshire auf Treks Madone SLR zu seinem Titelgewinn und und sammelte seither auf seinem Arbeitsgerät drei weitere Siege, darunter beim belgischen Klassiker Gent–Wevelgem. Für die neue Saison haben die US-Amerikaner von Trek dem Renner ein gründliches Update verpasst.

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Neuheiten

Schnell war das Madone schon immer, wie es unter anderem in unserem Aero-Rennertest im Windkanal unter Beweis stellen konnte. Nun ist es Trek gelungen, auch das Gesamtgewicht deutlich zu drücken – und damit einen der bisherigen Schwachpunkte auszumerzen. Ganze 450 Gramm soll das 2021er-Madone im Vergleich zum Vorgänger abgespeckt haben – ohne Abstriche in Sachen Aerodynamik wie der Hersteller betont.

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Im neuen VR-CF-Cockpit sind alle Leitungen und ggf. Züge voll integriert.

Die Gewichtsersparnis ist laut Trek unter anderem dem neuen Lay-up des "800 Series OCLV"- Carbons zu verdanken, das zudem 30% mehr Festigkeit garantieren soll als das bisherige. Stark belastete Rahmenbereiche kommen so mit weniger Material aus, was den Rahmen insgesamt leichter macht. Über die Hälfte der eingesparten 450 Gramm gehen allerdings aufs Konto der Aeolus-Carbon-Laufräder und des Aero-Cockpits der Trek-Tochter Bontrager.

Die ROADBIKE-Waage zeigte für das Madone SLR 9 in Top-Ausstattung mit Sram Red eTap 7,9kg an. Damit muss sich das Madone trotz Schlankheitskur zwar hinter den direkten Rivalen im Profi-Peloton einreihen – etwa Canyons Aeroad (7,5 kg) oder Specializeds S-Works Tarmac SL7 (6,8 kg) –, ein Teil des Gewichts verantwortet aber auch die aufwendige Lackierung: Dank Treks "Project One" lassen sich Rad und Rahmen nach eigenen Vorlieben gestalten (siehe Kasten Folgeseite). Die Lackierung schließt dabei sowohl Sitzdom als auch Sattelstütze ein. Das sieht toll aus, ist aber empfindlich: Die Stütze wird über zwei 5er-Inbusschrauben in einem engen Schlitz im Sitzdom geklemmt, daher besteht die Gefahr, den teuren Lack an dieser Stelle zu zerkratzen. Tipp: Die Kanten mit etwas Isolierband abkleben.

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Der hohe Sitzdom und die Sattelstütze sind ebenfalls in Wunschfarbe lackiert.

Ebenfalls wichtig zu wissen: Für das Madone SLR gibt es zwei verschiedene Sattelstützen. Die kürzere (bis Sitzhöhe 76 cm) wird bis Rahmengröße 56 standardmäßig montiert, die längere kommt ab dem 58er-Rahmen zum Einsatz.

Zu den großen Pluspunkten des Madone zählt das IsoSpeed-Gelenk, das Sitz- und Oberrohr verbindet und es erlaubt, den Komfort am Heck individuell anzupassen – ein Effekt, der sich im Wortsinn erfahren lässt, aber natürlich auch ein paar Gramm Mehrgewicht bedeutet. Im Gegenzug glänzt das Madone mit einem für Aero-Renner herausragenden Komfort – und ist so der perfekte Begleiter auf langen Fluchten allein gegen den Wind.

Aero-Renner-Test 2020
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Auf der Straße zieht das Madone SLR seinen Fahrer aber nicht nur deshalb in seinen Bann, auch die ausgesprochen sportliche "H1,5"-Geometrie trägt ihren Teil dazu bei. Der Pilot sitzt aerodynamisch tief, gestreckt und somit perfekt passend zum Aero-Anspruch dieses Boliden, der von seinem Fahrer nur eines fordert: Tempo! Kein Wunder, dass der seinem Renner vom Start weg die Sporen gibt, um ihn auf Topspeed zu bringen – das steife Tretlager, die agilen Laufräder und die gut rollenden Bontrager-R4-Reifen unterstützen dabei höchst effektiv. Ist die Reisegeschwindigkeit einmal erreicht, lässt sich der Temporausch in vollen Zügen auskosten. Flächige Rohrprofile und hohe Laufräder liefern den motivierenden Soundtrack, nur fliegen ist schöner.

Dennoch ist dieser Aero-Bolide alles andere als ein stoischer Gleiter, dank eher kurzem Radstand bleibt er ausreichend agil, geht geschmeidig ums Eck und auch auf schnellen Abfahrten kommt keinerlei Unruhe auf. Kurz: Wer es mit dem neuen Madone nicht schafft, Anschluss zur Spitzengruppe zu halten, sollte es definitiv nicht dem Rad anlasten...

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Das Madone ist in zwei Rahmenvarianten SL und SLR erhältlich. Den Top-Rahmen gibt’s im SLR 6 mit mechanischer Shimano Ultegra und Bontrager-Aeolus-Pro-5-Laufrädern ab 6920 Euro. Mit elektronischer Ultegra Di2 kostet es als Madone SLR 7 ab 8284 Euro. Den Einstieg in Treks Aero-Flotte markiert das Madone SL 6 mit mechanischer Ultegra für 4580 Euro.

Trek Madone SLR 9

Preis/Vertrieb 13256 Euro/Fachhandel
Gewicht (Komplettrad ohne Pedale/Rahmen/ Steckachse v +h/Gabel) 7,9 kg/1283 g/30 + 40 g/500 g
Rahmenmaterial Carbon
Größe 47/50/52/54/56/58/60/62
Schaltgruppe Sram Red eTap AXS, 10–33
Kurbelsatz Sram Red eTap AXS, 48/35
Bremse Sram Red eTap AXS, 160/160
Laufräder Bontrager Aeolus XXX 6
Reifen Bontrager R4 320, 25 mm
Vorbau/Lenker Trek Madone VR-CF
Sattel/Stütze Bontrager/Madone

Fazit: Treks neues Madone SLR ist eines Weltmeisters würdig, ein Rad wie gemacht für den Temporausch! Ausgestattet auf Top-Niveau, fährt es sich zudem ausgesprochen komfortabel. Der umfangreiche Konfigurator dürfte für solvente Individualisten, die nicht aufs letzte Gramm schielen, das Sahnehäubchen "on top" sein.

Project One

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Die Lackierung Icon/Holographic Diamond Flake gibt’s nur im Konfigurator.

Treks Custom-Bike-Programm "Project One" erlaubt es, viele Details an den Rädern ganz nach individuellen Wünschen zu gestalten. Dies ist in der Regel bei den SLR-Modellen von Madone, Émonda und Domane möglich. Am sichtbarsten ist natürlich die Möglichkeit, sich das Rahmendesign aus unzähligen Farbvarianten zusammenzustellen. Aber auch einzelne Komponenten von Schaltung, Laufrädern oder Sättel lassen sich konfigurieren. Die Räder werden dann in der Trek-Zentrale in Wisconsin lackiert. Die Mehrkosten für die individuelle Lackierung: bis zu 1200 Euro, abhängig vom Aufwand.

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