RB 0613 Disc-Rennräder Teaserbild Daniel Geiger
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RB Canva Update Scheibenbremse 2014 auf 2015 13 Bilder

Rennräder mit Scheibenbremsen: Vier Modelle im Test

Im Test: 4 Rennräder mit Scheibenbremsen

Die Disc-Rennräder kommen! RoadBIKE klärt die Frage, ob und für wen sich Rennräder mit Scheibenbremsen empfehlen. Außerdem: Vier Modelle im Test.

Update: 15 aktuelle Rennräder mit Scheibenbremse im Test

Vor rund 2 Jahren wurde das Thema Scheibenbremse am Rennrad erstmals intensiver diskutiert, ausgelöst durch die UCI-Freigabe der Discs bei Querfeldeinrennen. Auf der Eurobike 2012 waren bereits einige Straßen-Rennräder mit Scheibenbremsen zu sehen, jetzt stehen sie in den Läden. Und mit Sram präsentierte jüngst der erste große Komponentenhersteller hydraulische Rennrad-Scheibenbremsen.

Bei Shimano erlauben die elektronischen Schaltungen theoretisch eine einfachere Integration der Hydraulik in die Brems-/Schalthebel – es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die Japaner entsprechende Modelle präsentieren.

Zeit für Innovationen

Kontroverse Diskussionen über Sinn und Unsinn der neuen Bremsentechnik werden in der Rennrad-Gemeinde garantiert stattfinden, ganz ähnlich wie bei der Einführung elektronischer Schaltsysteme. Fest steht: Das bei Mountainbikes seit über 10 Jahren bewährte System bedeutet auch für Rennräder einen Schritt nach vorn – und bringt viele Veränderungen mit sich. Doch braucht es sie wirklich?

RoadBIKE hat einige der ersten Disc-Rennräder getestet, um den Innovationsgehalt und die damit einhergehenden technischen Änderungen zu bewerten – und zu erklären. Allerdings stellten nur 4 Anbieter Testräder zur Verfügung. Einige interessante Carbon-Modelle, etwa von Bulls oder Silverback, waren noch nicht verfügbar. Colnago wollte kein Testrad liefern.

Alle Räder im Test waren noch mit mechanischen Systemen ausgestattet (Volagi mit Hydraulikkonverter), bei denen – wie bei der guten alten Rennrad-Felgenbremse – Seilzüge die Bremsbefehle des Fahrers übertragen.

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Das sind die neuen Rennräder mit Scheibenbremse: 2014 wird's Rund!

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RB 1013 Eurobike Beileger Cannondale Synapse Hi-Mod Disc RB-Eurobike-2013-Hohl-Scheibenbremse-Pinarello-Dogma-Disc-IMGP9534 (jpg) RB-Eurobike-2013-Hohl-Scheibenbremse-Pinarello-Dogma-Disc-IMGP9536 (jpg) RB-Eurobike-2013-Hohl-Scheibenbremse-Pinarello-Dogma-Disc-IMGP9540 (jpg) 52 Bilder
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Mehr Bremskraft bei Nässe: Die Vorteile der neuen Rennräder mit Scheibenbremsen

Selbst mechanische (im Gegensatz zu hydraulischen) Scheibenbremsen lassen bereits einen wesentlichen Disc-Vorteil deutlich erkennen: ihre hohe, unter allen Bedingungen nahezu konstante Bremskraft. Gerade bei Nässe packen Disc-Stopper kräftig zu: Messungen, die RoadBIKE gemeinsam mit MountainBIKE durchgeführt hat, belegen, dass Discs bei Nässe über 80% ihrer Bremsleistung bei Trockenheit erreichen – Rennrad-Felgenbremsen oft nicht einmal 50%.

Vollhydraulische Systeme punkten mit einem weiteren Vorzug: Solche Bremsen sind viel genauer zu dosieren als jedes seilzugbetätigte Modell, da Zugreibung und -längung entfallen. Einen weiteren klaren Disc-Vorteil benennt Marcus Schröder, Chef des Fahrrad-Prüfinstituts EFBe: „Dass die Felgenflanke als kritisches tragendes Element hier kein Verschleißteil mehr ist, finde ich tatsächlich sehr beruhigend.“

Auch wenn runtergebremste Felgen nur Vielfahrer kennen: Allein das Problem platzender Schläuche durch die bei Dauerbremsungen entstehende Hitze zeigt, dass das Prinzip der Felgenbremse nicht der Weisheit letzter Schluss ist. So dürften vor allem Hersteller von Carbon-Felgen für Clincher-Reifen Fürsprecher der Disc sein: Delamination durch heiß gebremste Felgenflanken ist damit passé. Die Bremsscheibe ermöglicht es zudem, leichtere Felgen zu bauen, da die Felgenhörner nur noch den Reifen halten, aber keine Bremskräfte mehr aushalten müssen.

Auf die Größe kommt es an

Allerdings, das zeigt der Blick in den MTB-Bereich, wird das Problem der Hitze nur verlagert: Denn natürlich entsteht durch die Reibung der Bremsbeläge auf der Scheibe immense Hitze. Bis zu 500 °C sind nach Messungen von MountainBiKE keine Seltenheit. Dadurch kann das Hydrauliksystem überhitzen und der Bremsdruckpunkt wandert – Fading setzt ein, im Extremfall vermindert sich die Bremsleistung stark.

Die Lösung: größere Bremsscheiben. Dadurch wird der Hebel größer, mit dem die Bremskraft einwirkt – um die gleiche Verzögerung zu erzielen, muss man bei einer größeren Scheibe also weniger stark am Hebel ziehen, es entsteht im Umkehrschluss weniger Reibung, ergo weniger Hitze. Zudem erlaubt die größere Scheibenfläche eine bessere Wärmeabfuhr. Die Frage der fürs Rennrad optimalen Scheibengröße dürfte noch interessant werden – vor allem aus optischen Gründen setzen die Hersteller auf kleinere Scheiben mit 140 oder 160 mm Durchmesser.

MountainBIKE empfiehlt Fahrern über 80 Kilo allerdings 180er-Scheiben. Da auf dem Rennrad viel höhere Geschwindigkeiten erzielt werden als im Gelände, gilt es auch mehr Bewegungsenergie abzubauen als bei Mountainbikes üblich – mit entsprechender Hitzeentwicklung. Kleine Scheiben dürften, zumindest im Hochgebirge, deshalb schnell an ihre Grenzen kommen.

Vier Rennräder mit Scheibenbremsen im Test

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RB-0613-Disc-Renner-BMC Granfondo GF02 Disc RB_0613_Test_Disc_Scheibenbremse_Detailbild_DI_Details_Raeder_006 (jpg) RB_0613_Test_Disc_Scheibenbremse_Detailbild_DI_Details_Raeder_007 (jpg) RB-0613-Disc-Renner-Rose Xeon DX-3100 13 Bilder

Das sind die neuen Rennräder mit Scheibenbremse: 2014 wird's Rund!

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Best of Test: Die besten Rennräder 2013 - Testsieger, Kauftipps, mit "überragend" getestete Rennräder aus den aktuellen RoadBIKE-Tests

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Technische Anpassungen am Scheiben-Renner-Rahmen: Das ändert sich

EFBe-Mann Schröder weiß aus jahrelanger Erfahrung mit Discs: „Nur mit einem anderen Bremssystem ist es nicht einfach getan: Gabeln und Hinterbauten werden durch Scheibenbremsen sehr viel höheren, zudem asymmetrisch einwirkenden mechanischen Belastungen ausgesetzt. Die Konstruktion von Schnellspannern und die Gestaltung der Achsaufnahme wird so erheblich kritischer.“

Bei einer Bremsung aus Tempo 60 und einem Fahrergewicht von rund 80 Kilo können schnell über 3000 Nm auf den Befestigungssockel an Gabel oder Ausfallende einwirken. Das sind rund 300 Kilo, die am unteren Ende der linken Gabelscheide zerren! „Wichtig ist in jedem Fall, dass Gabeln und Rahmen entsprechend angepasst und auch getestet werden“, schreibt Prüftechniker Schröder den Herstellern von Disc-Rennern deshalb ins Pflichtenheft.

Neue Laufrad-Architektur

Die mögliche Gewichtsersparnis an den Felgen wird dadurch schnell egalisiert: Nicht nur durch das Mehrgewicht der Bremsanlage – Sram spricht von rund 60 Gramm –, sondern vor allem durch schwerere Gabeln und Hinterbauten, die es aus Stabilitätsgründen braucht. Auch beim Laufrad dürfte sich einiges ändern: Beim Mountainbike werden fast alle Disc-Laufräder mit gekreuzten Speichen gebaut, um die von der Nabe eingeleiteten Bremskräfte besser aufnehmen zu können.

Eine weitere Änderung steht schon fest: Statt der bisher beim Rennrad üblichen 130 Millimeter breiten Hinterrad-Naben werden bei Disc-Rennern die aus dem MTB-Bereich bekannten 135-mm-Hinterrad-Naben verbaut. Durch den Einsatz von Scheibenbremsen ändert sich am Rennrad einiges – konstruktiv wie optisch. Wer profitiert davon? Rennfahrer und alle, die auf maximalen Leichtbau Wert legen, sicher nicht.

EFBe-Chef Schröder sieht einen „echten Sicherheitsgewinn besonders für Schlechtwetterfahrer und Freunde von Carbon-Laufrädern“. Vielfahrer, die ein zuverlässiges Rennrad suchen, werden von den starken Bremsleistungen der Disc-Renner begeistert sein. Und auch Tourer und Alpinisten sollten die Entwicklung der neuen Renner im Auge behalten.