RB 0208 Nobelrenner Aufmacher Daniel Geiger

Vergleichstest: Sieben Edel-Rennräder

Die Königsklasse

Die edelsten Rennräder faszinieren jeden und haben jede Menge Klasse. RoadBIKE versammelte sieben der brandneuen Königlichen zum Test.

Wir wollen Autos bauen, die keiner braucht, aber jeder haben will.“ Treffender als Ferdinand Porsche hat wohl selten ein Hersteller sein Produkt beschrieben. Und damit auch gleich den generellen Reiz von Luxusartikeln erklärt – wozu auch die sieben Räder in diesem Test zählen. Ihre Preise von 5000 Euro und mehr sind kaum zu rechtfertigen. Purer Luxus. Eigentlich.

Obwohl diese Nobelrenner für Normalsterbliche wohl unerschwinglich bleiben, ziehen sie aber wie magisch Blicke und Begierden auf sich – keiner braucht sie, jeder will sie haben.

Warum? Weil fast alle edlen Kandidaten im Test erstens brandheiße Neuheiten sind: Cannondales Super Six, Canyons Ultimate CF, das Lapierre X-Lite HM, Meridas Scultura Target 6 und Storcks Fascenario 0.8 kamen zur Saison 2008 auf den Markt, das Scott Addict und Simplons Pavo wurden überarbeitet.

Zweitens legen diese stolzen Renner der Königsklasse die Messlatte noch ein Stückchen höher. Beschreiben die Krone der Rennradschöpfung, zeigen das derzeit technisch Machbare und auch, wohin der Trend in den hohen Preisklassen gehen wird – und das interessiert wiederum jeden begeisterten Rennradfahrer.

Die sieben Rennräder aus diesem Test im Detail:

RB Cannondale Super Six Dura-Ace Compact Geometrie
Rennrad-Tests
RB Canyon Ultimate CF Pro 9.0  Geometrie
Rennrad-Tests
RB Merida Scultura Target 6 Geometrie
Rennrad-Tests
RB Simplon Pavo Force Geometrie
Rennrad-Tests
RB Storck Fascenario 0.8 Geometrie
Rennrad-Tests

Gewicht entscheidet

Allein das Leichtgewicht der Rahmen begeistert: Mit federleichten 885 Gramm inklusive der derzeit so angesagten integrierten Sattelstütze –markiert Scotts Addict den Primus im Testfeld, gefolgt von Simplon und Merida, die knapp über der 900-Gramm-Marke bleiben. Beim Gesamtgewicht bringen aber nur Cannondale und Storck UCI-konforme Gewichte auf die Waage – alle anderen Testräder bleiben sogar unter der 6,8-Kilo-Norm! Vor wenigen Jahren war das noch eine Sensation – 2008 gehört sowas in der Nobelklasse zum guten Ton.

Ermöglicht werden solche Leichtgewichte durch Innovationen, die alle Möglichkeiten der Carbon-rahmenfertigung ausreizen. „Richtig steif und dabei komfortabel“, lautet der Anspruch an einen modernen Rennradrahmen der Spitzenklasse. Wie so was aussieht, zeigt Canyon mit dem neuen Ultimate. „Beeindruckend“ fand das Rad nicht nur RoadBIKE-Tester Martin Böckelmann. „Gnadenlos schnell und sehr direkt, trotzdem nimmt der Hinterbau harten Stößen die Spitzen“, lobt der Lizenzfahrer den neuen Rahmen mit seinen auffällig zierlichen Sitzstreben.

RB 0208 Nobelrenner Zwei
Daniel Geiger
Da kommt Freude auf: Simplon und Merida beflügeln die RoadBIKE-Tester.

Laufräder und Speichenbruch

Vor den Testfahrten war beim Canyon und Merida je eine Carbonspeiche der R-Sys- Laufräder gebrochen.

Steifigkeit und Rundlauf waren dadurch nicht beeinträchtigt. Es besteht also kein Sicherheitsrisiko. Aber die hohlen Speichen sind nach RoadBIKE Testergebnissen viel empfindlicher als Aluspeichen. Mavics Stellungnahme: „Es handelt sich um Transportschäden. Wie Vollcarbonlaufräder müssen die R-Sys dem Werkstoff entsprechend geschützt transportiert werden. Die Laufräder werden den Radherstellern nach unseren strengen Qualitätskontrollen in einwandfreiem Zustand geliefert. Auf das Handling und den Transport beim Radhersteller haben wir als Zulieferer keinen Einfluss. Wir empfehlen, R-Sys-Laufräder nicht im Fahrrad, sondern in Laufradtaschen gesichert zu transportieren. Zudem gibt der Händler entsprechende Transporthinweise an den Endverbraucher weiter. Wir werden unsere Industriekunden noch einmal auf sachgemäße Auslieferung hinweisen.“

Die Daten der Laufräder im Test

RB Sechs Nobelrenner im Test - Laufräder und Speichenbruch - Laufradwerte
RoadBIKE

Hier finden Sie die Testdaten zu den Laufrädern der getesteten Rennräder.

Komfort und Steifigkeit

Zwar rümpfen passionierte Rennrad-Hardliner beim Wort Komfort die Nase, erwarten als Gegenleistung für den erklecklichen Preis eines Nobelrenners selbstverständlich ein „mannhaftes“ Sportgerät.

Mittlerweile freuen sich dennoch sogar richtig harte Profis über einen komfortablen Rahmen, wie etwa den von Cannondale, Lapierre oder Scott. Alle drei bieten spür- und messbaren Dämpfungskomfort, der Bandscheiben und Haltemuskulatur entlastet und damit das nötige Quäntchen mehr Kraft für den Zielsprint aufspart.

So hart, wie man das bisher von steifen Carbonrahmen gewohnt war, wirkt im Test nur noch Storcks Fascenario 0.8 – das allerdings auch mit satten Steifigkeiten und dem besten Quotienten aus Steifigkeit und Gewicht(SGI-Wert) beeindruckt.

Die komplexen Anforderungen an moderne Rahmen erfüllen die Hersteller nur durch enormen Entwicklungsaufwand – ein Grund für die hohen Preise, die die Hoheiten dann dafür aufrufen. Zudem treiben wahrhaft königliche Ausstattungen die Preise in die Höhe – jedes an den Anbauteilen gesparte Gramm kostet am Rande des Machbaren eben viele Euro. Etwa für Srams neue, superleichte Schaltgruppe Red am Merida oder Mavics neuen Laufradsatz R-Sys – der allerdings gleich zweimal mit gebrochenen Carbonspeichen auffiel. Glücklicherweise im Praxistest kein echtes Sicherheitsrisiko, weil die Laufräder weiterhin rund und stabil weiterliefen. Außerdem lassen sie sich leicht reparieren. Aber trotzdem der Königsklasse nicht angemessen.

RB 0208 Nobelrenner Drei
Daniel Geiger
Königliche Rennräder vor königlicher Kulisse.

RoadBIKE-Lexikon

1. Oberrohrlänge
Das waagrechte Maß Steuerrohrmitte bis Sattelstützenmitte entscheidet, ob die Sitzposition gestreckt oder kompakt ausfällt.

2. Sitzrohrlänge
Der Wert Tretlagermitte bis zum Schnittpunkt des waagrecht gemessenen Oberrohrs gibt die wirkliche Rahmenhöhe an.

3. Steuerrohrlänge
Je kürzer das Steuerrohr, desto mehr Sattelüberhöhung – für eine sportliche Sitzposition, ein längeres Steuerrohr dagegen sorgt für eine komfortablere Sitzposition.

4. Sitzwinkel
Je steiler der Sitzwinkel, umso mehr Druck kommt durch eine nach vorn verlagerte Sitzposition auf die Pedale.

5.+ 6. Lenkwinkel und Nachlauf
Der Nachlauf gibt den Abstand zwischen dem Schnittpunkt der verlängerten Lenkachse mit der Fahrbahn und der Mitte der Radaufstandsfläche an. Zusammen mit dem Lenkwinkel bestimmt er maßgeblich die Lenkeigenschaften.

7.+ 8. Radstand & Kettenstreben
Langer Radstand und Kettenstreben (waagrecht gemessen) sorgen für mehr Laufruhe und besseren Geradeauslauf. Ein kurzer Radstand macht ein Rennrad wendig.

RB Lexikon Geometrie
RoadBIKE
Alle Geometriedaten und alle Ausstattungsdetails beziehen sich auf von RoadBIKE ermittelte Werte am jeweiligen Testrad.

Fazit: Räder, die jeder will

Rennradfahrer brauchen sie in Wahrheit auf jeden Fall, diese Räder mit bedingungslosem Vortrieb und gnadenlosem Drang zum Gewichtsverlust.

Um zu träumen, um zu schwärmen und um zu sehen und zu erfahren, was alles machbar ist. Klar, dass in dieser Preisklasse alle Räder königliche Vorstellungen abgeben.

Leicht vor der Konkurrenz liegen in der Summe Scott, Simplon und Storck. Aber auch die anderen Kandidaten versprühen reichlich Faszination. Faszination Rennrad.

RB 0208 Nobelrenner vier
Daniel Geiger
Abwürts? Geht bei diesen Rennern höchstens der Pegel im Geldbeutel. Laune und Adrenalin hingegen steigen.
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