RB Marathon-Rennräder Teaserbild Daniel Geiger
RB Bianchi Infinito Chorus - Gabel
RB Bianchi Infinito Chorus - Oberlenker
RB Bianchi Infinito Ultegra
RB BMC Promachine SLC 01 34 Bilder

Neun Marathon-Rennräder im Test

Dauer-Läufer

Marathon und Langstrecke liegen im Trend – RoadBIKE hat die aktuellen Kilometerfresser-Räder getestet.

Er läuft, und läuft, und läuft! Was einst den ehrwürdigen VW Käfer zum beliebtesten Auto von Generationen machte, das wünschen sich die meisten Rennradfahrer heute von ihrem treuesten Begleiter: Ein Rennrad, das ohne zu zicken Kilometer vernichtet, und seien es noch so viele. Denn die große Mehrzahl der Rennradler fällt unter die Kategorie „Tourenfahrer“. Marathons und Langstreckenrennen boomen, Kilometerfressen liegt voll im Trend.

Logisch, dass die Hersteller im Langstreckensegment neue Modelle nachlegen: Bianchi Infinito, Haibike Affair, Scott CR1, Simplon Serum heißen die interessantesten Neuheiten der jungen Saison 2010.

RoadBIKE hat sie in diesem Test vereint, dazu Canyons Ultimate CF und Storcks Fenomalist, die beide durch eine spezielle Sattelstütze mehr Komfort bieten sollen, und Langstreckenklassiker wie das BMC Promachine, Red Bulls Carbon X-Lite und Specializeds Roubaix. Diese neun edlen Dauerläufer um 4000 Euro sollen zeigen, was sich im Tourensegment getan hat.

Wem die stolzen Preise zu hoch sind, sollte trotzdem weiterlesen: die Rahmen spielen ihre Vorzüge auch in günstigeren Modellvarianten aus, die Sie in der Mediashow finden.

Was braucht der Tourer?

Doch wodurch wird ein Rennrad eigentlich langstreckentauglich? „Die Basis ist der Rahmen, der muss passen“, sagt Road­BIKE-Techniker Haider Knall. Die Eckdaten so eines Dauerläufers lassen sich an den Geometriewerten ablesen, die der RoadBIKE-Techniker an jedem Rad im Test digital misst. „Ein im Verhältnis zum Sitzrohr etwas längeres Oberrohr und ein nicht zu kurzes Steuerrohr sorgen für eine sportliche Sitzposition, die aber auch nach Stunden im Sattel nicht unangenehm wird“, erklärt der Rennradexperte Knall.

Eine gemäßigte Lenkgeometrie mit eher flachem Lenkwinkel von 72 bis 73,5 Grad und langem Gabelnachlauf von über 60 Millimetern sorgen für eine ruhige Lenkung – denn bei langen Abfahrten oder Rollerpassagen wollen Tourenfahrer nicht ständig nachsteuern, sondern sich auf ihrem Renner wenn möglich sogar erholen.

Erholung als Voraussetzung

Die Erholung oder zumindest die Schonung der Haltemuskulatur steht mittlerweile ganz selbstverständlich als eines der wichtigsten Entwicklungsziele im Lastenheft, das die Hersteller langstreckentauglicher Rahmen erreichen wollen – ja müssen. Noch vor wenigen Jahren stand diese Dämpfung, landläufig Komfort genannt, im Mittelpunkt kontroverser Diskussionen. Brauchen Rennradfahrer Komfort?

Unbedingt, sagte RoadBIKE schon in der Saison 2007, als erstmals in einem Magazintest neben Steifigkeiten und Gewichten auch die vertikale Nachgiebigkeit der Rahmen gemessen und bewertet wurde. Heute ist das Standard, und selbst Verfechter der reinen Steifigkeitslehre wie Markus Storck bieten für ihre Rahmen wahlweise nachgiebigere Sattelstützen an.

Storcks Fenomalist in diesem Test erreicht mit so einer Stütze eine fast doppelt so hohe vertikale Nachgiebigkeit als früher – ohne dadurch auch nur einen Funken seines beeindruckenden Vortriebs einzubüßen.

Dämpfungskomfort bedeutet also keinen Nachteil für sportliche Räder. Rennradfahrer profitieren von dieser Entwicklung wie von kaum einer anderen der letzten Jahre: durch mehr Leistung. Im Test erreichen acht der neun Rahmen das Soll bei der vertikalen Nachgiebigkeit an der Sattelstütze. Simplon und Specialized erreichen Traumwerte. Doch allein der Komfort an der Sattelstütze bedeutet nur die halbe Miete.

So tunen Sie Ihr Rennrad für die Langstrecke

RB Marathon-Renner - Tuning
RB Marathon-Renner - Tuning RB Marathon-Renner - Sattelstütze RB Marathon-Renner - Cockpit RB Marathon-Renner - Sattel 6 Bilder

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Die Rennräder in diesem Test:

RB Bianchi Infinito Chorus
Rennrad-Tests
RB BMC Promachine SLC 01
Rennrad-Tests
RB Canyon Ultimate CF SLX 9.0 LTD
Rennrad-Tests
RB Red Bull Carbon X-Lite 8800
Rennrad-Tests
RB Scott CR1 Pro
Rennrad-Tests
RB Simplon Serum Force
Rennrad-Tests
RB Specialized Roubaix
Rennrad-Tests
RB Storck Fenomalist
Rennrad-Tests

Wichtiges Testkriterium: Der Komfort

Neun Marathon-Rennräder aus Carbon im Test - plus: preiswerte Alternativen

RB Bianchi Infinito Chorus
RB Bianchi Infinito Chorus RB Bianchi Infinito Chorus - Gabel RB Bianchi Infinito Chorus - Oberlenker RB Bianchi Infinito Ultegra 34 Bilder

Die Daten bestätigen die Erfahrungen der Tester aus den letzten Monaten, dass bei vielen Rädern mit extrem nachgiebigem Heck die Front umso härter wirkt. Für ein ausgewogenes Fahrgefühl müssen die Entwickler aber auch die Nachgiebigkeit der Gabeln im Blick haben. Dass ein ausgeglichener Dämpfungskomfort möglich ist, zeigt Specialized beim Roubaix schon seit Jahren. Scott und BMC überzeugen beim neuen CR1 mit dem besten Verhältnis zwischen Dämpfung an Heck und Front.

Auch bei den Laufradsätzen der Testräder hat RoadBIKE die vertikale Nachgiebigkeit gemessen. Fast alle Anbieter im Test montieren Laufräder auf demTop-Niveau von Mavics Ksyrium SL – die Versender Canyon und Rose sogar Mavics edles R-Sys.

Da alle Laufräder im Test auf recht flachen Felgen basieren, sind die Komfortunterschiede hier aber zu vernachlässigen. Überraschend waren die Bestwerte, die Mavics R-Sys bei diesen Messungen erreichte. „Durch die spezielle Bauweise kann die Felge beim R-Sys besser nachgeben als bei anderen Rädern“, erklärt der RoadBIKE-Techniker Haider Knall.

Ungleich höher ist ohnehin die Dämpfung der Reifen. Warum bis auf Specialized alle Hersteller auf das mit Abstand wirksamste Komforttuning durch breitere Gummis verzichten, bleibt den Testern ein Rätsel. Denn ein 25er-Reifen könnte die hochfrequenten Vibrationen von rauem Asphalt filtern, bevor sie überhaupt am Laufrad oder Rahmen ankommen. Messungen von RoadBIKE zeigen, dass der Umstieg von 23er- auf 25er-Reifen mindestens so viel an Dämpfung bringt, wie der beste im Vergleich zum schlechtesten bisher gemessenen Rahmen bringt.

„Selbst Profis sind mittlerweile im Training oder bei den Frühjahresklassikern auf breiten Gummis unterwegs“, sagt RoadBIKE-Profi-Tester Michael Rich. Warum scheuen dann die Hersteller bei ihren Kompletträdern breitere Reifen wie der Teufel das Weihwasser? „Dickere Reifen gelten im Handel wohl immer noch als unsportlich“, vermutet Rich. Die Produktmanager sollten in diesem Punkt mehr Mut beweisen.

Die Ausstattung macht's

Wie die Reifen runden auch die übrigen Anbauteile ein gelungenes Komfortkonzept erst so richtig ab, machen aus einem guten Dauerläufer einen herausragenden. Hier haben einige Anbieter im Testfeld noch Verbesserungspotenzial. So greift man bei Canyon, Haibike und Scott in recht dünne runde Oberlenker – wo die Vorteile von abgeflachten oder leicht zum Fahrer gezogenen Oberlenkern allgemein anerkannt sind, weil Rennradfahrer in der Oberlenkerposition doch ohnehin Erholung suchen.

Auch der Trend, das Lenkerband nicht über die ganze Grifffläche des Oberlenkers zu wickeln, ist dem Griffkomfort nicht zuträglich. Solche Kleinigkeiten führten im Test zwar nur zu minimalen Abwertungen, in der Praxis bedeuten sie spürbar weniger Komfort. Tipp: Etwas dickeres Lenkerband sollte man gleich beim Kauf dieser teuren Räder wickeln lassen.

Grundsätzlich bedeuten die Räder in diesem Test für die große Mehrzahl der RoadBIKE-Leser echte Volltreffer. Denn die hochwertigen Rahmen spielen auf Weltklasse-Niveau – allen voran das unglaublich leichte Serum von Simplon. Doch auch die meisten Konkurrenten im Testfeld bewegen sich in Sachen Steifigkeit und Gewicht auf Spitzenniveau.

Lediglich die fast 1700 Gramm schweren Rahmen-Gabel-Sets von BMC und Specialized wiegen, gemessen an ihren stolzen Preisen, deutlich zu schwer. Und bei Bianchi und BMC Schwächen im Lenkkopf auf. Das hat in der Praxis kein riskantes Aufschaukeln zur Folge, aber ein steiferer Rahmen folgt einfach präziser den Lenkbefehlen.

Gruppeneinheit

Auch bei den montierten Gruppen herrscht fast durchweg ein hohes Niveau im Testfeld: Shimanos neue Ultegra schaltet untadelig am Gros der Testräder, bei Bianchi Campagnolos Chorus, bei Simplon die leichte Force von Sram.

Haibike montiert als einzige Fachhandelsmarke sogar Shimanos Top-Modell Dura-Ace an das Testrad – für 3999 Euro eine echte Ansage. Die Versender Canyon und Rose schicken standesgemäß die Top-Gruppen Super Record von Campagnolo beziehungsweise Red von Sram ins Rennen.

So tunen Sie Ihr Rennrad für die Langstrecke

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RoadBIKE Messlabor: Die Gewichte der getesteten Rennräder im Detail

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RB Bianchi Infinito Chorus
RB Bianchi Infinito Chorus RB Bianchi Infinito Chorus - Gabel RB Bianchi Infinito Chorus - Oberlenker RB Bianchi Infinito Ultegra 34 Bilder

Gewichts-Check

Für 4000 Euro darf man einiges erwarten: Fünf Räder bleiben unter sieben Kilo, meist sogar weit darunter. Nur BMC und Specialzed drücken für diese Preisklasse wirklich zu schwer auf die Waage. Das liegt bei beiden am schweren Rahmen-Gabel-Set und an den schwersten Laufrädern im Testfeld. Einen Traumwert erreicht das neue Serum von Simplon: Rahmen und Set erreichen ein Weltklassegewicht – trotz integrierter Sattelstütze, für die man getrost noch 80 Gramm abziehen dürfte.

RB Marathon-Renner - Gewichtstabelle
RoadBIKE

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RoadBIKE Messlabor: Die Steifigkeiten im Detail

Neun Marathon-Rennräder aus Carbon im Test - plus: preiswerte Alternativen

RB Bianchi Infinito Chorus
RB Bianchi Infinito Chorus RB Bianchi Infinito Chorus - Gabel RB Bianchi Infinito Chorus - Oberlenker RB Bianchi Infinito Ultegra 34 Bilder

Steifigkeits-Check

Alles im grünen Bereich – also ausreichend steif für jedes Fahrergewicht? Bis auf zwei Ausnahmen kann RoadBIKE-Messtechniker Haider Knall diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten. Nur bei Bianchi und BMC fehlt es dem vorderen Rahmendreieck samt Gabel – RoadBIKE misst die Sets – an Steifigkeit. In beiden Fällen geht das auch auf das Konto der Gabeln (siehe Tabelle rechts). Ein Risiko bedeutet das in der Fahrpraxis nicht, aber beide Räder folgen einfach weniger präzise und direkt den Lenkbefehlen als die vielen steifen Rahmen-Gabel-Sets, allen voran Storck, Canyon und Red Bull. Auch die Neuheiten von Haibike, Scott und Simplon feiern einen gelungenen Einstand bei ihrem ersten großen Vergleichstest.

RB Marathon-Renner - Tretlagersteifigkeit
RB Marathon-Renner - Lenkkopfsteifigkeit

Gabel-Check

Fast alles bestens bei den separaten Messungen der Gabelsteifigkeiten. Sie dienen zum Abgleich, falls ein Rahmen-Gabel-Set bei der Steifigkeitsmessung Schwäche zeigt – wie bei Bianchi und BMC in diesem Test. Ein Blick auf die Gabelsteifigkeiten dieser beiden Räder zeigt gute, aber deutlich geringere Messwerte als bei der Konkurrenz.

RB Marathon-Renner - Gabelsteifigkeit

Komfort-Check

Bei der vertikalen Nachgiebigkeit, dem spürbaren Komfort also, liegt die Mehrzahl der Testräder im grünen Bereich. Wichtig ist jedoch für ein ausgewogenes Fahrgefühl, dass die Werte an Gabel und Steuerkopf (V) sowie Hinterbau und Sattelstütze (H) nicht zu weit auseinanderliegen. Scott erreicht hier vorbildlich ausgeglichene Werte.

RB Marathon-Renner - Komfort

Laufrad-Check

Kein Ausreißer bei der Messung der Laufrad-Seitensteifigkeiten, die RoadBIKE von jedem einzelnen Laufrad aus allen Testrädern erhebt. Dieser Aufwand zeigt Wirkung, denn offensichtlich achten die Anbieter mittlerweile mehr auf ihre Laufräder. In Sachen Mittigkeit und Seitenschlag gab es allerdings einige Ausreißer (siehe Testbriefe) – RoadBIKE bleibt den Laufrädern weiterhin auf der Spur!

RB Marathon-Renner - Laufradsteifigkeit

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So testet RoadBIKE die Marathon-Rennräder