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Rennradschuhe – Die wichtigsten Details

Rennradschuhe: auf diese Details müssen Sie beim Kauf achten

Was muss ein Rennradschuh leisten? Und wie finden Sie den perfekt passenden Schuh für Ihren Fuß? RoadBIKE hilft mit der großen Kaufberatung!

Wie finde ich einen passenden Rennradschuh zu meinem Fuß?

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Benjamin Hahn
Roadbike Kaufberatung - Schuhe

Der beste Weg, einen wirklich gut passenden Schuh für den eigenen Fuß zu finden, ist Offenheit. Und die Bereitschaft, sich nicht per se auf eine spezielle Marke festzulegen. Denn jeder Hersteller verwendet einen eigenen Leisten, der mal besser, mal schlechter zum eigenen Fuß passt. Nutzen Sie deshalb die Möglichkeit, Schuhe unterschiedlicher Hersteller anzuprobieren, und bestellen Sie sich die Schuhe in mindestens zwei Größen. Ein Tipp: Probieren Sie Schuhe am besten abends an, denn im Laufe des Tages sackt das Blut in die Füße und macht diese dicker als am Morgen. Gleiches passiert an langen Tagen im Sattel. Einen zweiten Tipp gibt Physiotherapeutin Lotte Kraus, Bikefitterin bei Gebiomized: „Nehmen Sie die Innensohle heraus, stellen Sie sich darauf und gleichen Sie die Fußdimension (Länge und Breite) sowie Fuß- und Leistenform ab.“ Ziehen Sie die Schuhe anschließend mit Radsocken an und schließen den Schuh, um sicherzugehen, dass keine Druckstellen entstehen. Auch die Ferse darf nicht zu hoch geschnitten sein, damit der Schuh nicht an Achillessehne oder Ferse reibt. „Und das Schuhvolumen sollte passen. Das merkt man daran, dass der Schuh gut zu schließen und sowohl weiter als auch enger nachjustiert werden kann“, sagt Lotte Kraus. Dritter Tipp fürs Anprobieren: „Die Ferse darf nicht rausrutschen. Zum Test mit geschlossenem Schuh die Ferse gegen den fixierten Schuh hochziehen“, rät Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach von Kom Sport. Allerdings: Anprobieren ist nur der Anfang. Ob Sie mit einem Schuh am Ende wirklich glücklich werden, wissen Sie frühestens nach einer ersten mehrstündigen Ausfahrt ...

Was sind die wesentlichen Eigenschaften eines Rennradschuhs – und warum?

"Das Wichtigste ist die Passform des Rennradschuhs am Fuß. Der Schuh muss eng und kompakt sitzen, ohne dabei zu drücken oder ein unangenehmes Gefühl zu erzeugen“, sagt Oliver Elsenbach von Kom Sport. Der ideale Rennradschuh passt sich optimal an den Fuß an und sorgt so für eine gute Kraftübertragung vom Fuß auf das Pedal – und das auch über Stunden bei langen Ausfahrten und Radmarathons. Erst wenn die Passform wirklich stimmt, kommen weitere Eigenschaften ins Spiel: Ein guter Verschluss, der den Mittelfuß optimal und ohne Druckstellen fixiert. „Denn hier fin- det ein Großteil der Kraftübertragung statt“, erklärt Elsenbach. Ebenfalls wichtig: gute Belüftung. „Es ist besser, eine gute Belüftung in Herbst und Winter mit guten Überschuhen auszugleichen, als im Sommer mit Schwitzfüßen rumzufahren“, sagt Lotte Kraus von Gebiomized. Die Sohle sollte zudem ausreichend verwindungssteif sein. „Auch ein Hobbyschuh sollte nicht mit Handkraft in sich verwindbar sein“, empfiehlt Lotte Kraus. „Das leisten auch die meisten Schuhe, manche allerdings auf Kosten des Gewichts.“

Wie begründen sich die Preisunterschiede bei Schuhen?

Ein wesentlicher Grund für Preisunterschiede ist die Sohle: Erst ab ca. 170 Euro sind Schuhe mit „reinen“ Carbon-Sohlen erhältlich. Diese können deutlich steifer – und dünner – ausfallen als „normale“ Kunststoffsohlen (etwa aus Nylon), folglich auch leichter. Positiver Effekt: Der Fuß kommt näher an die Pedalachse, was die Tritteffizienz verbessert. Zweiter Preistreiber: der Verschluss. In der Mittelklasse von 150– 200 Euro hat man eine größere Auswahl an Verschluss-Systemen, findet auch Modelle mit Boa-/Ratschen-Verschlüssen statt der bei günstigeren Schuhen üblichen Klettriegel.

Wie viel Geld muss man für ein Paar solide Rennradschuhe investieren?

Als wichtigste Kontaktstelle zwischen Fahrer und Rad hat der Radschuh eine wesentliche Funktion. Hier sollte man nicht sparen“, rät Oliver Elsenbach, Diplom-Sportwissenschaftler von Kom Sport in Köln. Mit etwas Glück lassen sich im Schlussverkauf oder bei Restposten noch günstigere Angebote finden, aber bei den meisten Herstellern fangen aktuelle Rennradschuhe bei knapp unter 100 Euro oder leicht darüber an. Das ist eine Preiskategorie, in der man grundsolide Schuhe kaufen kann, mit denen man viel und lange Spaß auf dem Rad hat. „Die Passform ist jedenfalls wichtiger als die Preiskategorie“, sagt Lotte Kraus von Gebiomized. „Häufig ist der teurere Schuh nicht unbedingt der besser passende.“

Radsocken, Übersocken, Winter-Überschuhe oder Aero-Überzieher: Welches Zubehör braucht man wirklich?

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Auf keinen Fall verzichten sollten Sie auf spezielle Funktions-Socken fürs Rennrad. Diese nehmen Schweiß auf und leiten ihn nach außen ab – besser als normale Baumwollsocken. Zudem sind sie dünner, liegen enger an und werfen im Idealfall keine Falten, die zu Reibung und Druckstellen führen könnten. Zweite, absolut sinnvolle und zudem günstige Investition sind wärmende, wasserdichte Überschuhe aus Neopren. So spart man sich teure Winter-Rennradschuhe, die oft nicht wesentlich wärmer sind. Bei starkem Regen halten sie die Füße zwar nicht dauerhaft trocken, aber sie schützen vor dem Auskühlen. Dünne Aero-Überzieher sind eher was für Profis.

Ein für alle Mal: Rennrad- oder MTB-Schuh?

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Eine Grundsatzfrage, die jeder für sich entscheiden muss. Eine klare Empfehlung hat Diplom-Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach von Kom Sport in Köln dennoch: „Ich rate von Mountainbike-Schuhen ab, die häufig aufgrund des besseren ‚Gehverhaltens‘ von Anfängern gekauft werden. Jedoch bieten Rennradschuhe und -pedale eine viel bessere Stabilität, zumal es für jedes Rennradsystem zusätzlich einen Schutz gibt, der sich beim Gehen über die Platte ziehen lässt.“ Zudem sind Rennradschuhe meist leichter als MTB-Pendants. Rennradschuhe sind daher eher etwas für sportlich-ambitionierte Fahrer, die ihre Runden nur selten für einen Stopp unterbrechen. Allerdings: Wer touristisch unterwegs ist und deshalb häufiger mal absteigt (sei es etwa zum Fotografieren am Straßenrand oder für eine Besichtigung), profitiert beim Gehen vom Komfort und dem besseren Grip der Mountainbike-Sohle. Auch auf Mehrtagestouren mit schlankem Gepäck sind MTB-Schuhe sinnvoll: Ein zusätzliches Paar Straßenschuhe im Rucksack erübrigt sich.

Die Sohle: 3-Loch-Standard, 4-Loch-Standard oder auch die Option aug die SPD-Pedale - worauf muss ich bei der Sohle achten?

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Gängig bei Rennradschuhen ist die Plattenbefestigung nach 3-Loch-Standard. Damit lassen sich Cleats von Shimano (SPD-SL), Time und Look montieren. Bei günstigen Schuhen finden sich manchmal zwei zusätzliche Gewinde für SPD-Mountainbike-Cleats. Diese haben, verglichen mit MTB-Schuhen, allerdings den Nachteil, dass das SPD-Cleat übersteht, also aus der Sohle herausragt, und sehr rutschig ist. Wer Speedplay-Pedale (4-Loch) bevorzugt, kann die auch an 3-Loch-Sohlen befestigen, benötigt jedoch einen Adapter, der rund 3 mm hoch baut. Besser, aber selten, sind Sohlen mit der Möglichkeit, 4-Loch-Cleats direkt zu montieren – zu finden an Schuhen von Bont, Northwave, Gaerne oder Lake.

Wie finde ich die passende Größe?

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Leider fallen Rennradschuhe je nach Hersteller deutlich unterschiedlich aus. Passt beispielsweise ein Gaerne in 45, muss das nicht heißen, dass auch ein Shimano- Schuh in 45 passt. Deshalb sollten Sie von einem Modell am besten immer mehrere Größen anprobieren und sich erst danach entscheiden. Diplom-Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach rät: „Radschuhe werden ,kurz‘ gekauft, das heißt: Vorne sollte kaum noch Luft sein. Durch die Druck- und Zugphase sind Passform und Funktion eines Radschuhs anders ausgelegt als bei einem Laufschuh. Deshalb passt die Bohrung der Cleat-Löcher und damit die Pedalachse auch nur optimal unter das Mittelfußzentrum, wenn der Fuß in der Länge ohne Spiel im Schuh sitzt.“

Worin unterscheiden sich Frauenschuhe?

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Der wesentliche Unterschied zu Herrenschuhen ist der Leisten, auf dem der Schuh gefertigt wird – laut Lotte Kraus von Gebiomized oft mit einem breiteren Vorfuß und einem höheren Spann ausgestattet. Auch die erhältlichen Größen sind andere: Die meisten Frauenschuhe gibt’s ab Größe 36, kleinere sind selten. Die Obergrenze bei den meisten Frauenschuhen liegt bei Größe 43. Herrenschuhe fangen meist bei Größe 36 oder 37 an und sind bis 48 oder 50 zu haben. Wenn sie passen, spricht aber nichts dagegen, beim anderen Geschlecht zu wildern.

Entscheidendes Obermaterial

Essenziell für eine gute Kraftübertragung ist nicht nur eine steife Sohle – auch das Obermaterial spielt eine wichtige Rolle. Es muss einerseits anschmiegsam genug sein, um sich der jeweiligen Fußform gut anzupassen, ohne Falten zu werfen oder zu drücken, andererseits muss es maximal fest sein, um Zugkräfte, etwa im Wiegetritt, aufnehmen zu können und den Fuß gleichzeitig gut zu fixieren.

Stichwort Innensohle: Was zeichnet eine gute Innensohle aus?

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„Aus meiner Sicht ist die Innen- sohle das Herzstück eines Radschuhs“, sagt Oliver Elsenbach von Kom Sport. „Die Innensohle kann direkt am Fuß arbeiten, die natürliche Verdrehung des Fußes, Pronation und Supination, lässt sich mithilfe der Innensohle korrigieren bzw. unterstützen. Durch die Stabilisation des Fußes wer- den die Scherkräfte zudem deutlich reduziert und kommen so auch dem Vortrieb zugute.“ Allerdings sind nach RB-Erfahrung selbst viele teure Schuhe mit eher einfachen, teils schwachen Innensohlen ausgestattet. Deshalb können Sohlen zum Nachrüsten einen spürbaren Komfortgewinn bringen. Anbieter sind beispielsweise Ergon, Solestar, SQLab, Bontrager, Specialized oder Giro. Die Preise reichen von ca. 30 Euro bis rund 100 Euro. „Das Konstrukt Fuß, Radschuh und Sohle sollte sich damit harmonisch und stabil anfühlen“, rät Elsenbach.

Was bedeutet der "Steifigkeitsindex" auf den Sohlen einiger Hersteller?

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Einige Hersteller wie Specialized, Northwave oder Scott geben für ihre Sohlen einen „Steifigkeitsindex“ an, beispielsweise Steifigkeit 6 oder 10. Diese Angaben sind aber nur herstellerintern vergleichbar und nicht etwa eine allgemeingültige Skala. Der Index ist auch nicht mit einer Einheit, etwa mm/Nm, gekoppelt, sondern ein reiner Orientierungswert für das Portfolio eines Herstellers.

Klett, Ratsche, Drehverschluss oder Schnürung? Wo liegen die Stärken und Schwächen der jeweiligen Verschluss-Systeme?

„Alle Verschluss-Systeme können sinnvoll sein, je nachdem, welche Form der Fußspann hat“, sagt Lotte Kraus von Gebiomized. Gut gemacht, lässt sich auch mit einfachen Klettverschlüssen der Druck sehr gut auf dem Spann verteilen, besonders wenn der Schuh drei davon aufweist. Achten Sie darauf, dass die Klettriegel nicht zu dick und/oder steif sind und sich gut mit der gewünschten Spannung schließen lassen. Ein Nachteil: Zum Anpassen unterwegs muss ein Klett komplett gelöst und wieder geschlossen werden, er lässt sich nicht wie andere Verschlüsse dosiert verstellen. Aktuell im Trend liegen Rennradschuhe mit klassischer Schnürung. Eigentlich eine extrem günstige Lösung, findet sich diese Variante interessanterweise vor allem im Top-Segment. Der größte Vorteil der Schnürung ist das geringe Gewicht und die angeblich gute Aerodynamik, weil keine überstehenden Bauteile Windwiderstand verursachen. Mit der Schnürung lässt sich die Druckverteilung auf dem Spann gut individuell an den jeweiligen Fuß anpassen, sodass Druckstellen nicht auftreten sollten. Nachteil: Eine Anpassung unterwegs ist etwas aufwendiger und erfordert einen kurzen Stopp. Ratschenverschlüsse ersetzen meist den obersten Klettriegel. Dank des Hebel-Mechanismus lässt sich die Ratsche gut „zuknallen“, sie sorgt so für sicheren, festen Halt des Fußes im Schuh, (meist zwei) weitere Klettriegel besorgen die übrige Fixierung. Ein Vorteil: Bei guten Ratschen lässt sich die Spannung unterwegs klickweise erhöhen – oder verringern. Der Nachteil ist das in der Regel etwas höhere Gewicht. Drehverschlüsse wie etwa von Boa (oder vergleichbare Eigenentwicklungen der Schuhhersteller) finden sich eher im Hochpreissegment, vor allem wenn nicht nur einer, sondern gleich zwei verbaut sind. Für Drehverschlüsse spricht, dass sie sich bequem sowie fein gerastert schließen/öffnen lassen – unterwegs. Mit zwei Drehverschlüssen lässt sich überdies der Druck extrem gut und individuell auf dem Spann verteilen. Wichtig: Es gibt immer noch ältere Schuhmodelle, deren Drehverschlüsse sich nur klickweise schließen, aber nicht dosiert öffnen lassen. Aktuell zeigen sich auch wieder neue Kombinationen am Markt: „Gerade die ergonomisch angelegten Verschlusskombinationen, beispielsweise mit Schnürung oder Klettverschluss im Vorfuß und Boa- Drehrad überm Mittelfuß zum Nachjustieren beim Fahren, sind meiner Meinung nach sehr sinnvoll“, sagt Lotte Kraus.

Sind alle Leisten eines Herstellers gleich?

Die meisten Hersteller haben für ihre Schuhmodelle genau einen Leisten. Aber: Von einigen Herstellern gibt es Rennradschuhe auch in einer breiteren Ausführung. Sidi beispielsweise nennt diese Versionen „mega“, bei Shimano heißt das Modell „wide“. Auch von Northwave gibt es einige Schuhmodelle wie den Extreme in einer „slim“- und einer „wide“- Version. Ausprobieren lohnt sich!

Müssen die Sohlen wirklich maximal steif sein?

Geht es um maximale Effizienz, ist die Marschrichtung klar: „Aus meiner Sicht sollten die Sohlen von Radschuhen immer maximal steif sein“, so Oliver Elsenbach von Kom Sport. „Dabei ist das verwendete Material egal; Nylon kann genauso steif sein wie Carbon, ist dann allerdings schwerer.“ Denn je steifer die Sohle, desto weniger Torsion des Fußes. „Das bringt eine direktere Kraftübertragung und schützt so auch vor Überlastungssymptomen“, sagt Elsenbach.

Welche Rolle spielt das Gewicht eines Radschuhs?

„Da es sich um rotierende Masse handelt, ist das Thema Schuh- und Sohlengewicht von Bedeutung“, sagt Diplom-Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach von Kom Sport, allerdings müssen Schuh und Schuhgewicht zum Fahrer passen. „Mit einem Fahrergewicht von beispielsweise 110 kg sollte der Schuh ausschließlich unter dem Aspekt der Stabilität gekauft werden. Das gilt auch für große Schuhgrößen – wegen der Hebelverhältnisse.“ Ein 60-kg-Bergfahrer habe hingegen andere Anforderungen an seinen Schuh, eine leichte und filigrane Bauweise des Radschuhs erlaube ihm ein flüssigeres Pedalieren bei insgesamt geringerem Energieaufwand, erklärt der Experte weiter.

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