RB Winter-Bekleidung Teaserbild Benjamin Hahn
RB Campagnolo Racing Full Thermo
RB Castelli Insolito Radiation
RB Gonso Nevada
RB GoreBikeWear Oxygen So 24 Bilder

Zwölf Winterjacken und -hosen im Test

Frostschutz

Gut geschützt durch den Winter: RoadBIKE hat je zwölf Jacken und Hosen für die Fahrt durch die kalte Jahreszeit getestet.

UPDATE
Hier finden Sie die aktuellen Tests zur Winterausrüstung für Rennradfahrer:

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Die Vorgabe an die Hersteller lautete: Schickt uns eure Superwaffe für den Kampf gegen die Kälte. Als Ergebnis bildet sich, gerade bei den Herren, ein Testfeld mit einer breiten Preisspanne heraus: Während die Erasmus-Jacke von Protective schon für 100 Euro zu haben ist, gehen etwa die Wintermodelle von Assos und Castelli erst jenseits der 300-Euro-Marke über den Ladentisch. Bei den Herrenhosen reicht die Spanne von 130 Euro für Gonsos Montana bis hin zu 249 Euro für Assos Winter.LL. Das zeigt: Für praktisch jeden Geldbeutel und Trainingszweck ist im aktuellen RoadBIKE-Test etwas dabei.

Die Mischung macht’s

Bei den Jacken hat gerade im Winter der richtige Funktionsmix oberste Priorität. „Es kommt darauf an, dass die Winterjacken winddicht sind und gleichzeitig eine gute Atmungsaktivität bieten“, erklärt Sandra Möllenbeck, Abteilungsleiterin Bekleidung bei Rose biketown, dem Ladengeschäft von Deutschlands größtem Versender im Radsportbereich. Denn zum einen muss der Körper Schweiß absondern, damit der Organismus des Sportlers unter der besonderen Belastung auf dem Rennrad nicht überhitzt.

Zum anderen kann aber auch jedes Tröpfchen Schweiß, das der Körper am Berganstieg produziert, im kalten Abfahrtswind schnell sehr unangenehm werden. Dann nämlich, wenn der Wind durch die Kleidung dringt und den nass geschwitzten Körper gefährlich auskühlt. Kommt es so weit, ist die Erkältung fast schon programmiert.

Die perfekte Jacke muss also einerseits den Schweiß kontrolliert nach außen abgeben, andererseits vor Wind und Kälte schützen. Dazu setzen die Bekleidungshersteller auf unterschiedliche Konzepte aus zwei- oder dreilagig zusammenlaminierten Stoffen. Klar auf dem Vormarsch sind hierbei die Softshell-Jacken. Mit dem flexiblen Stoff lassen sich, gerade im Radsport wichtig, besonders gute Passformen erreichen.

Zudem trägt sich das Material angenehmer, als das robustere Hardshell. Für effektiven Windschutz der Jacken sorgen winddichte Membrane als eine Schicht der Laminate; zum Beispiel Gores Windstopper, Assos’ Airblock 851 oder Sympatex’ Windmaster. An den richtigen Stellen eingesetzt, lassen sie dem kalten Luftzug nicht den Hauch einer Chance. Damit die Materialien ihre Aufgabe zweckmäßig erfüllen können, spielt allerdings auch die richtige Kleidung unter dem Winterdress eine große Rolle.

Nach dem Zwiebelschalenprinzip empfiehlt es sich, Funktionsunterhemd und Trikot unter der Jacke zu tragen. Die Extraschichten verbessern den Schweißtransport und spenden zusätzliche Wärme. Radfahrern, die schnell frieren, rät Sandra Möllenbeck zu Jacken mit Fleece-Innenseite. „Sie unterstützen die Wärmeproduktion des Körpers“, erklärt die Bekleidungs-Expertin. Im Test schmeicheln die Herrenmodelle von Gonso, Pearl Izumi, Protective und Vaude der Haut. Bei den Damen, die aufgrund dünnerer Haut und weniger Muskelmasse im Vergleich zum Körpergeweicht schneller frieren als Männer, warten alle Jacken mit Fleece auf.

Im Test fällt zudem positiv auf, dass fast alle Jacken im Zusammenspiel aus Atmungsaktivität und Windschutz eine gute Figur machen. Einzig die Herrenjacke Erasmus von Protective erreicht beim Kälteschutz nur befriedigende Werte. Am besten funktionieren bei den Herren die von Assos, Gonso, Gore Bike Wear und Vaude in den Test geschickten Modelle. Bei den Damenjacken zeigt sich ein ausgeglichenes Bild – mit leichten Vorteilen für die Gore Fusion II Lady.

Wichtige Details

Die im Labor ermittelten Werte geben einen guten Eindruck von den technischen Eigenschaften der Testobjekte. Allerdings sind diese ohne die in der Praxis gesammelten Erkenntnisse wenig wert. Erst der Einsatz auf der Straße zeigt, wie gut die Hersteller die technischen Voraussetzungen in ihren Produkten umgesetzt haben und wie gut die Konzepte tatsächlich funktionieren. Als immens wichtig für den Schutz vor der Kälte erweisen sich dabei kleine Details. Zum Beispiel wie gut die Reißverschlüsse hinterlegt sind, damit der Fahrtwind nicht durchdringen kann.

Hier geben sich die Hersteller keine Blöße. Einzig Assos’ fugu Jack verzichtet auf den zusätzlichen Schutz, die fest integrierte Weste inklusive einer kompletten Sturmhaube macht dieses Manko jedoch mehr als wett. Praktisch genauso unerlässlich ist der gut sitzende Abschluss der Jacken an Bund, Kragen und Ärmeln. Sonst kriecht die Kälte unter die Kleidung und verdirbt den Spaß an der winterlichen Ausfahrt. Hier heben sich die Gore-Jacken Oxygen SO und Fusion II Lady vom Rest des Feldes ab, während die Modelle von Gonso und Protective Punkte vergeben.

Praktische Jackenideen

Mit besonderen Jackendetails warten, neben Assos, auch Gore Bike Wear und Castelli auf. So versteckt sich im Kragen der Oxygen SO etwa ein integriertes Stirnband. Gores Damenmodell bietet mit Biss-
einsatz am Kragen zum einhändigen Öffnen der Jacke, verstellbarem Hüftbund, Ventilationsöffnungen und ausklappbarem Spritzlatz gleich eine ganze Reihe intelligenter Funktionen. Technisches Highlight im Test ist aber die Insolito Radiation Jacket von Castelli. Das knallgelbe Teil lässt sich etwa durch abnehmbare Ärmel in eine Thermoweste verwandeln. Zudem soll die herausnehmbare Innenjacke durch Reflektion der Körperwärme zusätzlichen Kälteschutz bieten.

Dabei bedient sie sich dem Prinzip der Rettungsdecke, die in jedem Erste-Hilfe-Kasten für das Auto zu finden ist. Zusätzliches Plus für den Winter ist die ebenfalls per Reißverschluss abtrennbare Mütze. Castelli bezeichnet die Insolito Radiation als All-in-One-Jacke für das ganze Jahr. Im Test lag sie im Kälteschutz allerdings nicht ganz vorn.

Warme Beine

„Genau wie bei den Jacken kommt es auch bei den Radhosen darauf an, dass sie gut sitzen, wärmen, und dabei vorne den Wind abhalten“, sagt Sandra Möllenbeck von Rose. Deshalb setzen die Hersteller im Bereich der Knie und Oberschenkel wiederum auf windabweisende Materialien. Besonders gut funktioniert der Kälteschutz bei den Testkandidaten von Campagnolo, Gore und Sugoi. Sie halten die Beine selbst im kalten Abfahrtswind noch ordentlich warm. Negativ fielen hingegen Pearl Izumis Gavia Plus Tight und Vaudes Damenversion Prata Wind Pants auf: Schon zu Beginn der simulierten Abfahrt klagten die Tester über kalte Knie und Oberschenkel.

Ebenfalls ärgerlich: Bei der recht klein ausfallenden Artico Bibtight von Castelli verabschiedeten sich schon nach wenigen Fahrten die Reißverschlussbremsen im sehr engen Knöchelbereich. Als Folge öffneten sich die Reißverschlüsse teilweise während der Fahrt selbstständig und ließen die kalte Luft ungehindert passieren.

Die Polsterfrage

Ein wichtiger Punkt beim Kauf einer Winterhose ist die Frage: Polster oder kein Polster? Die von RoadBIKE getesteten Hosen besitzen bis auf Pearl Izumis Gavia Plus Tight alle ein integriertes Polster. Der Grund für diese Auswahl bestand darin, dass sich bei Hosen mit eingenähtem Polster die Passform viel bessser ermitteln lässt und der Tragekomfort authentischer ist. Allerdings sind die meisten der getesten Modelle auch ohne Einsatz erhältlich und kosten dann in der Regel etwa 20 bis 30 Euro weniger.

Wer eine Hosen ohne Sitzeinlage wählt, spart nicht nur ein paar Euro, sondern fährt auch auf dem vertrauten und eingefahrenen Polster. Zumal die Hersteller bei ihren Winterhosen selten die hochwertigsten Einsätze verwenden. Gleichzeitig bietet die zweite Textilschicht um den Oberschenkel zusätzlichen Schutz vor den niedrigen Temperaturen.

Fazit:

Der Test zeigt, dass die Passform eine zentrale Rolle für den effektiven Kälteschutz spielt. Deshalb: Auf jeden Fall vor dem Kauf prüfen, ob alles richtig sitzt. Die Jacken und Hosen im RoadBIKE-Test bieten dabei fast durch die Bank Wind- und Kälteschutz auf hohem Niveau. Bei den Herrenjacken sichert sich Vaude mit tollem Klima und überragendem Kälteschutz den Testsieg. Bei den Damen fährt Gores Fusion II WS Lady die meisten Punkte ein – auch dank durchdachter Ausstattung. Hart umkämpft ist der Testsieg bei den Hosen: Hier setzt sich Gore bei den Herren hauchdünn vor Campagnolo und Sugoi durch. Bei den Damen gibt es den Testsieg für Gore knapp vor Protective.

Die getesteten Jacken und Hosen

RB Assos Fugu Jack
Tests
RB Campagnolo Racing Full Thermo
Tests
RB Castelli Insolito Radiation
Tests
RB Gonso Nevada
Tests
RB GoreBikeWear Oxygen So
Tests
RB GoreBikeWear Fusion II WS Lady
Tests
RB Protective Anita
Tests
RB Pearl Izumi Gavie P.R.O. Jacket
Tests
RB Protective Erasmus
Tests
RB Sugoi Firewall 220 Bike J.
Tests
RB Vaude Men‘s Posta Jacket II
Tests
RB Vaude W’s Posta Jacket II
Tests
RB Assos Winter.LL
Tests
RB Campagnolo Racing Thermo c637
Tests
RB Castelli Artico Bibtight
Tests
RB Gonso Montana
Tests
RB Gore Bike Wear Liquid WS Lady Bib
Tests
RB Gore Bike Wear Oxygen WS Bib
Tests
RB Pearl Izumi Gavia Plus Tight
Tests
RB Protective Timo
Tests
RB Protective Tabea
Tests
RB Sugoi Firewall 200 Bib Tight
Tests
RB Vaude M’s Elite Storm Pants
Tests
RB Vaude W’s Prata Wind Pants
Tests

So testet RoadBIKE die Winterbekleidung

Labortest: Zunächst ging es für die Testkandidaten aufs Wasserbad. Im MVTR-Test (Moisture Vapor Transmission Rate) wurden die Jacken und Hosen beim Membranspezialisten Gore auf ihre Atmungsaktivität hin getestet – bei einer standardisierten Umgebungstemperatur von 20 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent.
Anschließend wartete die sowohl für das Material als auch für die Tester härteste Prüfung: In der Klimakammer wurde jede Jacke und jede Hose in einem zweitägigen Testmarathon simulierten Winterbedingungen ausgesetzt. Ausgestattet mit elf Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren fuhren die Tester jeweils eine virtuelle Tour: Nach einer fünfminütigen Aufwärmphase mussten die Testkandidaten im zehnminütigen Anstieg ihre Atmungsaktivität unter Beweis stellen. Mehr oder minder nass geschwitzt ging es anschließend für zehn Minuten auf die Abfahrt. Die gefühlte Temperatur sank dabei auf –5 °C. Spätestens hier traten etwaige Schwächen im Kälteschutz schonungslos zu Tage.

Praxistest: Im Einsatz auf der Straße mussten die Testkandidaten beweisen, was die im Labor gesammelten Daten wert sind. Dabei legten die Testfahrer ihr Augenmerk etwa auf die Passform und die Praxistauglichkeit von Details, zum Beispiel die Erreichbarkeit der Taschen oder die Funktion der Reißverschlüsse.

RB 0109 Winterbekleidung So testet RB
In der eiskalten Klimakammer litten die Tester für die Wissenschaft.

Zwölf Winterjacken und –hosen im Test

RB Assos Fugu Jack
RB Assos Fugu Jack RB Campagnolo Racing Full Thermo RB Castelli Insolito Radiation RB Gonso Nevada 24 Bilder

Windchill-Effekt: So wirkt sich der Fahrtwind auf die gefühlte Temperatur aus

Zwölf Winterjacken und –hosen im Test

RB Assos Fugu Jack
RB Assos Fugu Jack RB Campagnolo Racing Full Thermo RB Castelli Insolito Radiation RB Gonso Nevada 24 Bilder

Bei Temperaturen ab 10 Grad und weniger greift der Windchill-Effekt. Er beziffert den Unterschied zwischen gemessener und gefühlter Temperatur in Abhängigkeit der Windgeschwindigkeit. Der Wind führt die körpernahe, wärmere Luft von der Haut weg und erhöht gleichzeitig die Verdunstung. Dadurch fühlt sich die Temperatur auf der Haut kälter an, als sie tatsächlich ist.

RB 0109 Winterbekleidung Windchill-Effekt
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