Ausprobiert: Leeze Boom Board Pro und Boom Board Lite LEEZE/KENO TOPILIN

Ausprobiert: Leeze Boom Board Pro und Boom Board Lite

Indoor-Cycling: Rockerplates für Rollentrainer Ausprobiert: Leeze Boom Board Pro und Boom Board Lite

Mit immer mehr Tools soll das Indoor-Cycling realistischer werden – so auch mit den Rockerplates Boom Board Pro und Boom Board Lite von Leeze. ROADBIKE hat beide ausprobiert.

Auf einen Blick

Leeze Boom Board Pro

  • gefederte Standfläche für Rollentrainer und Rennrad
  • seitliche Neigung und Federung individuell mit Druckfedern einstellbar
  • geräuschisolierend
  • hergestellt aus 100% recyceltem Polypropylen mit Glasfaserverstärkung
  • Oberfläche wasser- und schweißbeständig
  • kompatibel mit vielen gängigen Rollentrainern und Smartbikes
  • zulässiges Systemgewicht Fahrer, Rad, Trainer: 180 kg
  • Preis: 329,90 Euro

Leeze Boom Board Lite

  • dämpfende Standfläche für Rollentrainer und Rennrad
  • geräuschisolierend
  • hergestellt aus 100% recyceltem PE-Schaum
  • Oberfläche wasser- und schweißbeständig
  • durch individuell aufzuklebende Pads quasi mit allen Rollentrainern und Smartbikes kompatibel
  • zulässiges Systemgewicht Fahrer, Rad, Trainer: 120 kg
  • Preis: 99,90 Euro
Moritz Pfeiffer
Fahrfertiges Boom Board Pro - zwei Spritzgussplatten mit Druckfedern und stabilem Stand.

Detailbetrachtung

Indoor-Cycling boomt – und das längst nicht mehr nur im Winter. Es ermöglicht problemloses und schnelles Training, selbst wenn man nur wenig Zeit hat, es erlaubt strukturierte Intervalle, ohne über Verkehr oder Wetter nachdenken zu müssen, und es hat über Trainingsplattformen wie Zwift und Co. längst auch einen sozialen Charakter bekommen – um nur einige Gründe zu nennen, warum immer mehr Rennradfahrerinnen und Rennradfahrer gerne auf der Stelle in die Pedale treten.

Mittlerweile können sich Indoor-Fans auch über immer mehr Zubehör freuen: spezielle Bekleidung adressiert die spezifischen Herausforderungen beim Indoor-Cycling, Steigungs- und Fahrtwindsimulatoren sorgen für ein immer realistischeres Fahrgefühl, und spezifische Möbelstücke gewährleisten, dass der Laptop immer sicher steht und Verpflegung griffbereit bleibt. Auch der junge Laufradhersteller Leeze aus dem Münsterland hat nun das Indoor-Cycling für sich entdeckt – und bietet mit dem Boom Board in verschiedenen Ausführungen Standflächen mit besonderen Eigenschaften für Rollentrainer und Rad (auch Rockerplates genannt).

Moritz Pfeiffer
Boom Board Pro vor der Montage

Boom Board Pro

Die High-End-Lösung stellt das Boom Board Pro dar. Der Aufbau gelingt recht einfach: Vorder- und Hinterteil bestehen jeweils aus zwei Spritzgussplatten, die aufeinander geschraubt und dann miteinander verbunden werden. Am breiten hinteren Teil klemmt man anschließend zwei Druckfedern ein – je nachdem, ob diese weiter außen oder innen positioniert sind, wippt die Konstruktion stärker oder schwächer. Mit Spanngurten befestigt man nun den Rollentrainer sowie sein Rennrad und peppt die Konstruktion auf Wunsch mit farbigen Einsätzen auf. Die Montageanleitung von Leeze mag zwar nicht so unmissverständlich sein wie eine von Ikea, erfüllt aber ihren Zweck.

Moritz Pfeiffer
Wie stark das Boom Board Pro seitlich wippt, hängt davon ab, wie nah oder weit entfernt die Druckfedern vom Mittelpunkt der großen Standfläche stehen.

Rad und Smarttrainer stehen nun auf der Platte und "wippen" bei Berührung und natürlich beim Fahren nach rechts und links. Der Aufstieg ist kein Problem, da man mit Radschuhen auf die Spritzgusskonstruktion treten darf. Im Sattel gefällt die seitliche Beweglichkeit, auch wenn das "Fahrgefühl wie auf der Straße", mit dem Leeze wirbt, ein bisschen hochgegriffen scheint – dafür fühlt sich insbesondere das Fahren im Wiegetritt dann doch zu unnatürlich an. Aber das Rad federt die ganze Zeit sanft, subjektiv arbeiten die Muskeln in Rumpf, Oberkörper und Armen deutlich stärker als bei einem statischen Rollentrainer. Das entlastet auch das Sitzfleisch – für nicht wenige beim Indoorcycling ein neuralgischer Punkt, der erheblich mehr Probleme bereitet als in freier Wildbahn auf dem Rad.

Moritz Pfeiffer
Der Praxiseindruck: positiv. Besonders sinnvoll ist, dass die Kräfte reduziert werden, die auf die Ausfallenden wirken.

Sehr erfreulich ist zudem die geringe Geräuschkulisse: Das leichte Mitschwingen des Rades sowie unter dem Boom Board montierte Gummipuffer senken den Lärmpegel – nicht zuletzt relevant für alle, die nicht die Nachbarn auf die Palme bringen wollen.

LEEZE/KENO TOPILIN
Boom Board Pro (329,90 Euro)

Fazit: Ist das Boom Board Pro von Leeze (oder ein vergleichbares Produkt) die Anschaffung wert? Durchaus, denn die ausgewogenere Ganzkörperbelastung, weniger Gesäßschmerzen und ein reduzierter Geräuschpegel sind gute Argumente. Wirklich überzeugend ist aber vor allem, dass das seitliche Wippen von Fahrrad und Rollentrainer die Kräfte massiv senkt, die auf die Ausfallenden des Rahmens wirken. Insbesondere heftige Intervalle im Wiegetritt belasten diese enorm, was bei statischen Trainern auf Dauer zu Problemen führen kann, zumal bei filigranen Konstruktionen aus Carbon. Dieses Argument wiegt auch stärker als das nur bedingt realistischere Fahrgefühl.

Boom Board Lite

Eine im Preis und der technischen Komplexität etwas abgespeckte Alternative stellt das Boom Board Lite dar. Anstelle auf einer aufwendigen Konstruktion mit gefederten Spritzgussplatten stehen Rollentrainer und Rad hierbei auf einer einzelnen Platte aus PE-Schaum. Dieser gibt zwar auch ein wenig nach, erhöht so den Komfort und reduziert die Geräuschkulisse, das Niveau des gefederten Boom Board Pro wird jedoch erwartungsgemäß nicht erreicht. Praktisch: Die Schaustoffplatte besteht aus zwei Einzelteilen, die sich wie zwei Puzzlestücke zusammensetzen – und so auch im Handumdrehen wieder auseinander gebaut sind und sich platzsparend verstauen lassen. Zwar entlastet auch das Boom Board Lite gestresste Ausfallenden am Rahmen, aber Rollentrainer und Rad sind nicht auf dem Board fixiert – trotzdem bleibt das Rad nach ROADBIKE-Erfahrungen auch bei wilden Intervallen und harten Sprints an Ort und Stelle, ohne auf dem Board zu "wandern".

Ebenfalls schwierig ist, dass man die Schaumstoffplatte nicht mit Radschuhen betreten darf, weil sich die Cleats sonst in das Material bohren können. Das Aufsteigen in den Sattel wird so – je nach räumlichen Begebenheiten – zum Balanceakt. Zudem steht das Rad etwa 5 Zentimeter höher, der Beinschwung über den Sattel wird so zur "Ballett-Stunde". Individuell positionierbare Pads verhindern zumindest, dass sich Rollentrainer und/oder Vorderrad in den PE-Schaum einarbeiten können.

Hersteller
Boom Board Lite (99,90 Euro)

Fazit: eine preisgünstige Alternative? Jein. Wer ganz am Anfang seiner Indoor-"Karriere" steht oder "nur" eine etwas rahmenschonende und geräuschreduzierende Lösung sucht, freut sich über das preisattraktive Angebot. Wer sehr regelmäßig und intensiv indoor trainiert und über die Anschaffung einer Rockerplate nachdenkt, spart besser nicht am falschen Ende. Alternativ bietet Leeze mit dem Boom Board Mini eine Version aus Holz an, die preislich zwischen den beiden von ROADBIKE getesteten Produkten angesiedelt ist – über eigene Erfahrungswerte verfügen wir hier aber nicht.

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