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Ergonomie-Spezial: das Rennrad-Pedal

Alles, was Sie über Rennrad-Pedale wissen sollten

Sind die richtig gewählt und justiert, fährt es sich angenehmer und effizienter. Wenn nicht, drohen Knie-, Nacken- oder Poschmerzen. Was für Ihre individuellen Ansprüche passt? ROADBIKE gibt Hilfe zur Selbsthilfe – in einer dreiteiligen Serie. Erster Teil: die (Klick-)Pedale.

Wie funktio­niert ein Klickpedal?

Unter einen speziellen Radschuh wird eine Platte ("Cleat") montiert, die in ein dazu passendes Pedal einrastet. In der Regel sitzt im Pedal ein einfacher Klickmechanismus mit Spannfeder. Zum Lösen der Verbindung wird der Fuß gedreht, die Auslösehärte lässt sich dabei meist individuell einstellen.

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Look
Klickpedale von Look.

Wer hat’s erfunden?

Die französische Firma Look übertrug in den frühen 1980er-Jahren das Prinzip von Skibindungen auf Fahrradpedale. 1984 brachte Look das erste Klickpedal auf den Markt, ein Jahr später gewann Bernard Hinault damit die Tour de France – und "Klickies" verdrängten bald die bis dato üblichen Hakenpedale.

Was sind die wichtigsten Rennradpedalsysteme am Markt?

Look-Pedale und Shimanos SPD-SL-System sind die mit Abstand am weitesten verbreiteten, doch auch Time und Speedplay erfreuen sich einer treuen Fangemeinschaft. Andere, oft kleinere Hersteller greifen in der Regel auf die gleichen technischen Lösungen zurück.

Warum überhaupt Klickpedale?

Eingeklickt gibt es kein Herumrutschen auf dem Pedal oder gar ein Abrutschen bei Nässe, die bis dato im Radsport üblichen (und bei Stürzen gefährlichen) Pedalriemen erübrigen sich. Die vom Fahrer investierte Kraft wird durch die feste Bindung effektiv genutzt, der runde Tritt mit Druck- und Zugphase erleichtert. Klickpedale vereinfachen zudem Sprünge über kleine Hindernisse oder das Hochlupfen des Hinterrads auf den Bordstein. Bei Stürzen lösen Klickpedale in der Regel wie Skischuhe aus. Bleibt die Schwierigkeit für Anfänger, vor dem Anhalten rechtzeitig aus dem Pedal zu kommen, damit man nicht umkippt. Hier hilft nur: fleißig üben!

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Fitness

Look

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Look
Die Pioniere aus Frankreich haben den Standard gesetzt: Die Drei-Schrauben Befestigung der Pedalplatten nutzen inzwischen zahlreiche Pedalhersteller, nahezu alle Rennradschuhe am Markt sind kompatibel.

Stärken

 klar defniertes Ein- und Ausklicken

 Pedal wartungsarm und trotzdem langlebig weitverbreitet, gute Ersatzteilversorgung

 Bewegungsfreiheit über Cleats anpassbar (0° schwarz; 4,5° grau; 9° rot)

 Auslösehärte bis Kéo 2 Max Carbon per Schraube einstellbar (9–15 Nm)

 sicherer Stand, große Auflagefläche

 Abstand vom Fuß zur Kurbel über Zwischenscheibe um 2 mm variierbar

 Memory-Funktion: Positionierungshilfe beim Plattentausch (nur in Verbindung mit geeigneten Schuhen)

 breites Sortiment: neun Modelle von 45,99 bis 299,99 Euro

Schwächen

 Pedalplatten aus Kunststoff, etwas rutschig beim Gehen, recht hoher Verschleiß

 Auslösehärte nur durch Austausch einer Feder variierbar

ROADBIKE-Empfehlung: Look Kéo 2 Max Carbon – unter 100 Euro, vergleichsweise leicht, alle wichtigen Features mit an Bord.

Shimano

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Shimano
Der Branchenriese aus Japan steht für ausgereifte Produkte, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ein großes Händlernetz. Das gilt uneingeschränkt auch für Shimanos Rennradpedale, die bei der Cleat-Befestigung den Drei-LochStandard von Look nutzen.

Stärken

 klar defniertes Ein- und Ausklicken

 Pedale wartungsarm und trotzdem langlebig

 weitverbreitet, sehr gute Ersatzteilversorgung

 Bewegungsfreiheit über Cleats anpassbar (0° rot; 2° blau; 3° gelb)

 Auslösehärte bei allen Modellen einstellbar

 sicherer Stand, große Auflagefläche

 unterschiedliche Beinlängen lassen sich durch Distanzstücke ausgleichen

 Ausführung mit geringerer Auslösehärte für Anfänger

 breites Sortiment: neun Modelle von 44,95 bis 269,95 Euro

Schwächen

 Pedalplatten aus Kunststoff, verschleißen eher schnell

 Konkurrenzmodelle zum gleichen Preis oft leichter

ROADBIKE-Empfehlung: Shimano PD-R7000 – das Pedal auf 105-Niveau (109,95 Euro) wiegt bei gleicher Technologie kaum mehr als die Ultegra-Ausführung.

Time

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Time
Die Pedale des französischen Herstellers haben schon manchen von Knieschmerzen befreit. Der Klickmechanismus nutzt den Drei-Loch-Standard, entsprechend sind viele Schuhe kompatibel. Erhältlich sind zwei Pedallinien (Xpro und Xpresso).

Stärken

 weiches Ein- und Ausklicken

 sicherer Stand, sehr große Auflagefläche

 geringe Bauhöhe

 Bewegungsfreiheit über Cleats anpassbar (0° oder 5°)

 Bewegungsfreiheit nicht nur an der Ferse, sondern auch seitlich

 Auslösehärte in drei Stufen einstellbar

 Q-Faktor in Abhängigkeit der Cleat-Montage um 2,5 mm variierbar

 haltbare Cleats

 breites Sortiment: acht Modelle von 56 bis 450 Euro

Schwächen

 für Einsteiger beim Einklicken ggf. zu wenig Feedback

 Kunststoffschraube zur Einstellung der Auslösehärte verschleißt schnell

 Top-Modell mit Carbon-Körper, Keramiklagern und Titanachse extrem teuer

ROADBIKE-Empfehlung: Xpresso 2 – das günstigste Pedal von Time (56 Euro) wiegt weniger als deutlich teurere Modelle der Konkurrenz.

Speedplay

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Speedplay
Bei den US-Amerikanern wandert der Klickmechanismus vom Pedal in die Platten. Das bringt enorme seitliche Bewegungsfreiheit, zur Nutzung von DreiLoch-Schuhsohlen braucht man jedoch einen Adapter.

Stärken

 sehr einfaches Einklicken

 Pedal klein, trotzdem große Auflagefläche dank voluminösem Cleat

 Bewegungsfreiheit der Ferse stufenlos von 0° bis 15° einstellbar (ZeroLinie)

 Q-Faktor dank fünf verschiedener

 Achslängen um bis zu 15 mm variierbar

 geringe Bauhöhe

 in vielen Farben erhältlich

 sehr haltbare Cleats

 sehr breites Sortiment: 13 Modelle von 159,99 bis 699,95 Euro

Schwächen

 hoher Pflegeaufwand

 Auslösehärte nicht einstellbar

 sehr teuer in der Anschaffung und bei Ersatzteilen

ROADBIKE-Empfehlung: Zero Edelstahl – richtig leicht und dabei für Speedplay-Verhältnisse mit 209,95 Euro noch vergleichsweise "günstig".

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Was ist besser: Pedalplatten mit oder ohne seitliche Bewegungsfreiheit?

Es kommt darauf an. Erfahrene Rennradler kennen die korrekte Position ihrer Cleats oft sehr genau, verzichten auf seitliches Spiel und gewinnen dadurch ein weiteres Plus an Stabilität und Kraftübertragung. Hobbysportler und Anfänger sollten ein System mit etwas Bewegungsfreiheit wählen, da Fuß und Bein dann etwas Spielraum haben, um eine angenehme Position zu finden und vor allem Fehlstellungen zu vermeiden.

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Benjamin Hahn
Hobbysportler und Anfänger sollten ein System mit etwas Bewegungsfreiheit wählen.

Rennrad- oder MTB-Pedal?

Rennradpedale sind explizit für den Einsatz an Straßenrennern entworfen: Die Pedalkörper sind so konstruiert, dass sie in Schräglage später aufsetzen (was zu bösen Stürzen führen kann); die größere Auflagefläche verbessert zudem die Kraftübertragung. Vorteil von MTB-/Gravelpedalen: beidseitiges Einklicken, die Schuhe eignen sich besser zum Gehen, und die versenkten Metallcleats verschleißen weniger schnell als bei Rennradtretern. Es kommt also auf den Einsatzzweck an – und ob man mit MTB-Pedal die pikierten Blicke eingefleischter Rennradler erträgt …

Tanja Willersinn

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Björn Hänssler
Die Sportwissenschaftlerin ist Leiterin des Radlabors in Freiburg. Arbeitsschwerpunkte der Triathletin und Mountainbikerin sind Sitzposition, Ergonomie, Biomechanik und Leistungsdiagnostik.

Kann man ein "falsches" Pedal kaufen?

"Wirklich falsch im Sinne der Biomechanik gibt es nicht", sagt Tanja Willersinn, Sportwissenschaftlerin und Leiterin des Freiburger Radlabors. Grundsätzlich kann man mit jedem Pedal glücklich werden. Es gibt aber besser und schlechter geeignete Modelle. "Je niedriger die Bauhöhe ist, umso näher kommt man an die Pedalachse heran, und umso besser ist die Kraftübertragung", erklärt Willersinn. "Menschen mit sehr großen Füßen sollten übrigens darauf achten, weiter von der Kurbel wegzukommen, sonst reibt der Schuh an Kettenstrebe oder Kurbel." Geeignet sind hier Modelle, bei denen der Q-Faktor über die Cleats oder die Pedalachse variiert werden kann.

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Shimano
Die Sportwissenschaftlerin ist Leiterin des Radlabors in Freiburg. Arbeitsschwerpunkte der Triathletin und Mountainbikerin sind Sitzposition, Ergonomie, Biomechanik und Leistungsdiagnostik.

Was ist der Q-Faktor?

Tanja Willersinn, im Radlabor u. a. mit den Bikefittings beschäftigt, erläutert: "Der Q-Faktor bezeichnet den Abstand der beiden Kurbelarme zueinander (außen-außen gemessen). Er ist bei Athleten wichtig, deren Füße sehr eng beieinander- oder sehr weit auseinanderstehen. Kommt es immer wieder zu Beschwerden, können diese also mit solchen anatomischen Gegebenheiten zu tun haben. In der Regel spielt der Q-Faktor jedoch eine untergeordnete Rolle."

Können Pedale und Platten der Grund für Beschwerden beim Rad­fahren sein?

Falsch eingestellte Platten können in der Tat Schmerzen verursachen. "Bei Kniebeschwerden sollte man prüfen, ob die Cleats korrekt ausgerichtet sind und parallel stehen", erklärt Sportwissenschaftlerin Willersinn. "Beschwerden an der Achillesferse oder brennende bzw. einschlafende Füße entstehen oft, wenn die Platten punktuell am Fuß drücken." Tipp: Prüfen Sie, ob Pedalachse und Großzehengrundgelenk im passenden Verhältnis zueinander stehen. Aber: "Beschwerden können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel eine falsche Sitzhöhe oder zu weiche Schuhsohlen. Bevor Sie teure neue Produkte kaufen, lohnt sich ggf. eher ein Bikefitting", so Willersinn.

Wie findet man den richtigen und zum Pedal passenden Schuh?

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Baschi Bender/Radlabor
Es kann schwierig sein, den passenden Schuh zum Pedal zu finden.

Nehmen Sie die Einlage aus dem (zu kaufenden) Schuh und stellen Sie den Fuß drauf. Im Optimalfall steht diese leicht, aber nicht zu viel über. Ist die Einlage nicht mehr sichtbar, ist der Schuh zu klein, lappt sie stark über, ist der Schuh zu groß. Dünne, harte (Carbon­) Sohlen verbessern die Kraftübertragung, erschweren allerdings selbst kurze Fußwege, zu weiche Sohlen können Schmerzen verursachen, weil die Pedalverbindung spürbar wird. Egal ob Boa­Seilverschluss, Klett oder Schnürung: Das ideale Schließsystem des Schuhs verteilt den Druck flächig statt punktuell, ist zugleich aber trotzdem zwischen vorne und hinten getrennt einstellbar. Vorgeformte Einlagen können helfen, Beschwerden an den Fü­ßen, aber auch an den Knien zu lindern.

Kann ich über das Pedal meine Leistung verbessern?

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Baschi Bender/Radlabor
Eine Pedalkraftanalyse vom Prof kann helfen, die eigene Trettechnik zu analysieren und ggf. zu optimieren.

Spezielle Leistungsmesspedale ermitteln die getretenen Wattwerte, auf deren Grundlage gezieltes Training möglich ist. Vor allem bietet das Pedalieren selbst viel Potenzial: "Der berühmte runde Tritt kann die Leistung optimieren und Kräfte zielgerichteter nutzen", erläutert Tanja Willersinn vom Radlabor Freiburg. "Als Übung empfehlen wir, kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum Phasen einbeinigen Tretens in das Training zu integrieren. Natürlich abwechselnd mit beiden Beinen." Professionelle Pedalkraftanalysen erlauben es, die Druck- und Zugphasen zu optimieren.

Wie montiert man die Pedalplatten richtig?

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Baschi Bender/Radlabor
Manche Pedalplatten weisen zur Unterstützung bei der Positionierung selbst eine Markierung auf.

Längsausrichtung: Ertasten Sie das Großzehengrundgelenk – zunächst zur Orientierung ohne Radschuh, dann mit. Sie finden es übrigens am etwas nach außen stehenden Knochen an der Innenseite des Fußes. Markieren Sie die Stelle (auf dem Schuh). Die Achse des Pedals sollte ca. 0,5 bis einen Zentimeter hinter der Markierung liegen. Manche Pedalplatten weisen zur Unterstützung bei der Positionierung selbst eine Markierung auf – in so einem Fall sollte das Gelenk genau darüber liegen. Seitliche Ausrichtung: Die Schuhe sollten parallel zum Rad und in Fahrtrichtung gerade stehen – und so nah wie möglich am Kurbelarm, ohne diesen zu berühren (auch mit Überschuhen). "Bei anhaltenden Beschwerden", rät Biomecha­nikerin Tanja Willersinn, "kann eine Ganganalyse helfen, um die Ausrichtung der Pedalplatten daran abzustimmen."

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