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Legenden des Radsport: Täve Schur

Täve Schur im Porträt

Gäbe es die DDR noch, wäre der 80. Geburtstag von Gustav-Adolf „Täve“ Schur am 23. Februar 2011 garantiert ein arbeits- und schulfreier Tag.

Die Volkskammer des ehemaligen SED-Regims hätte zu Ehren ihres beliebten Mustersportlers an diesem Tag womöglich sogar einen festlichen Staatsakt inszeniert. Spätestens seit Täve Schur 1955 erstmals die Friedensfahrt gewinnen konnte, liebten ihn seine Landsleute, er war in ihren Köpfen und Herzen präsent. Schur galt als Vorbild für unbändigen Siegeswillen, Fairness, Bescheidenheit – und, vor allem, für Solidarität. Dieses Image fußte nicht allein auf einer Vielzahl von Reportagen und Büchern, die sich mit seiner Person befassten. Es wurde auch ganz gezielt aufgebaut, diente es doch der Ideologie des ostdeutschen Arbeiter- und Bauernstaats. Der größte DDR-Sportler aller Zeiten erreichte bald Beliebtheitswerte, die mit einem Max Schmeling und später einem Franz Beckenbauer in der Bundesrepublik durchaus mithalten konnten. Ehrungen durch Genosse Walter Ulbricht wurden für Schur als treues SED-Parteimitglied zur Routine.

Der selbstlose Kämpfer

Doch ausgerechnet die allergrößte Niederlage in seiner Rennkarriere sicherte Schur Ruhm und Anerkennung für die Ewigkeit: 1960 sollte er, unterstützt durch die gut geölte DDR-Propaganda-Maschinerie, den Traum vom dritten WM-Triumph in Folge bei den Amateuren im eigenen Land wahr- machen. Und beinahe wäre dem eisernen Kämpfer aus Heyrothsberge dieser Coup auch gelungen. Wäre da nicht die Mannschaftstaktik gewesen, die zunächst einmal einen Sieg des Top-Favoriten Willy Vanden Berghen aus Belgien verhindern sollte. So ging, anstelle von Schur, in der letzten Runde zuerst dessen Teamkollege Bernhard Eckstein in die Offensive, um den athletischen Belgier aus der Reserve zu locken. Doch der Plan ging nur halb auf, da Vanden Berghen, der auf einen Spurterfolg gegen Schur spekulierte, viel zu spät reagierte. Die begeisterten Zuschauer entlang des legendären Sachsenrings nahe Chemnitz erlebten somit einen völlig unerwarteten Doppelsieg durch Eckstein vor Schur, der im Schlussspurt den ausgepowerten Belgier auf der Ziellinie noch auf den 3. Platz verweisen konnte. Gerade diese große Geste, die notwendig war, um den sicheren Erfolg der DDR-Mannschaft nicht aufs Spiel zu setzen, steigerte Schurs Beliebtheit nochmals über alle Maßen.
Für immer unbeantwortet bleibt die Frage, wie sich der DDR-Amateur bei Profi-Rennen wie Mailand–San Remo oder der Tour gegen Größen wie Coppi, Anquetil oder Van Steenbergen behauptet hätte. Grund: die damals strikte Trennung von Amateuren und Profis.

Go West

Die SED-Nachfolgepartei PDS zögerte nach der Wiedervereinigung nicht lange und schaffte es, Täve Schur auch in ihre Mitte zu zerren. Als Mann des Volkes erwies sich Schur auf der Jagd nach Wählerstimmen einmal mehr als Erfolgsgarant. Später schaffte der ehemalige Sportheld der DDR sogar den Sprung in den Deutschen Bundestag. Täve Schurs Sohn Jan dagegen zögerte nach dem Fall der Mauer keine Sekunde, um als gefeierter Weltmeister und Olympiasieger seine Profi-Träume in Italien wahrzumachen. Der Familienfrieden wurde davon nicht beeinträchtigt. Und das, obwohl Schur junior 1992 sogar an der Seite von Lance Armstrong im Motorola-Team beim alten Klassenfeind USA kurbelte. Für harte Dollars anstatt für Verdienstorden von Honecker...

Täve Schur: Daten & Fakten

- Wurde am 23.02.1931 in Heyrothsberge geboren.
- Der ewige Amateur gewann als erster Radsportler der DDR die Friedensfahrt (1955 + ’59) und die Weltmeisterschaft (’58 + ’59).
- Zwischen 1954 und ’61 wurde er 6-mal DDR-Straßenmeister.
- 1953, ’54, ’59 und ’61 errang er Platz 1 bei der DDR-Rundfahrt.
- Als Mitglied der gesamtdeutschen Olympia-Mannschaft gewann er 1956 in Melbourne die Bronzemedaille, 1960 in Rom Silber.
- Schur wurde 9-mal zum Sportler des Jahres der DDR gewählt.

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