RB 0113 Legenden des Radsports Ronde van Vlaanderen und Tour de France Pinguin Product

Legenden des Radsport: Ronde van Vlaanderen und Tour de France

Ronde van Vlaanderen und Tour de France im Blickpunkt

2013 darf sich die internationale Radsport-Szene über zwei ganz besondere Ereignisse freuen: Die Ronde van Vlaanderen wird im April 100 Jahre alt. Und wenige Monate danach wartet die glanzvolle 100. Austragung der Tour de France. Doch die beiden ruhmreichen Veranstaltungen durchlebten auch dunkle Zeiten.

Und das nicht nur des Dopings wegen: Vielmehr litten sie unter den Wirren des 2. Weltkriegs. Dabei verblieb die Flandern-Rundfahrt in den Kriegsjahren 1940 bis 1945 trotz der Restriktionen der deutschen Besatzungsmacht und ihrer belgischen Kollaborateure im Sportkalender – allerdings mit angepasstem Parcours, denn die breiten Hauptverbindungswege im Land waren den Wehrmachttransporten vorbehalten. Auch Flanderns Nordseeküste war militärisches Sperrgebiet: Hier wurde eine Invasion der Alliierten erwartet. Zudem führten die Belgier in dieser dunklen Periode längst kein normales Alltagsleben mehr: Lebensmittelknappheit, Verfolgung, Ausgangssperren, Sabotageaktionen des Widerstands oder Terrorangriffe mit V1- und V2-Waffen waren an der Tagesordnung – so wie in anderen von den Nazis besetzten Ländern. Wer nichts zu essen hatte, klaute und schmuggelte – selbst unter der Androhung, in ein Konzentrationslager verschickt zu werden.

Hauptsache überleben

Doch Radrennen wie die Flandern-Rundfahrt, welche im Grunde von der Nazi-Ideologie gebrandmarkt wurden, brachten der Bevölkerung auch ein wenig Normalität. Für zahlreiche Profi-Rennfahrer ging es auch darum, sich mit Sondergenehmigungen der Zwangsdeportation in die gefürchteten Arbeitslager nach Deutschland zu entziehen. So war sich etwa Rik Van Steenbergen, Belgiens junger Profi-Meister von 1943 und Sieger der Flandern-Rundfahrt 1944, nicht zu schade, den Hitlergruß bei den Siegerehrungen zu erwidern: „Hauptsache meine Familie und ich überlebten so gut es ging diese obskuren Zeiten voller Entbehrungen. Ein Stück Fleisch beim Metzger war eine Seltenheit und Rennmaterial extrem teuer. Ein neuer Rennreifen kostete alleine schon so viel, wie die Siegprämie eines Rundstreckenrennens wert war.“

Ersatz für die Tour

Anders als bei der Ronde ruhte der Rennbetrieb der Tour de France ab 1940 volle 6 Jahre lang. Doch trotz ursprünglicher Verbote gelang es dem Journalisten Jean Leulliot, 1942 eine Alternative für die Grande Boucle zu lancieren. Die 6 Tage dauernde Ersatz-Tour „Circuit de France“ überstand allerdings nur einen einzigen Sommer – auch aufgrund der geringen internationalen Beteiligung. Die Zeitschrift „L’Auto“, Gründer der Tour de France, konterte 1943 mit dem „Grand Prix du Tour de France“, bestehend aus 9 Eintagesrennen – darunter Paris–Roubaix. Ein Jahr später endete nach der lang ersehnten Landung der Alliierten in der Normandie auch dieser Versuch. Bizarr war die Situation vor allem 1941 und 1942, als zwei getrennte Französische Meisterschaften durchgeführt wurden. Eine im besetzten Paris, die andere in Saint-Gaudens, im bis November 1942 unbesetzten freien Frankreich, das als Vichy-Regime in die Geschichte einging.

Radheld und Retter

Parallel zur Tour wurden auch in Italien Kriegsausgaben des Giro d’Italia mit Punktewertung aus mehreren Klassikern wie Mailand–San Remo organisiert. Erst 2011 wurde bekannt, dass Gino Bartali, der Sieger von 1942, als Fahrradkurier geholfen hatte, rund 800 Juden das Leben zu retten. Für diese heldenhafte Tat wurde der fromme und beliebte Champion Ende Januar 2012 am Holocaust-Gedenktag posthum geehrt.

Radsport in den Weltkriegen: Daten & Fakten

- Wegen des 1. Weltkriegs fanden Tour de France, Giro d’Italia und die meisten Frühjahrs-Klassiker in den Jahren 1915 bis 1918 nicht statt.
- Bedingt durch den 2. Weltkrieg pausierte die Tour von 1940 bis 1946, der Giro von 1941 bis 1945.
- Die Vuelta à España fiel von 1937 bis 1940 dem spanischen Bürgerkrieg, 1943/1944 dem 2. Weltkrieg zum Opfer.

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