RB 0912 Legenden des Radsports Reginald Harris Archiv Harris

Legenden des Radsport: Reginald Harris

Reginald Harris im Porträt

Es gibt Champions mit einer so gewaltigen Ausstrahlung, dass man Begegnungen mit ihnen nie vergisst – auch wenn sie bereits seit Jahren nicht mehr unter den Lebenden weilen. Dazu gehört Reginald „Reg“ Harris, ein „Husar“ und echter Gentleman.

Vor 20 Jahren erlitt der legendäre Bahnsprinter während einer lockeren Radtour völlig unerwartet einen tödlichen Herzinfarkt – in unmittelbarer Nähe seines Domizils. Seine Frau Jennifer-Ann begleitete ihn bei der Ausfahrt und musste so mit ansehen, wie Englands ehemaliges Sprinter-Ass innerhalb weniger Sekunden seinen letzten Sprint verlor – gegen den Tod. Dabei fing der Tag zunächst ganz friedlich an – ganz besonders im Vergleich zu dem, was Reg Harris während des 2. Weltkrieges alles erleben musste.
Als Panzerfahrer im Regiment der „10th Royal Hussars“etwa wurde er bei Gefechten gegen Rommels Afrika-Korps unweit von El Alamein schwer verletzt. Nach 1-jährigem Genesungsprozess wurde er 1943 als Dank für seinen heldenhaften Einsatz vom weiteren Militärdienst entbunden. Diese Nachricht motivierte ihn zusätzlich, sich – trotz der erlittenen Verletzungen – für die kommenden nationalen Bahn-Meisterschaften und die Amateur-WM 1947 in Paris vorzubereiten. Das Ergebnis: Er gewann jeweils überzeugend. Als Belohnung erhielt er einen Platz im Nationalteam für Olympia 1948 in London.

Für Britanniens Gloria

Bereits 1939 hatte Harris sich für die Bahn-WM in Mailand qualifiziert. Doch kaum auf der berühmten Vigorelli-Radrennbahn angekommen, wurde das gesamte britische Team vorzeitig nach Hause zurückbeordert – der 2. Weltkrieg hatte begonnen. Später, vor den Olympischen Spielen 1948, bat das Nationale Olympische Komitee „Husar“ Harris, seine lang gehegten Profi-Pläne auf die Zeit nach den Spielen zu verschieben. Dabei war Harris zu diesem Zeitpunkt bereits 28 Jahre alt. Doch der britische Radsportverband hatte den Super-Crack aus Manchester gleich für 4 Goldmedaillen eingeplant: Sowohl im Sprint als auch im damals noch populären Tandem, beim 1000-Meter-Zeitfahren und in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung sollte er für den Ruhm der Nation kämpfen.

Start trotz Protest

Doch Medaillengewinne lassen sich bekanntlich kaum planen: 2 Wochen vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in London brach sich Harris bei einem harmlosen Kriterium den linken Arm. Der eigensinnige Sprinter hatte, entgegen den Anweisungen seines Nationalcoachs, seine eigenen Trainingsmethoden verfolgt. Als Konsequenz forderten einige erboste Funktionäre seinen sofortigen Rausschmiss. Aber weil es ohne Reg Harris für die Medaillenernte alles andere als rosig ausgesehen hätte, entschied der Radsportverband, seinen Ausnahmesprinter letztendlich doch starten zu lassen. Mit Erfolg übrigens, auch wenn es am Ende kein Gold wurde. Denn trotz des immensen Handicaps musste sich Reg Harris erst im Sprintfinale dem Italiener Mario Ghella geschlagen geben. Eine weitere Silbermedaille errang er nur wenig später zusammen mit Alan Bannister im Tandemfinale. So fiel die Bilanz des Sportlers – ebenso wie die des Gastgebers der Spiele – am Ende doch noch einigermaßen überzeugend aus.

König der Sprinter

In den folgenden Jahren regierte Harris die Sprinterszene der Profis: 5 WM-Titel sowie nicht weniger als 16 GP-Siege in Amsterdam, Kopenhagen, London und Paris, die damals den Stellenwert eines Grand-Slam-Tennisturniers besaßen, dokumentieren sein außergewöhnliches Talent – und seinen ungebremsten Ehrgeiz.

Reginald Harris: Daten & Fakten

- Geboren am 1. März 1920 bei Manchester/GB.
- Gestorben am 22. Juni 1992 in Macclesfield.
- Harris gewann 1947 die Bahnsprint-WM der Amateure.
- 1949, 1950, 1951 sowie 1954 wurde er Profi-Weltmeister.
- Er stellte Weltrekorde auf, erhielt die höchste internationale Radsport-Auszeichnung, war Sportler des Jahres und wurde 1957 zum Member of the Order of the British Empire ernannt.

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