RB 0311 Legenden des Radsports Myhos Koppenberg Roth/Augenklick

Legenden des Radsport: Myhos Koppenberg

Myhos Koppenberg im Blickpunkt

Vor 35 Jahren tauchte der Koppenberg erstmals in der Streckenführung der Flandern-Rundfahrt auf. Auch am 3. April wird die unglaublich steile Pflasterstein-Rampe wieder zur Pilgerstätte Tausender lärmender Radsportfans.

Bereits während seiner Premiere 1976 sorgte der Koppenberg im Fahrerfeld der Ronde van Vlaanderen für ein ziemliches Desaster. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt erst drei von neun Steigungen, die in Flandern „Hellinge“ genannt werden, bewältigt. Einer fünfköpfigen Spitzengruppe, darunter Francesco Moser und der spätere Sieger Walter Planckaert, gelang es gerade noch so, die schmale und schwierige Kletterpassage auf prähistorischem Kopfsteinpflaster zu bewältigen. Doch der Rest des Feldes, darunter Vorjahressieger Eddy Merckx, verstrickte sich in ein heilloses Chaos. Teils strampelnd, teils mit geschultertem Rad suchten sich die Sportler ihren Weg zwischen gestürzten Fahrern und übernervös hupenden Begleitfahrzeugen.

Crashs en masse

Im darauffolgenden Jahr waren die Zustände am Koppenberg nicht weniger chaotisch. Ganz im Gegenteil: Nachdem sich diesmal, wie auf Bestellung, ein Begleitmotorrad der belgischen Polizei quer gelegt hatte, krachten erneut mehrere Fahrer ineinander. Doch damit nicht genug. Weltmeister Freddy Maertens wechselte kurz vor dem Anstieg verbotenerweise auf eine Rennmaschine mit leichterer Übersetzung. Doch der Radwechsel mit dem am Straßenrand positionierten Betreuer war den scharfen Augen des Rennleiters nicht entgangen. „Fast Freddy“ durfte zwar das Rennen zu Ende fahren, wusste aber bereits vor der Zieldurchfahrt, dass er nicht gewertet werden würde. Von dieser seltsam interpretierten Regel profitierte letztendlich der spätere Sieger Roger De Vlaeminck, der vom strammen Maertens wie bei einem veritablen Hochgeschwindigkeits-Dernyrennen bis ins Ziel in Meerbeke gezogen wurde. Für umgerechnet 7500 Euro, wie Maertens später beichtete.

Skibby am Boden

Die zum Teil sadistisch anmutenden Szenen am Koppenberg wurden bald zum Top-Thema in den Medien – und den in Belgien beliebten und verbreiteten Supporter-Cafés. Wie 1978, als der allein führende Jesper Skibby in der Hitze des Gefechts plötzlich seine zu groß gewählte Übersetzung nicht mehr treten konnte. Ein sanfter Sturz in die steile Böschung war die Folge. Im Grunde alles halb so schlimm, wäre da nicht der BMW des Rennleiters gewesen: Aus Angst, den heranbrausenden Fahrerpulk zu behindern, sah der Rennleiter keine andere Möglichkeit, als die teure Colnago-Rennmaschine des am Boden liegenden Skibby zu Schrott zu fahren. Um ein Haar hätte der Autoreifen sogar das linke Schienbein des entsetzten Dänen platt gebügelt.

Geschenk Gottes

Die TV-Bilder dieses aufsehenerregenden Vorfalls gingen im Sturmlauf um den Globus: Die Flandern-Rundfahrt hatte ihre Unschuld verloren. Mehr noch, die internationale Radsportszene schrie Zeter und Mordio. Allen voran Frankreichs Superstar Bernard Hinault, der den „Skandalberg“ am liebsten für immer und ewig in die Sportarchive verbannen wollte. Für den Kneipenwirt vom unweit gelegenen Café Koppenberg dagegen war Skibbys epochaler Crash ein Geschenk des Himmels. Vor allem am Tag der Ronde pilgern jährlich Tausende Radsportfans hierher, darunter viele Touristen aus Deutschland, um Tom Boonen & Co. bei der schweißtreibenden Arbeit auf dem „Buckel von Melden“ fotografisch festzuhalten. Ein Durstlöscher im Café Koppenberg darf dann natürlich nicht fehlen.

Koppenberg: Daten & Fakten

- Der gepflasterte Anstieg wurde 1976 erstmals (und bis 1987) ins Streckenprofil der Flandern-Rundfahrt aufgenommen.
- Auf einer Länge von 550 Metern sind bei durchschnittlich 11‚6 % Steigung 64 Höhenmeter zu überwinden.
- Die steilste Steigung beträgt 22 %.
- Nach einer Renovierung gehört der Koppenberg seit 2002 wieder zur „Ronde“.

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Nichts bremst Rennradfahrer so stark wie der Luftwiderstand.

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