Teil des
rb 1116 reifen breite know how TEASER Benjamin Hahn

Vor- und Nachteile breiter Rennradeifen

Know-how: Was bringt Breite bei Rennradreifen?

Rennradreifen werden immer breiter. Welche Vor- und Nachteile birgt diese Entwicklung? ROADBIKE vergleicht die Messwerte und diskutiert das Für und Wider breiter Reifen.

„Ein Rennrad steht auf 23 mm breiten Reifen.“ Noch vor wenigen Jahren galt das als unumstößliche Regel, die kein Radsportler ernsthaft in Zweifel gezogen hätte. Mittlerweile ist die (Rennrad-Reifen-)Welt nicht mehr ganz überschaubar, neue Varianten machen sich – im Wortsinn – zunehmend breit.

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Für viele Rennradfahrer sind die „guten, alten“ 23-mm-Reifen immer noch das Maß der Dinge. Doch 25 mm breite Reifen erfreuen sich wachsender Beliebtheit, und auch die meisten der verkauften Neuräder setzt inzwischen auf diese Breite. Im beliebten Segment der komfortorientierten Touren-Renner sind auch 28 mm breite Reifen längst keine Seltenheit mehr.

Um das Für und Wider breiter Reifen zu ergründen, hat ROADBIKE die unterschiedlichen Breiten untersucht. Viele Hersteller bieten ihre Rennradreifen nicht nur in 23 und 25, sondern auch in 28 mm Breite an.

Erste Erkenntnis: Breit = schnell

ROADBIKE führte 2 Messreihen durch: Um direkte Vergleichswerte zu erhalten, wurden einmal alle Reifen in allen Breiten mit einheitlichen 8 Bar Luftdruck gemessen. Da breitere Reifen aber tendenziell mit weniger Druck gefahren werden, wurden weitere Messungen mit „realistischem“ Luftdruck durchgeführt (7,5 Bar bei 25 mm Breite, 6,5 Bar bei 28 mm Breite).

Die Messergebnisse belegen eindeutig: Breite Reifen rollen besser! Die Modelle erreichen mit beiden Druckwerten in der 25-mm-Variante geringere Rollwiderstandswerte als die schmaleren 23er.

Die Erklärung für die besseren Rollwiderstandswerte breiterer Reifen: Aufgrund ihres größeren Volumens liegen sie – bei gleicher Aufstandsfläche – sprichwörtlich runder auf der Straße. Bei schmalen Reifen ist die Aufstandsfläche im Verhältnis deutlich länger als breit, beim Abrollen verformt sich der Reifen so stärker und walkt mehr – was sich negativ auf den Rollwiderstand auswirkt.

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RoadBIKE
Reifendruck beim Continental Grand Prix 4000 S II: 8 Bar versus realistischer Reifendruck.

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Video: So finden Sie die richtige Reifenbreite

ROADBIKE: So finden Sie die richtige Reifenbreite
ROADBIKE: So finden Sie die richtige Reifenbreite

Pro und Contra breite Reifen

Weitergedacht bedeutet das: Breitere Reifen rollen nicht nur leichter ab, sie fahren sich auch komfortabler, da der Reifendruck bei unvermindert gutem (oder geringerem) Rollwiderstand abgesenkt werden kann. Der breite Reifen schluckt Unebenheiten der Fahrbahn so spürbar effektiver als ein prall gefüllter, schmaler Pneu. Insbesondere auf schlechtem Untergrund oder auf langen Touren bieten breite Reifen so klare Vorteile, da sie den Fahrer entlasten. Beliebig absenken lässt sich der Luftdruck jedoch nicht, ab einem bestimmten Punkt steigt der Rollwiderstand wieder an. Wo genau diese Grenze liegt, ist je nach Hersteller sowie modellabhängig unterschiedlich.

Ein weiteres Argument für breite Reifen ist der höhere Pannenschutz. Beim Durchschlagstest etwa überprüfte ROADBIKE stichprobenartig bei einigen Herstellern die Werte in unterschiedlichen Breiten. Eindeutig das Ergebnis: In allen Fällen war das Durchschlagsrisiko mit breiteren Reifen deutlich geringer.

Sind breite Reifen also grundsätzlich die bessere Lösung? Nicht immer, denn die Breite bringt auch Nachteile mit sich: Fettere Pneus sind schwerer, beschleunigen träger, sie lenken etwas behäbiger ein, und ihre größere Stirnfläche erhöht den Luftwiderstand. Praktische Probleme ergeben sich daraus, dass breite Reifen nicht durch jede Bremse, jeden Rahmen und jede Gabel passen. Und last, but not least sind breite Reifen am Rennrad auch optisch einfach nicht jedermanns Sache.

Deshalb gilt: Die Wahl der richtigen Reifenbreite hängt vom Einsatzzweck, Einsatzort, Fahrertyp und persönlichen Vorlieben ab.

Welche Breite für Wen?

  • Der Rennfahrer

Sie achten auf jedes Gramm, mögen ein agiles, sportliches Handling und finden, ein Rennrad verdient nur dann diesen Namen, wenn es auch auf schmalen Reifen steht? Dann sind 23er-Pneus für Sie die richtigen.

  • Der Allrounder

Sie mögen es etwas komfortabler, fahren gerne und viel, sind bei Jedermann-Rennen und Radmarathons aber auch mal schneller unterwegs? Dann sind 25er-Reifen für Sie der goldene Mittelweg.

  • Der Tourer

Trägeres Lenkverhalten, geringes Mehrgewicht und aerodynamische Nachteile machen Ihnen nichts aus? Hauptsache, Komfort und Pannenschutz passen, auch auf schlechter Strecke? Dann sind 28er die beste Wahl.

Wie viel Druck gehört in den Rennradreifen?

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RoadBIKE
Empfohlener Luftdruck je Reifenbreite in Abhängigkeit des Körpergewichts.

Welcher Reifendruck für welches Fahrergewicht? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: Einsatzzweck, Ausrüstung, Vorlieben. Orientierung bieten die Tabellen oben und die Faustformel: „Je nach Untergrund ein halbes Bar mehr oder weniger.“

Breiten-Know-how

1. Genug Platz vorhanden?

Breite Reifen benötigen mehr Platz. Überprüfen Sie, ob Gabelkrone, Sitz- und Kettenstreben sowie bei Felgenbremsen die Gelenkarme der Bremsen und der Bremssteg genug Raum lassen. Beachten Sie, dass sich Reifen mit fortschreitender Nutzung etwas weiten. Was ursprünglich gerade so passt, kann dann zu knapp sein!

2. Andere Schläuche

28 Millimeter breite Reifen verlangen andere Schläuche als schmalere Pneus. Wenn Sie mehrere Räder oder unterschiedliche Laufräder nutzen und im Schadensfall nicht flicken möchten, prüfen Sie vor der Abfahrt, ob das Satteltäschchen mit passenden Ersatzschläuchen bestückt ist.

3. Passende Verbindung

Auch Felgen werden immer breiter. Einige Hersteller geben ihre neuen Modelle erst ab 25 Millimeter Reifenbreite frei. Wenn Sie auf eine breite Felge einen zu schmalen Reifen montieren, baut er flach und „unrund“. Im Spalt zwischen Felgenhorn und Reifen kann sich Schmutz sammeln, Defekte oder Materialverschleiß die Folge sein.

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