RB 0212 Legenden des Radsports Jürgen Tschan Witters

Legenden des Radsport: Jürgen Tschan

Jürgen Tschan im Porträt

Paris–Tours, Frankreichs rasanter Herbst-Klassiker, steht seit 1901 auf dem Profi-Rennkalender und ist wegen des flachen Parcours das bevorzugte Terrain für Sprintspezialisten. 1970 jedoch stellte mit Jürgen Tschan ein bis dato international unbekannter deutscher Jung-Profi alle Prognosen auf den Kopf.

1970 war auch das Jahr, in dem Eddy Merckx mit bereits 52 Saisonerfolgen die Rennszene praktisch nach Belieben dominierte: Er fuhr nicht weniger als 8 Etappensiege bei der Tour de France ein und sicherte sich zusätzlich das Bergtrikot und den Gesamtsieg. Doch damit nicht genug: Nach Paris–Roubaix, Gent–Wevelgem, dem Wallonischen Pfeil und der nationalen Meisterschaft gewann „der Kannibale“ im selben Jahr auch noch den Giro d’Italia. Für seine Gegner blieben nur noch Krümel übrig ... Als sich seine Helfer in der Faemino-Mannschaft auf das erlösende Saisonende freuten, ging es für andere, etwa die Peugeot-Fahrer in ihren berühmten weiß-schwarz-karierten Trikots, darum, bei den noch ausstehenden Rennen ihre Saisonbilanz noch ein wenig aufzupolieren.

Peugeot gibt Gas

Für die 285-Kilometer-Hatz von Paris nach Tours 1970 nominierte Peugeots Teamchef Gaston Plaud erstmals den 23-jährigen Neo-Profi Jürgen Tschan. Plaud war seinerzeit bekannt für seine Spürnase, neue Talente zu entdecken, darunter Godefroot, Simpson oder auch Merckx, die alle unter seinen Fittichen erste viel beachtete Schritte als Profis unternahmen. Auf Tschan wurde Plaud bereits ein Jahr zuvor aufmerksam, als der in Deutschland die Rennserie um die Peugeot-Trophäe gewann. Peugeot-Importeur Manfred Böhmer, der wenige Jahre später Präsident des BDR wurde, schaltete schnell und ermöglichte so seinem Schützling im Peugeot-Team den Sprung ins Profi-Lager. Für den Geschäftsmann erwies sich Tschan bald als dankbarer Werbeträger: Bei der Tour du Nord in Frankreich fuhr dieser, hinter dem späteren Tour-de-France-Direktor Jean-Marie Leblanc, auf den 4. Platz.
Doch bei Paris–Tours 1970 war die Konkurrenz, zwar ohne Merckx, aber mit Ex-Weltmeister Jan Janssen aus Holland, von einem ganz anderen Kaliber. Der italienische Supersprinter Marino Basso und die ebenso schnellen Belgier Guido Reybroeck und Roger De Vlaeminck standen hier ebenso am Start wie der Tour-Sieger von 1966, Lucien Aimar aus Frankreich, und Hollands späterer Grande-Boucle-Gewinner Joop Zoetemelk. Mit mehr als 40 Sachen hatte sich noch weit vor Tours eine größere Gruppe auf- und davongemacht. Unter ihnen Jan Janssen und Jürgen Tschan, die sich zusammen, nur wenige Kilometer vor dem Ziel, nochmals alleine absetzen konnten. Während die Fachwelt schon auf einen erneuten Klassikersieg durch Janssen wettete, kollabierte der ehrgeizige Holländer bei der brütenden Hitze und dem hohen Tempo völlig überraschend und machte so den Weg für den deutschen Peugeot-Mann frei. Die verdutzten Sprinter, angeführt von Reybroeck und Basso, kamen am Ende mehr als drei Minuten zu spät, um den einzigartigen Parforceritt des jungen Mannheimers noch stoppen zu können.

Deutscher Meister

Ein Jahr später gewann Tschan vor Puschel und Kemper zwar noch die Deutsche Straßen-Meisterschaft der Profis. Doch die Kombination von Bahnrennen im Winter und Straßenrennen im übrigen Jahr war wohl der Grund, weshalb es für Jürgen Tschan schließlich bei nur einem großen internationalen Erfolg blieb. Nach seiner Rennkarriere wurde Tschan Vertreter für Peugeot-Räder in Deutschland.

Jürgen Tschan: Daten & Fakten

- Am 17. 2. ’47 in Mannheim geboren.
- Bereits als Amateur fuhr Tschan Straßen- und Bahnrennen.
- ’67 wurde er Deutscher Meister im Zweier-Mannschaftsfahren, ’69 Vize-Meister auf der Straße.
- Als erster deutscher Profi gewann er ’70 Paris–Tours.
- An der Seite von Bugdahl, Renz, Duyndam, Schulze und Thurau (2-mal) siegte Tschan ’70 bis ’77 bei 6 Sechstagerennen.

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