RB 0511 Legenden des Radsports Jean Stablinksi dpa

Legenden des Radsport: Jean Stablinksi

Jean Stablinksi im Porträt

Die Niederlande waren immer schon eine Nation von Fahrradfahrern. Aber es sollte bis Mitte der sechziger Jahre dauern, ehe das Land im Konzert der großen Radsportnationen eine bedeutende Rolle spielte. Mitverantwortlich für den Aufstieg der Niederlande ist ein Franzose: Jean Stablinski.

Ein Eintagesklassiker mit dem Niveau von Mailand–San Remo oder der Flandern-Rundfahrt, so dachten sich die beiden Visionäre Herman Krott und Tom Vissers, würde Hollands Ansehen in der Welt des Radsports gewaltig steigern. Ermutigt durch das 1962 in Frankfurt gestartete Rund um den Henninger Turm schielten sie dabei auch nach einer Bierbrauerei als Hauptsponsor: Amstel. Die Traditionsmarke, die seit 1870 bis weit über die Grenzen aktiv war und heute der Heineken-Gruppe angehört, gab dem Rennen vom Start weg den Namen ihres Premiumbiers: Amstel Gold-Race.

Vollbremsung

Doch organisatorisch verlief die Premiere am 30. April 1966, zufällig Hollands Nationalfeiertag, alles andere als entspannt. Im Gegenteil: Nach immer neuen Streckenplänen, wobei zuerst Amsterdam, dann Rotterdam oder Utrecht und zuletzt Breda als Startort genannt wurden, sahen Krott und Vissers wegen der zahlreichen Brücken, Umleitungen und Polizeiauflagen keinen anderen Weg, als das Rennen vier Tage vor dem festgelegten Termin abzublasen. „Das war es dann wohl“, dachten die meisten. Doch überraschenderweise erhielten die Veranstalter noch während der Pressekonferenz die Nachricht aus dem Verkehrsministerium, dass ihr ehrgeiziges Rennprojekt letztendlich doch noch genehmigt würde.

Ford fährt vorn

So nahmen am genannten Datum mit Ausnahme von Peter Post und dem WM-Ersten von 1962, Jean Stablinski, fast nur Profis der zweiten und dritten Garnitur das über 302 Kilometer angesetzte Rennen in Angriff. Ob sich die Veranstalter später über den Sieg des Ex-Weltmeisters aus Frankreich freuen konnten, ist nicht bekannt. Denn bis kurz vor dem Ziel in der kleinen Gemeinde Meersen, unweit von Maastricht, sah alles noch nach einem formidablen Heimsieg durch Jan Hugens aus. Der Mannschaftskollege von Stablinski und dem Belgier Bernhard Van de Kerckhove im Ford-Team, die im Finale auf und davongeprescht waren, musste nach einem Kettenschaden hilflos zuschauen, wie seine beiden Kameraden um den Sieg spurteten. An diesem Tag erreichten nur 30 von 120 Fahrern das Ziel. Darunter auch Bernd Rohr, der 1962 in Mailand mit dem deutschen Vierer Weltmeister wurde. Eines ist jedoch gewiss: Durch Stablinskis Erfolg errang die Premiere des Amstel Gold Race letzten Endes doch noch das erhoffte Qualitätssiegel. Trotzdem sollte es noch einige Jahre dauern, bis die ganz großen Stars dem Rennen in Hollands Süden die verdiente Aufmerksamkeit schenkten.

Merckx gibt Gas

Das änderte sich schlagartig, als der große Eddy Merckx 1973 hier so ziemlich alles in Grund und Boden fuhr – für eine entsprechende Startgage. Jean Stablinski hatte seine erfolgreiche Karriere da bereits beendet. Für „Stab“, wie er in der französischen Rennszene auch genannt wurde, war das Amstel Gold Rennen ein weiterer Meilenstein in seiner langen Liste von Siegen – neben zahlreichen Etappenerfolgen bei Tour, Giro und Vuelta. Die Krönung seiner Karriere jedoch war der Gewinn der Straßen-Weltmeisterschaft 1962 am Gardasee. Das Amstel Gold Race entwickelte sich unterdessen zu einem der großen Radsportereignisse des Frühjahrs – nicht nur in Holland.

Jean Stablinksi: Daten & Fakten

- Geboren am 21. 5. 1932 in Thun-Saint-Amand (F), gestorben am 22. 7. 2007 in Lille (F).
- Der Sohn polnischer Einwanderer erhielt mit 21 Jahren seinen ersten Profi-Vertrag.
- Sein größter Erfolg war der Sieg bei der WM 1962.
- Zudem gewann er insgesamt elf Etappen bei Tour, Giro und Vuelta sowie die Gesamtwertung der Vuelta a España 1958.

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