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Ausprobiert: Wahoo SYSTM

Trainingssoftware Wahoo SYSTM Im Test: Wahoo SYSTM Trainingssoftware

Aus Sufferfest wird SYSTM: Nachdem Wahoo die Trainingssoftware übernommen hat, ist nun das rundum überarbeitete "Wahoo Systm" gestartet.

Stärker und schneller werden, fit für die gesetzten Ziele sein – wer wünscht sich das nicht? Und gemäß der alten Losung "Meister werden im Winter gemacht" eignet sich die kalte und dunkle Jahreszeit perfekt für gezielte Trainingsprogramme, die das eigene Leistungsvermögen auf ein neues Level heben sollen. Die neueste ist Wahoo SYSTM, wobei "neu" nicht ganz zutrifft, schließlich basiert sie zum großen Teil auf "Sufferfest", das Wahoo vor einiger Zeit erworben hat, um es in den Wahoo-Kosmos zu integrieren. Aber was kann die neue Software, und wie schlägt sie sich im Vergleich zu den Konkurrenten wie Zwift oder auch TrainerRoad? ROADBIKE hat Wahoo SYSTM im Test und wird fortlaufend über den Fortschritt berichten.

Kurz&Knapp

  • Name: Wahoo SYSTM
  • Plattformen: Windows, MacOS, Android, iOS
  • Preis: 16,49 Euro/Monat
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Radfahren, Yoga, Schwimmen, uvm: Das Angebot bei Wahoo SYSTM ist umfangreich.

Der Start

Erfreulich: Wahoo SYSTM lässt sich 14 Tage lang in vollem Umfang testen, erst dann ist ein monatlicher Betrag fällig. Mit 16,49 Euro liegt der Preis im Rahmen und ist damit beispielsweise etwas günstiger als das vergleichbare TrainerRoad, das aktuell 19,95 US-Dollar (ca. 17,30 Euro) pro Monat kostet. Zwift verlangt aktuell 14,99 Euro/Monat. Noch günstiger ist es, wenn man sich gleich für einen Jahresbeitrag entscheidet. Das hängt natürlich davon ab, ob man auch im Sommer mit SYSTM trainieren möchte. Dann entfällt natürlich auch die praktische, monatliche Kündbarkeit, sollte das Programm doch nicht zusagen.

Der erste Schritt ist bei jedem Trainingsplan die Analyse des Ist-Standes: Von Sufferfest hat Wahoo SYSTM das "4-Dimensional-Profile", kurz 4DP, übernommen. Das soll die Nutzer mit seinen individuellen Stärken und Schwächen deutlich detaillierter Abbilden als der reine FTP-Wert. Also ob er beispielsweise eher ein Sprinter, Zeitfahrer oder Puncheur ist, sodass die Workouts gezielt auf die Bedürfnisse abgestimmt werden können.

Dank guter Konnektivität lässt sich Wahoo SYSTM gut via ANT+ FE-C oder auch Bluetooth mit einem smarten Rollentrainer verbinden, der sich für das Training mit SYSTM definitiv empfiehlt. Dank des offenen Protokolls muss es auch kein Wahoo-Gerät sein, sondern Rollentrainer von Tacx oder Elite funktionieren genauso. Gleiches gilt für die Endgeräte: Egal ob iPhone, Android oder Laptop: Die Wahoo-SYSTM-App gibt es für alle Systeme. Weiterer praktischer Aspekt: Die Workouts lassen sich herunterladen, sodass fürs eigentliche Training kein Internetzugang nötig ist.

4DP statt FTP

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Die Grundlage: Das "4DP-Profil", das von jedem Fahrer per einstündigem Test ermittelt wird.

Das 4DP-Profil wird in einem ca. einstündigen Workout ermittelt, der in der Regel zu den ersten Einheiten gehört, die man mit SYSTM absolvieren sollte. Sehr gut für Einsteiger ist die Möglichkeit, sich mit einem mehrteiligen, einwöchigen Kurztrainingsplan auf den 4DP-Test vorzubereiten, denn dieser arbeitet mit 8- und 20-minütigen Intervallen, in denen man möglichst konstant seine höchstmögliche Leistung treten soll. Eine Aufgabe, die extrem schwierig ist, wenn man noch gar keine leise Ahnung hat, in welchem Bereich man sich da bewegt.

Als Alternative zur ersten groben FTP-Schätzung bietet SYSTM aber auch einen Rampentest an, bei dem der Widerstand auf der Rolle immer weiter in Stufen gesteigert wird, bis es nicht mehr geht. Gerade für Einsteiger ins wattgesteuerte Training ist das eine klar einfachere Variante.  Allerdings fehlen dabei, so Wahoo, wichtige Parameter für das 4DP-Profil, sodass an diesem Test kein Weg vorbeiführt. Eventuell sollte man insbesondere zu Beginn vielleicht einen zweiten Test zur Kontrolle hinterherfahren, im Abstand von rund einer bis zwei Wochen, um das eigene Leistungsniveau so gut wie möglich abschätzen zu können. Denn gerade bei wenig Zeit auf der Rolle sollte das Training so effektiv wie möglich ausfallen.

Viele Trainingspläne

Ist der Test absolviert, steht die Auswahl des Trainingsplans an. Was auf den ersten Blick für Neulinge angesichts der Fülle der Möglichkeiten kompliziert klingt, ist bei SYSTM vergleichsweise einfach und nutzerfreundlich gelöst. Mit wenigen Fragen wird abgeklärt, wo die Ziele liegen, wie viel Zeit pro Woche fürs Training zur Verfügung stehen und ob man jenseits der Rolleneinheiten auch andere Elemente wie Yoga, Mentaltraining oder auch Krafttraining zur Rumpfstabilisierung integrieren möchte.

Ein positiver Punkt: Bereits für rund 3 Stunden pro Woche gibt es Trainingspläne, sodass auch Nutzer mit knappem Zeitbudget abgeholt werden. Aber natürlich gilt, dass der Trainingseffekt umso größer ist, wenn etwas mehr Zeit investiert werden kann.

Die Trainingspläne sollen laut Wahoo auf die jeweiligen Stärken und Schwächen gemäß des 4DP-Profils ausgerichtet sein, im Fall von RB-Redakteur Christian Brunker das eines Zeitfahrers, der aber an seiner maximalen aeroben Power (MAP) arbeiten muss. Ob das funktioniert und wie groß die Verbesserungen am Ende wirklich sind, muss der langfristige Test zeigen.

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Die Einheiten werden automatisch im Kalender verteilt, können aber nicht gebündelt sondern nur einzeln verschoben werden.

Kleiner Kritikpunkt an den Trainingsplänen: Zwar lässt sich der Starttermin frei festlegen, die Einheiten werden dann aber automatisch auf die Wochentage verteilt und man kann beispielsweise nicht einzelne Wochentage angeben, an denen man am besten Zeit hat. Zwar lassen sich die Einheiten verlegen, doch immer nur Einzeln, was bei einem zweimonatigen Trainingsplan viel Klickarbeit bedeutet.

Auch wenn der Plan – etwa wegen einer Erkrankung, Dienstreisen oder anderen Verpflichtungen – mal pausieren muss, würde man sich wünschen, alle ausstehenden Einheiten gebündelt um eine oder zwei Wochen nach hinten verschieben zu können. Da sollte Wahoo noch mit einem Update nacharbeiten.

Eine weitere Verbesserungsanregung: Einmal gestartete Pläne lassen sich nicht mehr wirklich bearbeiten oder verändern, sondern nur komplett löschen. Besser wäre es, wenn man diese Pläne auch noch nachträglich anpassen könnte, also beispielsweise den Umfang erhöhen, wenn man phasenweise mehr Zeit hat, oder eben reduzieren.

Das Training

Ist das Profil erstellt und der Trainingsplan im eigenen Kalender aktiv, steht früher oder später das erste Workout an – und da muss sich entscheiden, ob sie geeignet sind, die Motivation über mehrere Wochen und Monate aufrechtzuerhalten. Charakteristisch für SYSTM sind die von Sufferfest übernommene Untermalung der Workouts mit motivierender Musik und Rennszenen aus dem Profi-Peloton, Untertitel (leider aktuell nur auf Englisch) erklären die Workouts und die anstehenden Intervalle.

Das funktioniert zumindest in den ersten Wochen gut, so lange die eigene Motivation hoch ist. Auf der anderen Seite fehlt hingegen der soziale Aspekt, wie ihn beispielsweise Zwift bietet, gleiches gilt für eine virtuelle Umgebung. Auch verdient man sich durch absolvierte Workouts keine, wie auch immer gearteten Belohnungen, einzig ein paar Patches kann man sich freischalten.

Wahoo SYSTM ist, wie auch TrainerRoad, deutlich trockener und auf das gezielte Training fokussiert, der Gaming-Aspekt von Zwift fehlt völlig. Die Motivation fürs mitunter harte Indoor-Training muss nahezu komplett selbst aufgebracht werden. Das muss man wissen. Da hilft es natürlich, wenn man klare Saisonziele hat, für die man arbeitet und sein Programm durchzieht.

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Die eigentlichen Einheiten von Wahoo SYSTM wirken durchdacht und sind durch die Videos und die Erklärungen durchaus kurzweilig, zumindest wenn sie nicht deutlich über 60 Minuten hinausgehen. Und am Ende steht natürlich immer die Hoffnung und Erwartung, dass sich der vergossene Schweiß spätestens im Frühjahr durch eine bessere Performance draußen auszahlt und die Saisonziele erreicht werden. Die Anforderungen in den einzelnen Workouts funktionieren im Testeindruck gut: Man wird ordentlich gefordert, fühlt sich aber gleichzeitig auch nie überfordert. Kleines Manko: Es ist (noch) nicht möglich, einzelne Workouts zu exportieren und sie dann beispielsweise auf seinem Garmin zu überspielen und draußen zu absolvieren.

Mehr als nur Rollentraining

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Auch Yoga-Einheiten können in den Trainingsplan integriert werden.

Ein klarer Pluspunkt bei Wahoo SYSTM im Vergleich zur Konkurrenz: Das Programm beschränkt sich nicht nur auf Rolleneinheiten, sondern fasst das Training deutlich weiter. So sind auch bespielsweise Yoga oder Krafttraining enthalten, um den Rumpf zu stabilisieren – was sich natürlich auch positiv auf das Leistungsvermögen auswirkt und im Rennradfahrer-Alltag oftmals vernachlässigt wird.

Allerdings könnten beispielsweise die Krafttrainingseinheiten auch noch besser strukturiert sein, sodass man sie besser nachmachen kann. So könnte beispielsweise erst die Instruktion gezeigt werden, die erklärt, wie die Übung ausgeführt wird, wie viele Wiederholungen es sein sollen oder wie lange man eine Position halten muss. Danach startet dann die eigentliche Übung. Denn gerade bei den Anweisungen auf Englisch muss man doch genauer hinschauen, wie genau die Übung funktioniert. Außerdem sind die Workouts teilweise relativ kurz, weniger als 20 Minuten.

Bei den Yoga-Einheiten ist es ähnlich: Auch hier wäre etwas mehr Erklärung, insbesondere für Yoga-Neueinsteiger, nützlich.

Fazit

Unter dem neuen Namen SYSTM hat Wahoo die Stärken von The Sufferfest übernommen. Der detaillierte Leistungstest und die darauf abgestimmten Trainingseinheiten lassen es zu, effektiver an Schwächen zu arbeiten und die eigenen Stärken zu verbessern. Zusammen mit den Yoga- und Kraft-Einheiten wird daraus ein runder Trainingsplan. Fehlende Anpassungsmöglichkeiten im Plan lassen aber noch Wünsche offen. Hier würde man sich als User über eine Update freuen. Und ob die zusammengeschnittenen Rennszenen die Motivation über Wochen und Monate aufrecht erhalten können, muss jeder selber entscheiden.

 Das hat uns gefallen:

  • detaillierter Leistungstest (4DP)
  • benutzerfreundlicher Einstieg und einfacher Weg zum eigenen Trainingsplan
  • auf Stärken und Schwächen angepasste Trainingseinheiten
  • großer Katalog an unterschiedlichen Einheiten
  • abwechslungsreiche Videobegleitung für viele Trainingseinheiten
  • ergänzende Kraft- und Yoga-Übungen oder auch Mentaltraining

 Und das weniger:

  • momentan nur auf Englisch
  • Plan lässt sich nachträglich nur umständlich anpassen, oder komplett neu erstellen
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