RB 0911 Legenden des Radsports Hubert Opperman Süddeutsche Zeitung

Legenden des Radsport: Hubert Opperman

Hubert Opperman im Porträt

Am 21. August drehen sich bei dem Rennrad-Brevet Paris–Brest–Paris wieder die Räder. Da werden Erinnerungen an Sir Hubert Opperman wach. Vor genau 80 Jahren gewann er als erster Australier das ehemals längste Profi-Radrennen der Welt. Das 1951 letztmals ausgetragene Rennen war knapp 1200 km lang.

Heute wird PBP, wie der Radmarathon auch kurz genannt wird, im 4-Jahres-Rhythmus nur noch als Brevet oder Jedermann-Rennen organisiert. Um teilnehmen zu dürfen, müssen die rund 6000 Starter aus der ganzen Welt einen Ausdauernachweis über bis zu 600 Kilometer vorlegen.
Paris–Brest–Paris wurde, ähnlich wie die Tour de France und der Giro d’Italia, von einer Zeitung ins Leben gerufen, dem „Le Petit Journal“ – und zwar im Jahr 1891. Damit ist PBP älter als die berühmten Rundfahrten. Wegen des enormen Aufwands entschieden die Initiatoren in jenem Jahr, ihr abenteuerliches Rennprojekt nur alle 10 Jahre durchzuführen. Dass man damals mit den sogenannten „Vélocipèdes“ eine solche Monsterdistanz im Renntempo in Angriff nahm, steigerte die Popularität des Radsports im ganzen Land enorm und sorgte auch weltweit für Begeisterung. Zumal das Ganze auf Straßen stattfand, wie man sie heute nur noch von Rennen wie Paris–Roubaix kennt. Auf Rädern mit schweren Stahl-Rahmen und natürlich ganz ohne Schaltung.

Outback-Abenteurer

10 Jahre nachdem mit Louis Mottiat aus Belgien, besser bekannt als „der Stählerne“, erstmals ein Ausländer in Paris als Sieger gefeiert wurde, holte sich 1931 mit Hubert Opperman zum ersten Mal ein Australier eine Startnummer ab. Für die französischen Medien galt er zunächst noch als Abenteurer aus dem Outback. Dabei war „Oppy“ nach einer Serie vor Ausdauererfolgen bei Straßen- und Bahnrennen auch in Europa längst kein Unbekannter mehr. So hatte er 1928 auf der offenen Rennbahn von Buffalo in Paris beim berühmten „Bol d’Or“-24-Stunden-Rennen für Furore gesorgt. Als Sieger hatte er dem haushohen Favoriten André Mouton 106 Runden – umgerechnet 53 Kilometer – abgeknüpft. Um sich für das Rennen nach Brest und zurück die entsprechende Form zu holen, nahm Opperman, dessen Eltern aus Deutschland stammten, an der Tour de France teil. Es war jene Frankreich-Rundfahrt, wo ein gewisser Max Bulla aus Österreich sein Land mit 3 Etappensiegen auf die Radsportkarte katapultierte.
Der 12. Platz im Endergebnis – nach 5095 ultraschweren Kilometern vor Bulla (15.) – brachte Opperman die Gewissheit, dass er für sein nachfolgendes Ziel, den Radmarathon Paris–Brest–Paris, gut gerüstet war. Zunächst sah alles nach einem ungefährdeten Sieg Oppermans aus, trotz des unangenehmen Dauerregens. Doch kurz vor Paris wurde der Australier dann noch von dem spurtstarken Léon Louyet aus Belgien eingeholt. Allerdings stürzte der völlig entkräftete Wallone bei der Einfahrt auf die spiegelglatte Rennbahn in der französischen Hauptstadt und machte so nach 52:11:01 Stunden den Weg für den ebenso ausgezehrten Opperman frei. Nur 14 der 28 gestarteten Teilnehmer erreichten letztlich das Ziel.

Order of the Empire

Nach dem Ende seiner Rennkarriere kämpfte Opperman im 2. Weltkrieg in Asien als Jagd- und Bomberpilot. Anschließend zog er in die Politik, zuerst als einfacher Abgeordneter und später gar als Minister, unter anderem für Transport, Arbeit und Immigration. Von 1967 bis ’72 wurde Opperman zum ersten Hochkommissar Australiens in Malta bestellt und erhielt den Ritterorden, weshalb er sich fortan „Sir“ nennen durfte.

Hubert Opperman: Daten & Fakten

- Wurde am 29. 5. 1904 in Rochester (Aus) geboren.
- Er starb am 24. 4. 1996 bei Melbourne.
- Der Ausdauerspezialist gewann 4-mal die Australische Straßenmeisterschaft und stellte über 100 nationale und internationale Langstrecken- und Geschwindigkeitsrekorde auf.
- 1928 wurde er 3. bei Paris–Brüssel – hinter Weltmeister Georges Ronsse (B).

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