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Schlussattacke: Höllenkumpels

Höllenkumpels

Jeden Monat finden Sie in RoadBIKE die Radsport- und Rennrad-Kolumne von Martin Gerstner – hier gibt’s ausgewählte Beiträge zum Nachlesen. Das Thema in diesem Fall: Höllenkumpels

Sonntagmorgen – eigentlich wollte man die Literatursendung im Radio hören, einen Kaffee trinken und die Sonntagspresse lesen. Stattdessen öffnet man die Tür für vor sich hin rotzende Männer, die in die Wohnstube poltern und Apfelschorle verlangen. Radkumpels können die Hölle sein. In Momenten wie diesem stellt sich wieder die ewig junge Frage: Soll man durch Einzeltraining dem Irrsinn der Gruppe entgehen? Schließlich wurde die Gruppe nur erfunden, um in der Frühzeit des Radsports die Mistgabeln betrunkener Bauern abzuwehren. Legendäre Gruppettos bestanden meist aus Belgiern, die vor jedem Anstieg munter ihre Pillen austauschten und sich einen Spaß daraus machten, kollektiv in die Vorgärten zu pinkeln.
Diese Tradition setzt das Gruppetto der Freizeitradler fort. Einige Teilnehmer sitzen bereits nach 10 km im Café, andere suchen sich ein lauschiges Plätzchen im Windschatten und machen dort ihre Steuererklärung. Die Dialoge erreichen das Niveau einer Tube Montagepaste („mit dem neongelben Windstopper siehst du aus wie ein sexuell verirrter Papagei, Alter!“). Der iPod ist auch keine Lösung, weil man die Kommandos: „27er-Schnitt! Pulskontrolle!“ nicht mehr hört und erst nach stundenlangem Tempobolzen bemerkt, dass die anderen nicht mehr im Windschatten, sondern im Biergarten hängen.
Andererseits: Das Schöne am Gruppentraining ist die Berechenbarkeit. Man sieht die pochende Halsschlagader des Vordermanns, welche totale Erschöpfung signalisiert, kennt seine Vorliebe für schwere Desserts, die sich am Berg bitter rächen. Und wem sonst würde man sein bestes Stück (die Carbon-Sattelstütze) zeigen? Deshalb muss man das Gruppetto lieben. Es bietet eine fast embryonale Geborgenheit. Bis zu dem Moment, wo es von hinten wieder brüllt: „Ortsschildsprint!“

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Nichts bremst Rennradfahrer so stark wie der Luftwiderstand.

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