RB 0812 Legenden des Radsports Hennie Kuiper dpa

Legenden des Radsport: Hennie Kuiper

Hennie Kuiper im Porträt

Hennie Kuiper genießt noch heute großes Ansehen in seiner holländischen Heimat. Und hätte er beim Tour-Finale in Paris nicht gleich 2-mal knapp Platz 1 verpasst, wäre Kuiper zweifelsfrei der erfolgreichste Radsportler der Niederlande geworden.

Aber so weit kam es für das Multitalent aus Twente nicht. 1977 fehlten ihm in der Endabrechnung in Paris gegenüber Bernard Thevenet aus Frankreich nur 48 winzige Sekunden. Und das trotz seiner grandiosen Siegesfahrt nach Alpe d’Huez. Es war jener strahlende Sommer, in dem der junge Didi Thurau ganz Deutschland mit 5 Etappensiegen in eine wahre Tour-Euphorie versetzte.
Im internationalen Radsport-Zirkus wurde Kuiper nicht immer die Anerkennung zuteil, die er verdiente. Das lag hauptsächlich an seiner eher unauffälligen Fahrweise. Kuiper war eben nicht der strahlende Sprinter wie später etwa Mario Cipollini. Genauso wenig kletterte er wie der beste Bergspezialist in jener Periode, Lucien Van Impe. Und auch als Zeitfahrer fehlten ihm die letzten paar Prozent, um gegen Fahrer wie Bernard Hinault erfolgreich zu bestehen. Doch Kuiper punktete auf jedem Terrain. In der Summe machte ihn das zu dem Champion, der er später wurde.

Dem Sturz zum Trotz

So düpierte er reihenweise seine Gegner. Etwa 1983, als er beim Höllenritt nach Roubaix Gilbert Duclos-Lasalle und Francesco Moser sicher auf Distanz halten konnte. Und zwar trotz zweier Stürze und einem Radbruch. Ähnlich erfolgreich agierte er bei weiteren schweren Klassikern wie Mailand–San Remo, der Flandern- oder Lombardei-Rundfahrt. Die absolute Krönung aber war der Gewinn der Straßen-WM der Profis 1975 im belgischen Yvoir. Hier fuhr der energische Holländer den Favoriten Merckx und De Vlaeminck ebenfalls auf und davon. Die verdutzten belgischen Fans trauten ihren Augen nicht.

Ergänzungsspieler

Dabei musste sich Kuiper 3 Jahre zuvor im holländischen Amateurteam für Olympia 1972 in München noch mit der Rolle als Ersatzmann zufrieden geben. Fedor den Hertog war als nimmermüder Tempomacher der Fixpunkt. Für das Mannschaftszeitfahren auf der Autobahn zwischen Penzberg und Wangen suchte der Trainerstab nach einem weiteren gleichwertigen Fahrer, der den erfahrenen Cees Priem sowie Aad van den Hoek harmonisch ergänzen sollte. Letztendlich zog nicht Fritz Schür das große Los, sondern der Zweite der schweren DDR-Rundfahrt: Hennie Kuiper.
Für den niederländischen Vierer ging es in München darum, nach den Erfolgen von 1964 (Tokio) sowie 1968 (Mexiko) erneut Gold zu erobern. Aber noch ehe das halbe Rennen absolviert war fiel van den Hoek wegen
eines Defekts aussichtslos zurück. Den Hertog, Priem und Kuiper erzielten trotz dieses Malheurs nach 100 schweren Kilometern noch die drittbeste Zeit. Doch einen Tag danach wurde bekannt, dass ausgerechnet van den Hoek auf ein Präparat positiv getestet wurde, welches zwar nicht auf der roten Liste der UCI stand, bei Olympia aber als Dopingmittel galt.

Goldene Revanche

Dennoch: Hennie Kuiper gelang im Münchener Vorort Grünwald die Revanche – 2 Tage nach dem blutigen Überfall palästinensischer Terroristen im olympischen Dorf. Nicht die Favoriten Francesco Moser aus Italien oder der belgische Supersprinter Freddy Maertens gewannen Gold, sondern Hennie Kuiper. Für die Niederlande war es der erste Titel im Straßenrennen bei Olympia. Und – zumindest bei den Herren – bislang auch der letzte.

Hennie Kuiper: Daten & Fakten

- Geboren am 3. Februar 1949 in Denekamp/Niederlande.
- Er gewann als Amateur 1972 die Tour of Britain und Gold im olympischen Straßenrennen.
- 1973 wurde er Profi und gewann in seiner Karriere mehr als 80 Rennen.
- Darunter WM, Tour de Suisse, Flandern-Rundfahrt, Paris–Roubaix, Mailand–San Remo und die Lombardei-Rundfahrt.

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