RB 0411 Legenden des Radsports Guillermo Timoner Witters

Legenden des Radsport: Guillermo Timoner

Guillermo Timoner im Porträt

Mit 80 Sachen und mehr hinter knatternden Motorrädern über die Bahn: Steherrennen sind packende Events. Trotzdem gehören sie heute nicht mehr zum Repertoire einer Bahn-WM. Rasante Kerle wie Guillermo Timoner scheinen einfach nicht mehr en vogue zu sein.

Als einer der ganz Großen dieser besonderen Zunft gilt er – viele Rennsportexperten sehen in ihm gar den besten Profi-Steher aller Zeiten: Guillermo Timoner. Warum sich ausgerechnet der Sohn eines Landarbeiters aus dem beschaulichen Felanitx für die High-Speed-Rennen auf der Bahn entschied? Ein Grund waren die schlechten Straßenverhältnisse in seiner Heimat Mallorca Ende der 40er-Jahre. Überdies waren die Bahnmeetings auf der Balearen- Insel damals enorm populär. Und Timoner enorm erfolgreich. Nach dem Gewinn diverser nationaler Bahntitel fuhr er 1955 auf eigene Kosten zur Steher-WM nach Mailand, um die gesamte Weltelite vorzuführen. Die Verantwortlichen des spanischen Radsportverbandes trauten ihren Augen nicht, als Timoner erster Spanischer Bahnrad-Weltmeister überhaupt wurde. In den folgenden Jahren gewann der rasende Mallorquiner fünf weitere Titel und zwei Vize-Titel. Aber damit nicht genug: Beim WM-Finale 1960 in Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt, spulte er die 100-km-Distanz mit einem Schnitt von mehr als 82 km/h ab. Die bis dahin schnellste Steher-WM aller Zeiten!

Extrem bis ins Alter

Mit nur 1,62 Meter Körpergröße, aber gewaltiger Oberschenkelmuskulatur besaß Timoner geradezu Idealmaße, um vom Fahrtwind geschützt eine Monsterübersetzung von bis zu 66 x 14 rund zu treten. Sogar beim täglichen Training im hohen Alter absolvierte er seine Standardroute stets mit einem extrem hohen Gang. Ohne zu schalten, wohlgemerkt – selbst wenn es dabei bergauf ging. Nach einer Unterbrechung von 15 Jahren startete Timoner 1983, inzwischen 57-jährig, ein groß angekündigtes Comeback. Die Sportzeitungen widmeten dem nimmermüden Timoner zahllose Reportagen und Kommentare. Doch die UCI setzte dieser wahnwitzigen Idee wenig später ein Ende. Aus Sorge um die Gesundheit des Spaniers, wie es offiziell hieß.

Ende einer Tradition

Elf Jahre später wurde die Steher-WM 1994 schließlich zu Grabe getragen – aus diversen Gründen: Zu teuer, meinte der Radsportweltverband UCI, und deshalb in Radsport-Entwicklungsländern nicht förderlich. Andere Stimmen behaupten, dass die motorisierten Schrittmacher durch interne Absprachen zu viel Einfluss aufs Renngeschehen hatten. Doch den Todesstoß versetzte den einst so hochkarätigen Bahnveranstaltungen wohl vor allem das rückläufige Zuschauerinteresse. Und das, obwohl die motorgestützten Titelkämpfe bereits 1895 in Köln ins Leben gerufen worden waren – und damit eine längere Tradition als die Straßen-WM-Rennen haben. Auf der Straße wird erst seit 1927, damals auf dem Nürburgring, um das begehrte Regenbogentrikot gekämpft.

Für die Ewigkeit

Doch trotz des Niedergangs seiner Sportart ist Timoner, der am 24. März seinen 85. Geburtstag feiert, in seiner Heimat nach wie vor allgegenwärtig. Im Kloster „Santuari de Sant Salvador“, unweit von Felanitx, sind die sechs Regenbogen-Trikots des berühmten Radsportlers ausgestellt, die er zwischen 1955 und 1965 errang. Sein ehemals kleiner Radsportladen in Felanitx wurde inzwischen zu einem privaten Radsportmuseum umfunktioniert, um dort weitere Devotionalien Timoners ausstellen zu können. Und am Ortsrand von Felanitx trägt das neue Sportzentrum der Stadt seinen Namen.

Guillermo Timoner: Daten & Fakten

- Am 24. März 1926 in Felanitx geboren, wurde Timoner 1955 erster Spanischer Bahnradweltmeister.
- Insgesamt gewann er sechs WM-Titel.
- In 13 europäischen Städten, darunter Dortmund, Frankfurt und Köln, gelangen ihm Bahngeschwindigkeits-Rekorde.
- Zudem wurde der Mallorquiner zweimal zu Spaniens Sportler des Jahres gewählt.

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Nichts bremst Rennradfahrer so stark wie der Luftwiderstand.

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