RB 0412 Legenden des Radsports Gianni Bugno Roth/Augenklick

Legenden des Radsport: Gianni Bugno

Gianni Bugno im Porträt

Knappe Sprintentscheidungen sind im Radsport oftmals das Salz in der Suppe. Obwohl moderne Zielfilmtechnik unbestechlich und millimetergenau das Ergebnis zeigt, bleiben heftige Diskussionen nicht aus. So wie bei der Flandern-Rundfahrt 1994 in Meerbeke als Gianni Bugno denkbar knapp triumphierte:

Nach kurzem Blick auf den Zielfilm erklärte der diensthabende Zielrichter den Italiener Gianni Bugno ohne Wenn und Aber zum Sieger. Doch dann überraschte ihn der energische Protest von Eddy Museeuw, der seinen Sohn Johan als Ersten im Ziel gesehen haben wollte – trotz elektronischem Beweis. Zunächst wurde ihm ein Blick auf das wertvolle Beweisstück verweigert. Dank der Intervention von UCI-Präsident Hein Verbruggen konnte Museeuw senior den Zielfilm aber wenig später doch noch prüfen – zusammen mit den herbeigeeilten Fotografen und Kameramännern. Bugno oder Museeuw? Der Unterschied war, je nach Blickwinkel, kaum zu erkennen. Und so wurde noch Tage nach dem erhitzten Finale des flämischen Klassikers weiter hin und her diskutiert. Was nicht nur die Sportseiten füllte, sondern vor allem den Bierkonsum in den belgischen Supporter-Kneipen in die Höhe trieb.

Museeuw zaudert

5 Millimeter sollen es gewesen sein. Eine Differenz, die mit bloßem Auge kaum erkennbar ist. Vater Museeuw erhielt sogar aus dem Ausland Bilder zugeschickt, die Johan knapp, aber sicher vorn sahen. Es blieb, ähnlich wie im Fußball, bei der Tatsachenentscheidung. Welch ein Drama für den „Löwen von Flandern“ – und welch große Erleichterung für Bugno. Hätte der pokernde Museeuw seinen Zielspurt ein paar Tritte früher gestartet und dabei das Hinterrad des davoneilenden Italieners fixiert, wäre er mit seinem vierten Triumph zum absoluten König der „Ronde“ gekrönt worden. Doch Museeuw vertraute auf seinen Ex-Kollegen Andrei Tschmil – und verspielte den Sieg knapp.

Bugnos Erlösung

Doch Bugnos Erfolg in Flandern war keineswegs unverdient. Zugegeben, der stille Italiener hatte in der vorangegangenen Saison kaum Grund zum Feiern gehabt. Nur beim GP Gippingen in der Schweiz konnte der ehemalige Giro-Sieger und Weltmeister ein Top-Ergebnis einfahren. Entsprechend musste er sich eine Menge Kritik gefallen lassen. Doch an diesem denkwürdigen Ostersonntag in Flandern holte Bugno zu einem wahren Befreiungsschlag aus. Unermüdlich beteiligte er sich den ganzen Tag an der Führungsarbeit im Peloton, auch als er mit Ballerini, Museeuw und Tschmil vorn lag. 200 Meter vor dem Ziel lancierte er dann seine siegreiche Schlussattacke. Bugno, ein vielseitiges Multitalent, war für seine lang gezogenen Sprints im Peloton gefürchtet. Das hätte der zögernde Museeuw wissen müssen – doch sein Konter kam zu spät. Und so reichten Bugno nach 268 schweren Kilometern eben jene 5 bescheidenen Millimeter zum Sieg.

Ein Wundermittel

Mit dem Krimi von Meerbeke begannen aber auch die Mutmaßungen über ein neues Wundermittel aus Italien, über das hinter den Kulissen viel gemunkelt wurde: EPO! In einer Stellungnahme reagierte UCI-Boss Verbruggen auf einen offenen Brief der Presse, welcher am Vorabend des Starts in St.-Niklaas veröffentlicht wurde. Verbruggens Aussage: „Solange nichts bewiesen ist, ist alles Spekulation.“ Edwig Van Hooydonck wusste mehr. Der Sieger der Flandern-Rundfahrt von 1989 und 1991 beendete wenig später vorzeitig seine hoffnungsvolle Rennkarriere – enttäuscht von den neuen Dopingpraktiken. Für Bugno war die Ronde der letzte große internationale Erfolg.

Gianni Bugno: Daten & Fakten

- Bugno wurde am 14. 2. 1964 in Brügg/Schweiz als Sohn italienischer Gastarbeiter geboren.
- Von 1985 bis 1998 war er Radprofi.

Seine größten Erfolge:
- Siege bei Giro d’Italia 1990, Mailand–San Remo 1990, Clasica San Sebastian 1991, Flandern-Rundfahrt 1994.
- Zweiter bei der Tour de France 1991 und 1995.
- Straßenweltmeister 1991 und 1992.

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