RB 0611 Legenden des Radsports Fiorenzo Magni Witters

Legenden des Radsport: Fiorenzo Magni

Fiorenzo Magni im Porträt

Fiorenzo Magni hatte es bei den Tifosi im eigenen Land wahrlich nicht leicht. In einer Zeit, in der Italien und die ganze Radsportwelt Fausto Coppi und Gino Bartali wie Außerirdische feierte, blieb er stets nur der Ersatz-Champion. Dabei gab der Modellathlet aus der Toskana den Stars jener Periode reihenweise das Nachsehen.

Etwa im Frühjahr 1948, als er nach mehr als 4000 Kilometern zum ersten Mal den Giro d’Italia für sich entschied. Für Coppi-Superstar blieb damals nur der Sieg im Bergklassement übrig. Und Magni ließ nicht locker. 1949 gab er bei der Flandern-Rundfahrt zur Verblüffung der belgischen Fans diesmal Briek Schotte das Nachsehen. Und zwar deutlich. Doch damit nicht genug. In den folgenden beiden Jahren wiederholte der athletische Italiener mit dem kraftstrotzenden Tritt diesen Coup auf den flämischen Pflastersteinen. Um ein Haar hätte der neue „Löwe von Flandern“ oder „Il Leone delle Fiandre“ zwischendurch, 1950, auch noch die Tour de France gewonnen.

Aufruhr in Frankreich

Auf der 11. Etappe hatte er dem Franzosen Bernard Gauthier das magische Gelbe Trikot entrissen. Vieles deutete auf einen späteren Gesamtsieg Magnis in Paris hin. Und das, obwohl er im Hochgebirge alles andere als ein Ass war. Doch durch die rüpelhaften Attacken mehrerer chauvinistischer französischer Zuschauer kam alles ganz anders. Nach deren Geschmack nämlich agierten die italienischen Fahrer zu defensiv. Es wurde ihnen sogar mit Schlagstöcken und Messern gedroht. Oder waren es verspätete Rachegelüste für die Geschehnisse im 2. Weltkrieg? Aus Protest verließen die beiden italienischen Nationalteams, angeführt von Gino Bartali, prompt die Grande Boucle. Als der Mann in Gelb war Fiorenzo Magni darüber allerdings verständlicherweise alles andere als amüsiert. Magni: „Ich wurde gar nicht gefragt, ob ich mit diesem Boykott einverstanden war. Nach der Tour allerdings zog Bartali, der das Ganze initiiert hatte, zu diversen hoch dotierten Kriteriumsrennen in Frankreich. Ich aber, als aktueller Maillot-Jaune-Träger und Etappensieger, wurde leider nicht eingeladen.“ Der Tour-Sieg 1950 von Ferdy Kübler, dem Urgestein aus der Schweiz, war nach 22 schweren Etappen allerdings ebenfalls beileibe nicht unverdient.
Doch Magni hielt sich nicht lange damit auf, dieser nach seinem Geschmack dubiosen Episode nachzutrauern. Wenig später, nachdem er 1951 zum dritten Mal in Folge bei der Ronde van Vlaanderen für eine weitere One-Man-Show gesorgt hatte, steuerte er seinen zweiten Erfolg beim Giro an. Nicht Coppi, Bartali, Koblet, Kübler oder Bobet, sondern Rik Van Steenbergen, wie Magni eher ein Sprint-Spezialist, präsentierte sich letztendlich als hartnäckigster Gegner. Ausgerechnet bei der waghalsigen Abfahrt vom Passo di Castalunga nach Bozen, auf der 18. Etappe, nahm Magni dem großen Rik das Rosa Trikot ab. Wie dem technisch versierten Belgier dieses Malheur passieren konnte, ist bis heute ein Rätsel. Kurz vor seinem Tod 2003 gab Van Steenbergen zu: „Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, hätte ich den Giro ’51 niemals verloren …“

Sein bestes Jahr

Für Fiorenzo Magni wurde 1951 schließlich zum besten Jahr in seiner gesamten Karriere als Radrennfahrer. Er holte nach Flandern-Rundfahrt und Giro d’Italia weitere Siege bei der Landesmeisterschaft, Mailand–Turin, Lazio-Rundfahrt, Romagna-Rundfahrt. Zudem belegte er bei der WM in Varèse den 2. Platz hinter Ferdy Kübler. Anfang Dezember 2010 feierte der später sehr erfolgreiche Geschäftsmann seinen 90. Geburtstag.

Fiorenzo Magni: Daten & Fakten

- Der Italiener wurde am 7. 12. 1920 in Vaiano di Prato bei Florenz geboren.
- Er war von 1941 bis 1956 Rad-Profi.
- Das Kraftpaket aus Monza war neben Fausto Coppi einer der vielseitigsten italienischen Fahrer seiner Generation.
- Er siegte je 3-mal bei Giro, Flandern-Rundfahrt und Italienischer Meisterschaft. Dazu holte er viele weitere Podiumsplätze.

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