RB 0512 Legenden des Radsports Ferdy Kübler Witters

Legenden des Radsport: Ferdy Kübler

Ferdy Kübler im Porträt

Kaum ein Rennfahrer sammelte so viele respektzollende Spitznamen wie der erfolgreichste Schweizer Radprofi aller Zeiten: Vor 60 Jahren gewann Ferdy Kübler zum zweiten Mal in Folge das schwere „Ardennen-Wochenende“.

Den „Adler von Adliswill“ nannten ihn die Journalisten in seiner Heimat bewundernd. Später wurde er „Ferdy National“. Viele seiner Rennrad-Kollegen betitelten ihn wegen seiner nie nachlassenden Attacken auch als „Le Fou Pédalant“, zu Deutsch „der radelnde Verrückte“. „Ich fahre sie alle kaputt“, soll Kübler während eines Rennens einmal gesagt haben. Während der Tour de France 1955 überschätzte der Schweizer Champion sein Kraftpotenzial allerdings so sehr, dass er bei brütender Hitze komplett ausgelaugt nur mühevoll die kahlen Flanken des Mont Ventoux bezwang. Das Ziel in Avignon erreichte er mit beinahe einer halben Stunde Rückstand auf Etappensieger Louison Bobet. Dabei hatte sein Mitstreiter Raphael Geminiani den wilden Ferdy noch gewarnt: „Attention, mon ami, der Mont Ventoux ist kein Berg wie jeder andere.“ Am nächsten Morgen musste der 36-jährige Kübler allerdings einsehen, dass er sich übernommen hatte. Den Traum vom zweiten Tour-Sieg nach 1950 konnte er begraben.

Krönung in Varése

Besser lief es bei den schweren Ardennen-Klassikern: beim Wallonischen Pfeil und Lüttich–Bastogne–Lüttich, kurz L–B–L genannt. Damals fanden die prestigeträchtigen Rennen noch an ein und demselben Wochenende statt. Der Gesamtbeste wurde als Sieger des „Ardennen- Wochenendes“ belohnt. Das Profil der beiden Rennen mit den zahlreichen Cótes war für einen Fahrer mit der Tour- und Giro-Erfahrung eines Ferdy Kübler wie geschaffen. 1951 schlug der Schweizer Draufgänger erstmals zu. Nach einem harten Fight mit den beiden ehemaligen Tour-Siegern Gino Bartali und Jean Robic siegte er am ersten Renntag beim Wallonischen Pfeil. Einen Tag später düpierte er bei L–B–L den schnellen Belgier Germain Derijcke und Hollands Tour-Helden Wout Wagtmans. Diese Saison sollte eine der erfolgreichsten seiner Karriere werden. Die Krönung: Der WM-Titel im Straßenrennen von Varése.

Fast ein Hattrick

Beflügelt durch das Weltmeister-Trikot kehrte Kübler 1952 hoch motiviert in die Ardennen zurück. Und obwohl all seine Gegner gewarnt waren, gab er beim Wallonischen Pfeil diesmal den belgischen Cracks Stan Ockers und Raymond Impanis das Nachsehen. 24 Stunden später gelang ihm in Lüttich, nach knapp 230 Kilometern, erneut das Double, der Sieg beim Ardennen-Wochenende war perfekt. Welch ein Triumph! Mehr noch: Das Meisterstück des Schweizer Dauerbrenners bleibt bis heute unerreicht. Beinahe hätte Kübler 1954 sogar den Hattrick geschafft. Er belegte jeweils nur knapp die Plätze 2 und 3. Dabei hatte er den Wallonischen Pfeil eigentlich sogar gewonnen. Der Sieg wurde ihm nach einer umstrittenen Entscheidung des belgischen Zielrichters allerdings aberkannt. Dieser wollte im Zielsprint eine unfaire Behinderung Küblers gegenüber dem Belgier Derijcke erkannt haben.

Größter Schweizer

Mit mehr als 400 Siegen bei 2300 Starts beendete der Schweizer 1957 seine glanzvolle Radsportkarriere. Im Anschluss unterstützte er mit ebenso viel Energie unter anderem das Marketing der Tour de Suisse. 1983 wurde Kübler zum populärsten Schweizer Sportler der letzten 50 Jahre gewählt. 2010 erhielt er für sein Lebenswerk vom Schweizer Fernsehen den „Lifetime Award“. Ferdy Kübler ist der älteste noch lebende Sieger der Tour de France (92).

Ferdy Kübler: Daten & Fakten

- Geboren am 24. 7. 1919 in Marthalen/Schweiz.
- Profi von 1940 bis 1957.

Größte Erfolge:
- Sieger Tour de France 1950, Grünes Trikot Tour de France 1954, 3-mal Sieger Tour de Suisse (1942, 1948, 1951), 2-mal Tour de Romandie (1948 + 1951), 2-mal Ardennen-Wochenende (1951 + 1952), 5-mal Schweizer Meister. Straßenweltmeister 1951.

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