RB 0712 Legenden des Radsports Tour de France in Deutschland Roth/Augenklick

Legenden des Radsport: Die Tour de France in Deutschland

Die Tour de France zu Gast in Stuttgart

1987 war für den deutschen Radsport, und speziell für Stuttgart, ein besonderes Jahr. Damals feierte die Neckarmetropole die 25-jährige Städtepartnerschaft mit Straßburg – und die Visite der Tour de France.

Doch bevor die Grande Boucle Süddeutschland erreichte, tobten die Menschen zunächst auf den Prachtstraßen Berlins vor Euphorie. Zum 750-Jahr-Jubiläum der Stadt fand der Grand Départ, der Start der Tour, in Westberlin statt. Heikel: US-Profi Andrew Hampsten überfuhr während des Trainings im Norden der Stadt versehentlich die Grenzlinie am Kontrollpunkt Staaken – glücklicherweise ohne politische Folgen. Oder eben doch? Tour-Direktor Christian Prudhomme ist jedenfalls noch heute der festen Überzeugung, dass die Berliner Mauer durch das bunte Tour-Spektakel ihre ersten Risse bekam ...

Bonjour Didi Thurau

Nach dem Prolog auf dem Kurfürstendamm erinnerte sich Frankreichs Premierminister Jacques Chirac an eine Begegnung mit Didi Thurau 1977 in Paris. Damals hatte der junge Frankfurter nebst 5 Etappensiegen 2 volle Wochen lang das begehrte Maillot Jaune der Tour getragen. „Seit Konrad Adenauer hat keiner mehr für die deutsch-französische Freundschaft getan als Monsieur Thurau“, erklärte Chirac.
10 Jahre später präsentierte sich der blonde Engel, wie ihn die Franzosen liebevoll nannten, rechtzeitig zum Tour-Start in Berlin erneut in einer beachtlichen Form. Der 6. Platz beim Prolog, nur 8 Sekunden hinter dem Sieger Jelle Nijdam aus den Niederlanden, war ein untrügliches Indiz dafür. Vollends in die Offensive zog Thurau dann in Süddeutschland: Auf der äußerst welligen 3. Etappe von Karlsruhe nach Stuttgart. Und auch wenn ihm der Tagessieg letztendlich nicht gelang, schlüpfte er dank einer erneuten vorderen Platzierung in das begehrte Grüne Trikot des Punktbesten. Einen Tag später eroberte er gar das bunte Leader-Shirt der Kombinationswertung.

Ein kurzer Spaß

Vor allem dank Thurau erlebte Baden-Württemberg eine nie gesehene Radsport-Begeisterung. Teilweise standen die Zuschauer in bis zu 12 Reihen am Straßenrand. Doch der Spaßfaktor um Deutschlands Liebling war diesmal nur von kurzer Dauer. 4 Tage nach der großen Party in Stuttgart wurde Thurau bei einer Dopingkontrolle positiv getestet.
Das damalige Strafmaß von bescheidenen 10 Minuten aufs Gesamtklassement war im Grunde halb so schlimm. Der Imageschaden für den Radsport insgesamt dafür umso heftiger. Schlimmer noch: Auf dem 15. Teilstück nach Blagnac zog Thurau endgültig die Bremsen und blieb der Frankreich-Rundfahrt für immer fern. Die Etappe gewann übrigens ausgerechnet der deutsche Jung-Profi Rolf Gölz.

Geburtsstunde

Die Nachhaltigkeit des Tour-Besuchs im Schwabenland nutzte hingegen der Stuttgarter Sportpromoter Winfried Holtmann: Er rief ein neues deutsches Profi-Team ins Leben. Nach der Absage des Titelsponsors nannte er es schlicht Team Stuttgart. Und aus der zunächst eher bescheidenen Mannschaft entwickelte sich das Star-Ensemble von Telekom/T-Mobile. Nach dem Dopingskandal um Dr. Fuentes stellte das Nachfolgeteam HTC-Highroad schließlich sogar den aktuellen Weltmeister Mark Cavendish. Doch nach der Saison 2011 löste sich das Team auf. Und wie vom ehemaligen Team ist auch von der Radsport-Verrücktheit der Stadt Stuttgart – einst Austragungsort von 2 Weltmeisterschaften, einem traditionsreichen 6-Tage-Rennen und Etappenziel der Deutschland-Rundfahrt – praktisch nichts mehr übrig.

Die Tour de France in Deutschland: Daten und Fakten

- 1964 Freiburg Etappenort
- 1965 Grand Départ Köln
- 1970 Saarlouis Etappenort
- 1971 Freiburg Etappenort
- 1977 Freiburg Etappenort
- 1980 Grand Départ Frankfurt/Main + 1 Etappe
- 1987 Grand Départ Berlin + 2 Etappen
- 1992 Koblenz Etappenort
- 2000 Freiburg Etappenort
- 2002 Saarbrücken Etappenort
- 2005 Karlsruhe + Pforzheim Etappenorte

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