RB 1211 Legenden des Radsports André Noyelle Witters

Legenden des Radsport: André Noyelle

André Noyelle im Porträt

Die Olympischen Spiele von 1952 in Helsinki brachten dem damals erst 20-jährigen André Noyelle ewigen Ruhm – und in seinem zweiten Leben als westflandrischer Kneipenwirt volle Kassen.

Ende November 2011 wäre der Flame, dessen Triumph beim olympischen Straßenrennen 1952 in Helsinki bis heute unvergessen bleibt, 80 Jahre alt geworden: Noyelle, der zu jener Zeit gerade seinen Wehrdienst bei der belgischen Armee leistete, versetzte in der letzten Runde der starken deutschen Konkurrenz den Knockout. Selbst der starke Schweinfurter Edi Ziegler, der am Ende Dritter wurde, konnte nicht mehr dagegenhalten.
Doch damit nicht genug: Weil Noyelles Kameraden im Nationalteam, Robert Grondelaers und Lucien Victor, das Ziel nach 190 ultraschnellen Kilometern als Zweiter und Vierter erreichten, gewann Belgien obendrein die Mannschaftswertung und somit eine weitere Goldmedaille hinzu. Einen solchen Erfolg hatte kein Belgier vor André Noyelle gefeiert. Und auch danach konnte es ihm noch keiner seiner Landsmänner gleich tun – nicht einmal der Superstar Eddy Merckx.

Top-Favorit Van Looy

Wenige Tage nach seinem großen Triumph in der finnischen Hauptstadt sagte Noyelle erleichtert: „Das Gefühl, als Erster durchs Ziel zu fahren, war unvorstellbar schön. Viel taktisches Gerede gab es in der Mannschaft vor dem Start nicht. Hauptsache, wir sollten uns gegenseitig nicht in die Quere kommen. So die große Bitte des Verbandsvorsitzenden.“ Das war einfacher gesagt als getan, denn zur belgischen Equipe zählte mit dem ehrgeizigen Rik Van Looy als amtierendem Landesmeister einer der Top-Favoriten. Doch der spätere zweifache Profi-Weltmeister (1960 und 1961) hatte nach einem Reifenschaden nicht genügend Power, um das wilde Peloton wieder einzuholen.

Die Chance nutzen

Doch auf Van Looys Teamkollegen wirkte dessen vorzeitige Aufgabe paradoxerweise wie befreiend. Schließlich konnte ab sofort jeder seine Chance suchen. Allen voran André Noyelle, dessen finalem Angriff zahlreiche Fahrer nicht mehr folgen konnten. Darunter waren auch solche, die später als Profis für viel Wirbel sorgten. Etwa Jacques Anquetil (12.) aus Frankreich, der erste Fahrer, der fünfmal die Tour de France gewann (1957, 1961–1964). Oder der Schweizer Rolf Graf (17.), unter anderem Sieger von Gent–Wevelgem (1954) und der Tour de Suisse (1956). Dass Noyelles Parforceritt in Helsinki, wo letztlich nur knapp die Hälfte der 112 gestarteten Akteure die Ziellinie überquerten, kein Zufall war, bewies er im selben Jahr bei der Amateur-WM in Luxemburg. Dort wurde er Zweiter hinter Luciano Ciancola aus Italien. Trotz der vielversprechenden Erfolge konnte Noyelle den Aufwärtstrend bei den Profis aber nur begrenzt fortsetzen. Die Gründe lagen in der erbitterten Konkurrenzsituation in seiner Heimat, wo der Radsport eine nie dagewesene Hochkonjunktur erlebte. In Belgien musste sich Noyelle gegen Stars wie Schotte, Van Steenbergen, Ockers, De Bruyne oder Van Looy behaupten.

Café Helsinki

1966 beendete André Noyelle seine Karriere, um wenig später gemeinsam mit seiner Frau Noella ein gut gehendes Bierlokal in der Altstadt im westflandrischen Ieper zu eröffnen. Noyelle nannte es stolz „Café Helsinki“. Viele neugierige Gäste aus Holland, Frankreich, Deutschland und Übersee fanden es besonders reizvoll, dort einem Olympiasieger lebhaft zu begegnen. Am 4. Februar 2003 verstarb André Noyelle, der Held von Helsinki, nach einem Krebsleiden.

André Noyelle: Daten & Fakten

- Noyelle wurde am 29. November 1931 im belgischen Ieper geboren und verstarb am 4. Februar 2003 in Poperinge.
- Sein größter Erfolg waren die beiden Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1952.
- Im gleichen Jahr wurde er Zweiter bei der Amateur-WM.
- Als Profi gewann er zwischen 1953 und 1966 insgesamt 57 Rennen.

Zur Startseite
Training Sonstiges RB Rennrad: Sport und Disziplinen 20th Santos Tour Down Under 2018 Stage 5 Teaser Welche Wettkämpfe gibt es im Rennradsport? Der Straßenradsport: Disziplinen und Wettbewerbe im Überblick

Für Einsteiger ist der Rennradsport am Anfang komplex und verworren.

Mehr zum Thema Radsport
rb-0516-einsteiger-rennraeder-test-TEASER-2
Szene
RB-Eurobike-2013-Hohl-Profi-Bikes-51 (jpg)
Neuheiten
RB Velothon Berlin 2013 HPG Teaserbild
Neuheiten
RB-Pro-Replicas-Specialized Venge Comp
Neuheiten