RB 1212 Legenden des Radsports Adolf Christian Witters

Legenden des Radsport: Adolf Christian

Adolf Christian im Porträt

Mit Max Bulla und Adolf Christian war Österreich im Radsport einst ganz vorn dabei. Heute wartet die Alpenrepublik voller Sehnsucht auf einen Nachfolger, der an die Erfolge der großen Radsport-Idole anknüpfen kann.

Zugegeben: Seit dem 2. Weltkrieg zeigten sich in Österreich immer wieder vielversprechende Talente. Doch entweder ruhten sie sich zu lange auf ihrem gut dotierten Amateurstatus aus oder ihnen fehlte schlichtweg der Mumm, Profi zu werden. Und wer es doch geschafft hatte, verschwand oft aus unterschiedlichen Gründen genauso schnell von der Radsportbühne, wie er gekommen war. Zu dieser Gattung gehören etwa Fahrer wie Bernhard Kohl, Georg Totschnig, Helmut Wechselberger, Rudi Mitteregger oder Wolfgang Steinmayr. Bis 1957 muss man zurückblicken, um daran zu erinnern, wie der bis dahin relativ unbekannte Adolf Christian die Tour de France förmlich auf den Kopf stellte. In jenem Sommer versetzte er seine Landsleute zwischen Wien und Bregenz in eine nie dagewesene Radsport-Euphorie. Vergleichbar etwa mit Didi Thuraus unvergessenem Tour-Sommermärchen 20 Jahre später in Deutschland.

Wiener Teufelskerl

Doch „Dolfi“ agierte weitaus unauffälliger als der junge Frankfurter, der mit seiner forschen Fahrweise Schlag auf Schlag die Stars des Tour-Pelotons düpierte und nach 5 Etappensiegen letztendlich auf den 5. Platz fuhr. Adolf Christian, der 23-jährige Wiener Tapeziermeister, bestach 1957 durch seine effiziente Fahrweise. So effizient, dass er nach 4686 Kilometern im Pariser Prinzenpark als Dritter gefeiert wurde, hinter dem legendären Jacques Anquetil sowie Marcel Janssens aus Belgien. Die internationale Radsport-Szene war auf einmal um eine Sensation reicher. Und Christians Aufstieg verlief rasant: Nachdem er in seiner Heimat einige ansprechende Ergebnisse zusammengekurbelt hatte, erzielte er seine ersten internationalen Meriten bei der Europa-Rundfahrt 1956 für „Indépendants“. Eine Kategorie, die damals für angehende Profis gedacht war. Vergleichbar etwa mit der heutigen U23-Klasse.

Angebot von Coppi

Nach 10 Etappen und 1771 Kilometern von Zagreb über Innsbruck, Stuttgart, Nancy und Namur, belegte Christian mit 8:10 Minuten Rückstand auf Roger Riviére aus Frankreich einen aufsehenerregenden 4. Rang. Nach dem 2. Teilstück in Udine übernahm der kleine Wiener für einen Tag sogar das Trikot des Gesamtführenden. Und wäre „Dolfis“ Unerfahrenheit beim Einzelzeitfahren nicht so eklatant gewesen, er hätte wohl ein noch besseres Ergebnis erzielt. Ein Happy End war ihm trotzdem sicher. Im Ziel in Namur erwartete ihn der große Fausto Coppi persönlich. Über Freunde hatte der Campionissimo von der couragierten Fahrweise des Österreichers erfahren und bot ihm spontan einen Profi- Vertrag an. Und obendrein die Perspektive, in einem gemischten Österreichisch-Schweizerischen Nationalteam an der Tour de France 1957 teilzunehmen.

Der lange Abstieg

Doch das Wunder von 1957 sollte Christians einziger richtig großer Radsport-Sommer bleiben. Denn schon als die Reporter von L’Equipe den Österreicher im folgenden Jahr in den Kreis der Top-Favoriten hoben, begann sein Stern zu sinken. Mit seinem Sturz gleich zu Beginn der Tour de France 1958 begann der lange Abstieg. Völlig demotiviert wechselte Adolf Christian 1962 wieder zu den Amateuren. Im darauffolgenden Jahr brach der Österreicher seine sportliche Laufbahn nach einem positiven Dopingbefund dann endgültig ab: Er war gerade einmal 28 Jahre alt.

Adolf Christian: Daten & Fakten

- Geboren am 13. Juni 1934 in Wien, gestorben am 8. Juli 1999.
- Als Amateur wurde Christian 1954 und 1956 Österreichischer Staatsmeister, zudem gewann er 1954 die Österreich-Rundfahrt.
- Von 1957 bis 1961 war er Profi.
- Mit seinem 3. Platz im Gesamt- sowie Punkteklassement 1957 ist er erfolgreichster Österreicher in der Geschichte der Tour de France.

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