Rennrad Touren Zeeland Holland Niederlande Joris Lugtugheid

Zeeland - Vier Rennradtouren mit Wind und Meer

Rennradtouren in der Region Zeeland Zeeland - Vier Rennradtouren mit Wind und Meer

Einst war Zeeland nur per Schiff erreichbar. Heute lässt sich die niederländische Provinz auch über Land ansteuern – am besten natürlich mit dem Rennrad.

4 Rennradtouren in Zeeland

Jan Raas-Route

  • Distanz: 101 km
  • Höhenmeter: 100 Hm

Auf den Spuren von Jan Raas führt die Strecke durch die Region "Zak van Zuid-Beveland" mit ihren alten Poldern, Weißdornhecken und den für die Gegend typischen kurvigen Blumendeichen.

Route: Heinkenszand Kwadamme Hoedekenskerke Ellewoutsdijk Borssele Heinkenszand ’s-Heerenhoek Ritthem > Sint Joosland Heinkenszand

Mehr zum Thema:
Länge 100,70 km
Dauer 6:18 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 82 Meter
Höhenmeter absteigend 81 Meter
Tiefster Punkt 1 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Jo de Roo-Route

  • Distanz: 111 km
  • Höhenmeter: 150 Hm

Vom schönen Zuid-Beveland führt die Jo de Roo-Route nach Noord-Brabant und zurück. Eine anspruchsvolle Runde mit Kopfsteinpflaster, viel Wind und sogar einem kleinen Anstieg.

Route: Schore ’s-Heer Abtskerke ’s-Heer Hendrikskinderen Wilhelminadorp Vlake Krabbendijke Rilland Hoogerheide Waarde Schore

Mehr zum Thema:
Länge 111,06 km
Dauer 6:54 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 127 Meter
Höhenmeter absteigend 127 Meter
Tiefster Punkt 0 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Keetie van Oosten-Hage-Route

  • Distanz: 87 km
  • Höhenmeter: 60 Hm

Über die Inseln Tholen und Sint Philipsland geht es flach durch die Heimat der mehrfachen Weltmeisterin, entlang der Deiche und Gewässer und mit Blick über die weitläufigen Polder.

Route: Sint Maartensdijk Stavenisse Scherpenisse Sint Philipsland Inselrundfahrt Sint Philipsland Oud-Vossemeer Oesterdam Sint Maartensdijk

Mehr zum Thema:
Länge 86,85 km
Dauer 4:44 Std
Schwierigkeitsgrad Mittelschwer
Höhenunterschied 56 Meter
Höhenmeter absteigend 56 Meter
Tiefster Punkt -1 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Zeeländische Wind-Route

  • Distanz: 127 km
  • Höhenmeter: 150 Hm

Die im Haupttext beschriebene Tour führt in einer weiten Schleife durch Zeeland und fordert die Sportler mit dem berühmtesten "Berg" der Niederlande: dem heftigen Gegenwind.

Route: Zierikzee Serooskerke Vrouwenpolder Westkapelle Meliskerke Vlissingen Vlissingen-Oost Arnemuiden Wolphaartsdijk Colijnsplaat Zierikzee

Mehr zum Thema:
Länge 126,82 km
Dauer 6:09 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 149 Meter
Höhenmeter absteigend 148 Meter
Tiefster Punkt 0 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

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Infocenter

Inselhopping auf Niederländisch: Neben geschichtsträchtigen Städten, beliebten Stränden und einem dichten Netz autofreier Radwege hat die Inselprovinz noch mehr zu bieten – auch in kulinarischer Hinsicht.

Erleben

  • Meister gegen den Wind:

    Ja, in den Niederlanden gibt es eine Meisterschaft im Gegenwindfahren – und zwar direkt auf der Sturmflutsperre. In einem bestimmten Zeitfenster im Herbst geht es los, sobald eine Windstärke von 7 vorhergesagt ist – mindestens. Ach ja ... Rennlenker sind dabei nicht erlaubt. nk-tegenwindfietsen.nl

  • Sechstagetour: Ein Tag im Gegenwind ist nicht genug? Wie wäre es dann mit sechs Tagen? Bei den Zeeuwse Wieler Wind Zesdaagse (ZWW6D) werden jedes Jahr die sechs anspruchsvollsten und windigsten Strecken gefahren, die sich in ganz Zeeland finden lassen. sportzeeland.nl

  • An die Ruder: Zur Abwechslung mal aufs Wasser statt immer nur mit dem Rennrad dran vorbei? Kanu-Fans werden auf dem ehemaligen Meeresarm zwischen Wolphaartsdijk und Zuid-Beveland glücklich. kanoa.nl

Entdecken

  • Fakten: Zeeland liegt als eine der zwölf niederländischen Provinzen im Südwesten des Landes. Mit Ausnahme des an Belgien grenzenden Südens besteht die gesamte Provinz aus Inseln und Halbinseln. Früher nur per Schiff erreichbar, sind sie seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Dämme, Brücken und einen Tunnel mit dem Festland verbunden.
  • Beste Reisezeit:

    Mit Blick aufs Wetter lädt Zeeland von April bis September zum Rennradfahren. Im Juli und August wird es, zumindest in normalen Zeiten, sehr voll. Außerhalb der Ferien haben Radsportler hingegen viel Platz auf den Wegen und Straßen.

  • Anreise per Bahn: Von Frankfurt/Main geht es über Arnheim und Roosen­daal in etwa sechs Stunden Reisezeit nach Middelburg.
  • Anreise per Auto:Ohne Stau dauert die rund 470 Kilometer lange Fahrt von Frankfurt über Köln und Antwerpen rund fünf Stunden.
  • Unterkunft:
  1. Hotel Mondragon: Als großartiges Hotel mit besonderem Flair liegt das 1856 erbaute Mondragon im Hafen von Zierikzee. mondragon.nl

  2. Slaapzand-Strandhäuser: Wie wäre es denn mal mit einer Nacht am Strand? Zum Beispiel in den kleinen, aber feinen Strandhäusern an der Nordseeküste beim Domburg. slaapzand.nl

  3. Suite De Gevangentoren: Ein besonderes Schlaferlebnis bietet auch der ehemalige Gefängnisturm in Vlissingen. Unter dem Dach des im 16. Jahrhundert erbauten Turms befindet sich eine Luxus-Suite mit Aussicht auf die Westerschelde. gevangentorensuite.nl

  • Essen & Trinken:
  1. Oesterput 14: In Yerseke bringen die Fischer aus Zeeland ihren Fang an Land. Verspeist werden darf dieser dann etwa im Oesterput 14, das praktischerweise über den Austernbänken liegt. slaapzand.nl

  2. De Kaoie: Direkt im Hafen von Zierikzee bietet das De Kaoie nicht nur einen schönen Blick auf das alte Hafentor, sondern auch köstliche Leckereien. Tipp vom Autor: gebratene Miesmuscheln. dekaoie.nl

Das Land im Meer

Viel sehen und erleben, immer nah am Wasser

Die Flamen haben es versucht, die Spanier haben es versucht und die Holländer sowieso. Doch sie alle sind gescheitert. Die Mauern und Tore von Zierikzee haben in der langen Geschichte der Stadt viele Anstürme abgewehrt.

Aber unseren nicht! Ohne Gegenwehr rollen wir auf unseren Rennrädern über die Zugbrücke durch den mittelalterlichen Hafen ins Zentrum der Stadt an der Oosterschelde. Niemand springt uns vors Rad, um uns aufzuhalten. Dafür springen unsere Räder umso mehr: auf dem Kopfsteinpflaster unter uns. "Komm schon, nach 130 Kilometern auf autofreiem Asphalt willst du dich über das bisschen Gerumpel zum Finale ja wohl nicht beschweren", mahnt mein Rennradkumpel Joris beim Blick in mein leicht verzerrtes Gesicht.

Will ich nicht, denn die Straßen auf dieser vom Tourismusverband Zeeland entwickelten Route waren wirklich ein Traum. Auf mein eigentliches Problem heute weist indes der Name unserer Tour dezent hin: Zeeländische Wind Route. Noch Fragen? Wir hätten natürlich auch eine der vier anderen für Radsportler entwickelten Routen unter die Räder nehmen können. Sie alle sind nach berühmten zeeländischen Rennradfahrerinnen und Rennradfahrern benannt und führen jeweils über ihre Heimatinseln.

Da hätten wir zum Beispiel die Jan Raas Route. Der Straßenweltmeister von 1979 stammt von der Insel Zuid-Beveland. Jo de Roo wiederum, Sieger der Flandernrundfahrt 1965, wurde auf West-Beveland geboren. Aus Tholen kommt Keetie van Oosten, die in ihrer Karriere zwei Weltmeistertitel auf der Straße und gleich vier auf der Bahn holte. Und die Route des Weltmeisters von 1947, Theo Middelkamp, führt schließlich aufs Festland nach Zeeuws-Vlaanderen, Zeeländisch Flandern also.

Im Windschatten des Deiches

Doch nur die Zeeländische Wind Route verbindet mehrere Inseln und führt entlang der Nordsee. "Ist ja wohl klar, dass wir die nehmen", sagt Joris und klickt in die Pedale. Schon auf den ersten Kilometern umgarnt uns Zeeland mit seinen Vorzügen. Dank seiner Lage direkt am Meer, umgeben von Wasser, scheint hier öfter als im Rest der Niederlande die Sonne. Die Sache hat aber einen kleinen Haken: den bereits erwähnten Wind.

Er bläst hier noch ein wenig stärker, was wir speziell jenseits des Deichs am Außenufer der Oosterschelde zu spüren bekommen. "Nicht umsonst werden hier die Niederländischen Meisterschaften im Fahren gegen den Wind ausgetragen", ruft mir Joris zu. Wir kriechen tief in den Unterlenker und machen uns klein, um dem Gegenwind wenig Angriffsfläche zu bieten. Doch bald quert der Radweg den Deich und wir genießen fortan dessen Windschatten.

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Joris Lugtugheid

Nun ist die Daseinsberechtigung eines Deichs weniger der Schutz des Rennradfahrers vor dem Wind, wie uns der Plompe Toren eindrucksvoll beweist, der Pralle Turm. Der im Jahr 1468 errichtete Kirchturm ist der letzte verbliebene Zeuge des Dorfs Koudekerke, das im 16. Jahrhundert vom Meer weggespült wurde. Mehr als zweihundert Dörfer und ganze Städte wurden hier im Laufe der Jahrhunderte von Sturmfluten und der Gezeitenströmung verschluckt.

Nicht umsonst prangen auf dem Wappen Zeelands die Worte "Luctor et Emergo", was sich mit "Kämpfen und Auftauchen" übersetzten lässt. Auch wenn sich die Losung wohl auf die Auseinandersetzungen mit den Spaniern bezieht, passt sie perfekt für den ewigen Kampf der Zeeländer gegen das Meer.Ein Kampf, den der Mensch fürs Erste für sich entschieden hat, wie wir bei der Fahrt über das Oosterschelde-Sperrwerk mit einer steifen Brise im Gesicht erkennen.

Die drei Kilometer lange Sturmflutsperre verbindet die Inseln Schouwen und Noord-Beveland. Ihre 62 beweglichen, 42 Meter breiten Tafelschützen lassen sich schließen, um das Hinterland zu sichern. Der Bau der Anlage dauerte Jahrzehnte. Beschlossen wurde er nach der Sturmflut im Jahr 1953, die fast 2000 Menschen das Leben kostete. Seit der Eröffnung im Jahr 1986 musste die Sperre bislang 27-mal geschlossen werden, zuletzt im Februar 2020.

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Joris Lugtugheid

Das gigantische Bauwerk ist nur einer der vielen Dämme, die wir auf unserer Windfahrt überqueren. Wenig später rollen wir über den Veerse Gatdam. Rechts von uns die Dünen, dahinter die Nordsee mit ihrem langen Sandstrand voller Badegäste. Links das Veerse Meer, gesprenkelt mit den weißen Segeln der Boote. Wir rollen weiter über die Insel Walcheren – und wieder schön gegen den Wind. Keine 50 Kilometer auf dem Tacho, aber meine Beine werden schon schwer. Also verkrieche ich mich im Windschatten an Joris’ Hinterrad. "Na, dann kommen wir wenigstens schneller voran", bemerkt der, während ich gleich viel leichter trete.

Wir kommen nach Westkapelle und in das nächste Dorf, das einst vom Meer weggespült wurde. Allerdings nicht infolge einer Sturmflut, sondern nach britischem Bombardement der Deiche. So wollten sie 1944 die deutschen Besatzer von der Insel vertreiben – mit Erfolg. Das Loch im Deich ist längst geschlossen, doch die Rinne, durch die das Wasser auf die Insel schoss, ist geblieben.

Wir drehen ab Richtung Osten und passieren Aagtekerke, Meliskerke, Biggekerke oder Koudekerke. "Ganz schön viele Kirchen haben die hier", bemerkt Joris. Denn das bedeutet "Kerke" auf Deutsch. Schließlich erreichen wir Vlissingen und damit die Westschelde, den einzigen Meeresarm Zeelands, der im Zuge des Sturmflutschutzes nicht geschlossen wurde. Schließlich verbindet die Westschelde die Hafenstadt Antwerpen mit dem Meer. So wurden statt eines Sperrwerks im Meer besonders hohe Deiche an Land errichtet.

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Joris Lugtugheid

Mit dem Wind im Rücken fliegen wir über Walcheren, Zuid-Beveland und Wolphaartsdijk. Dass die heute durch Deiche, Dämme und Polder verbundene Landmasse früher aus einzelnen Inseln bestand, erkennen nur noch geübte Augen. So wie die von Ron van der Wijk. Während wir uns auf der Terrasse seines Kanuzentrums mit einem leckeren Bio-Burger stärken, zeigt er uns die Überreste des ehemaligen Meeresarms, der Wolphaartsdijk einst von Zuid-Beveland trennte. Heute ist es ein Paradies für Kanuten.

Mit frischer Energie starten wir auf die letzten Kilometer unserer Tour. Entlang des Veerser Meeres schießen wir mit kräftigem Wind im Rücken und der Sonne im Gesicht gen Osten. Besser geht es kaum. So erreichen wir schneller als erwartet die letzte Herausforderung des Tages: die fünf Kilometer lange Zeelandbrücke über die Oosterschelde. Die einst längste Brücke Europas macht immer noch ordentlich Eindruck. Nicht nur ob ihrer Länge, sondern auch dank des Gezeitenstroms, der kreischend zwischen den Brückenpfeilern tobt. Eine gute Viertelstunde brauchen wir für die Fahrt über die Brücke, dann rollen wir gemütlich bis Zierikzee und schließlich über die Zugbrücke in die Stadt. Und niemand kann uns aufhalten – auch nicht die Pflastersteine.

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